Schuppentierhandel auch in Deutschland

Schuppentiere gelten als die weltweit am meisten illegal gehandelten Tiere. Nun hat eine aktuelle Studie der Organisation TRAFFIC Konfiszierungen von Schuppentierprodukten in den Jahren 2010 bis 2015 ausgewertet und die internationalen Handelsrouten betrachtet – mit erschreckendem Ergebnis.

Weltweit gibt es acht Arten von Schuppentieren – vier davon sind in Afrika beheimatet, vier weitere in Asien. Doch die Populationen der „Tannenzapfentiere“ sind durch Wilderei weltweit so unter Druck geraten, dass seit 2016 alle Arten in der höchsten Schutzkategorie gemäß des Washingtoner Artenschutzabkommens geführt sind. Millionen Schuppentiere geraten jährlich in die Fänge der Wildtierjäger, was die Familie unter den Säugetieren zu der am stärksten illegal bejagten macht. Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass allein in Zentralafrika, wo drei Schuppentierarten vorkommen, bis zu 2,7 Millionen Tiere jährlich gewildert werden.

All das nur, weil ihr Fleisch in einigen asiatischen Ländern als Delikatesse gilt und ihren Schuppen irrtümlicherweise medizinische Heilkräfte nachgesagt werden. 

Eine aktuelle Studie der Organisation TRAFFIC hat Konfiszierungen von Schuppentierprodukten in den Jahren 2010 bis 2015 ausgewertet und die internationalen Handelsrouten betrachtet. Die Untersuchung weist nach, dass zwar weite Teile des illegalen Handels innerhalb von Asien stattfinden. Doch die internationale Dimension des Schuppentierhandels ist größer als angenommen. Während man bisher davon ausging, dass Schuppentierprodukte von Afrika direkt per Schiff oder Flugzeug nach Asien gelangten, konnte die Studie ein deutlich komplexeres Handelsnetzwerk aufzeigen, das auch Europa als Knotenpunkt für den Schuppentierhandel von Afrika nach Asien entlarvt.

Unter den europäischen Ländern verzeichneten insbesondere Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Belgien solche Fälle. Was die Zahl der aufgedeckten Konfiszierungen betrifft, liegt Deutschland mit 38 Fällen innerhalb der Jahre von 2010 bis 2015 international sogar auf Rang drei. Die Konfiszierungen hierzulande ergaben mehr als 650 Kilogramm Schuppen sowie 26 Kilogramm Körperteile getöteter Schuppentiere. Besonders häufig kamen die Produkte aus Nigeria und gelangten über Deutschland nach China.

Auf Anfrage teilte das Bundesamt für Naturschutz der Welttierschutzgesellschaft mit, dass die in Deutschland konfiszierten Schuppentierprodukte hauptsächlich aus Paketsendungen stammten, die auf dem Weg von Afrika nach Asien in den Verteilzentren der Versandunternehmen Zwischenstopp machten und dort kontrolliert wurden. Die Absender in West- und Zentralafrika sowie der Empfänger in Ostasien zu ermitteln und juristisch zu verfolgen, gestalte sich jedoch schwierig, da verschleierte Adressen zum Einsatz kämen.

Dem internationalen Schuppentierhandel ein Ende machen

Damit sich die bedrohliche Situation für Schuppentiere nachhaltig bessert, muss vor allem die Nachfrage in Asien deutlich sinken. Deshalb bedarf es massiver Informationsarbeit in Ländern wie China und Vietnam, um allen acht Schuppentierarten eine Perspektive zu ermöglichen.

Vor dem Hintergrund stark abnehmender Bestandszahlen ist es aus unserer Sicht ebenso wichtig, jedem einzelnen befreiten Schuppentier eine bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. Dies ist vor allem in asiatischen Staaten, in denen sich der Schmuggel lebender Schuppentiere konzentriert, von großer Bedeutung.

Weitere Informationen über das zukunftsweisende Projekt finden Sie auch hier:

Hintergrund: Wildtiere in Vietnam

Naturschutzgesetzen zum Trotz hat die Biodiversität Vietnams in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Für die Tierwelt stellt insbesondere der illegale Wildtierhandel eine schwerwiegende Bedrohung dar. Ein gesichertes Leben in Freiheit ist für viele Tiere nicht möglich. Ob Schuppentiere, Zibetkatzen oder Marderbären – gemeinsam mit der nationalen Organisation Save Vietnam’s Wildlife (SVW) setzen wir uns für die Wildtiere in Vietnam ein.

Zum Projekt

Informationsarbeit sowie Rettung, Versorgung und Wiederauswilderung konfiszierter Schuppentiere stehen im Mittelpunkt des Projekts, das wir im Cuc Phuong Nationalpark im Norden Vietnams maßgeblich unterstützen. Gemeinsam mit Save Vietnam’s Wildlife haben wir den Aufbau eines Bereitschaftsteams ermöglicht, das zur Versorgung konfiszierter Schuppentiere in Aktion tritt und die Tiere in das Schutzzentrum im Nationalpark bringt. Dort werden die Tiere aufgepäppelt und anschließend, wenn ihr Zustand es erlaubt, in weitgehend jagdfreien Regionen wieder ausgewildert.

Allein im Jahr 2017 konnten 407 Schuppentiere gerettet werden, von denen fast die Hälfte, nämlich 196 Tiere, bereits wieder ausgewildert wurde.

Chronisch kranke und verletzte Tiere finden im Schutzzentrum ein dauerhaftes Zuhause. Sie erhalten auf ihre Bedürfnisse optimal abgestimmte Gehege und Diätpläne. Die Fütterungszeiten sind an die Lebensweise der meist nachtaktiven Tiere angepasst. Außerdem wird dafür gesorgt, die Schuppentiere möglichst artgerecht zu beschäftigen – zum Beispiel mittels Ameisennestern, die sie bei der Nahrungsaufnahme vor Herausforderungen stellen, denen Schuppentieren auch in der freien Wildbahn begegnen.

Versorgung von mehr als 100 Tieren gleichzeitig

Wenn Schuppentierhändler gestoppt werden können, benötigen oft auf einen Schlag Dutzende geretteter Tiere eine intensive Behandlung. Damit solche Rettungen von zum Teil mehr als 100 Tieren möglich sind, hat das Schutzzentrum in Vietnam mit unserer Unterstützung neue Kapazitäten geschaffen. Inzwischen können in Quarantäne-Gehegen nun 138 Tiere zur gleichen Zeit versorgt werden, allein 48 davon wurden 2017 neu errichtet. Die Behandlung der konfiszierten Tiere ist meist aufwendig, da sie in Folge der Gefangenschaft oft dehydriert oder verletzt sind. Häufig wurden die Tiere auch zwangsgefüttert, um ihr Gewicht vor dem Verkauf noch zu steigern, was zu schweren körperlichen Leiden führt.

Helfen Sie uns, den bedrohten Tieren Schutz zu bieten!

Schon mit 40 Euro finanzieren Sie eine sichere Transportbox, in der ein Schuppentier sicher ins Schutzzentrum gebracht wird.

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