Ein Schuppentier aus dem illegalen Wildtierhandel nach seiner Rettung.

Schuppentiere: Gewildert und gehandelt

Die Zahl der Schuppentiere in Afrika und Asien nimmt rapide ab. Grund dafür ist der illegale Handel mit Schuppentierprodukten, der längst ein großes internationales Geschäft ist. Eine neue Studie sowie Recherchen der Welttierschutzgesellschaft machen deutlich, dass auch Deutschland Teil der weltweiten Handelsrouten ist. Zumeist sind die Schuppentierprodukte für den illegalen Markt in Asien bestimmt, wo die Nachfrage am größten ist. Wer die Wurzeln des Problems ausheben will, muss also hier tätig werden. Beispielhaft zeigt ein Projekt in Vietnam, wie der Schutz der bedrohten Tiere mit vereinten Kräften gelingen kann.

Weltweit gibt es acht Arten in der Familie der Schuppentiere – vier davon sind in Afrika beheimatet, vier weitere in Asien. Doch die Populationen der „Tannenzapfentiere“ sind durch Wilderei weltweit so unter Druck geraten, dass seit 2016 alle Arten in der höchsten Schutzkategorie gemäß des Washingtoner Artenschutzabkommens geführt sind. Millionen Schuppentiere gerieten seit der Jahrtausendwende in die Fänge der Wildtierjäger, was die Tiere unter den Säugetieren zu den am stärksten illegal bejagten macht. Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass allein in Zentralafrika, wo drei der vier afrikanischen Schuppentierarten vorkommen, bis zu 2,7 Millionen Tiere jährlich gewildert werden.

Grund für die schier grenzenlose Wilderei sind zum einen die Schuppen der Tiere, die in den traditionellen Medizinen Afrikas und Asiens gefragt sind. Obwohl sie wie menschliche Finger- und Fußnägel lediglich aus Keratin bestehen, sind Mittel auf Schuppentierbasis z.B. in China offiziell als Arzneimittel gelistet. Sie sind zudem Bestandteil ritueller Heilverfahren, was es noch schwieriger macht, die Menschen vom Verzicht auf Schuppentierprodukte zu überzeugen. Schuppentierfleisch gilt zudem als Delikatesse, die bei der wachsenden Mittelschicht in China und Vietnam beliebt ist. Aber auch der eher opportunistische Verzehr von Schuppentierfleisch – z.B. von Tieren, die bei Gelegenheit im Wald erbeutet wurden – ist verbreitet.

Der grassierende Wildtierhandel ist eine große Bedrohung für alle Schuppentierarten

Gleich aus mehreren Gründen stellt der grassierende Wildtierhandel eine große Bedrohung für alle Schuppentierarten dar. Die Tiere weisen eine niedrige Reproduktionsrate auf, was den Verlust jedes einzelnen gewilderten Tieres umso schmerzlicher macht. Für Wilderer sind Schuppentiere zudem eine leichte Beute, weil sie sich bei Gefahr zusammenrollen und lediglich aufgelesen werden müssen. Außerdem gilt die Nachzucht der Tiere weiterhin als schwierig, da Schuppentiere als Insektenfresser in ihrer Ernährung hochspezialisiert sind.

Internationaler Schuppentierhandel: Neue Erkenntnisse

Eine aktuelle Studie der Organisation TRAFFIC hat Konfiszierungen von Schuppentierprodukten in den Jahren 2010 bis 2015 ausgewertet und die internationalen Handelsrouten betrachtet. Die Untersuchung weist nach, dass zwar weite Teile des illegalen Handels innerhalb von Asien stattfinden. Doch die internationale Dimension des Schuppentierhandels ist größer als angenommen. Während man bisher davon ausging, dass Schuppentierprodukte von Afrika direkt per Schiff oder Flugzeug nach Asien gelangten, konnte die Studie ein deutlich komplexeres Handelsnetzwerk aufzeigen, das auch Europa als Knotenpunkt für den Schuppentierhandel nachweist.

Unter den europäischen Ländern verzeichneten insbesondere Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Belgien Fälle illegalen Schuppentierhandels. Was die Zahl der Konfiszierungen von Schuppentierprodukten betrifft, liegt Deutschland mit 37 Fällen international sogar auf Rang drei – hinter den USA (127 Fälle) sowie China (113). Bei der Gesamtzahl der Handelsvorfälle rangiert Deutschland weltweit mit Platz 10 ebenfalls weit vorne.

Auf Anfrage teilte das Bundesamt für Naturschutz der Welttierschutzgesellschaft mit, dass in Deutschland konfiszierte Schuppentierprodukte hauptsächlich aus Paketsendungen stammten, die auf dem Weg von Afrika nach Asien in den Verteilzentren der Versandunternehmen Zwischenstopp machten und dort kontrolliert wurden. Die überwiegende Mehrzahl der Sendungen sei an den Flughäfen von München und Frankfurt am Main aufgegriffen worden. Die Absender in West- und Zentralafrika sowie die Empfänger in Ostasien zu ermitteln und juristisch zu verfolgen, gestalte sich jedoch schwierig, da verschleierte Adressen zum Einsatz kämen.

Schuppentierhandel in Deutschland: Zahlen & Fakten (2010-2017)

Aufgriffe der Zollbehörden ergaben mehr als 750 Kilogramm Schuppen. Die Mengen bewegten sich zwischen ca. 1 kg bis zu 30 kg pro Sendung. Eine konfiszierte Sendung mit 57 kg Schuppen stellt den Ausreißer nach oben dar. In vier Fällen handelte es sich um andere Schuppentierprodukte, nämlich Cremes und Arzneimittel. Davon waren zwei Sendungen für Empfänger in Deutschland bestimmt. In einem Fall wurde das Fleisch von einem Schuppentier versendet. Die Sendung war für eine Person in Deutschland bestimmt. Mit 32 Aufgriffen, die insgesamt 632 Kilogramm Schuppen ergaben, lag der Schwerpunkt der Vorfälle im Jahr 2013. Die letzte Konfiszierung in Deutschland fand 2016 statt. Es handelte sich um 10 Packungen mit Pflastern, die laut Etikett unter Verwendung von Schuppentierteilen hergestellt wurden. Die Sendung war für einen Empfänger in Deutschland bestimmt. Herkunftsländer der Sendungen waren hauptsächlich Nigeria und Äquatorialguinea, Zielland China.   Quelle: Bundesamt für Naturschutz / Zollkriminalamt
Das Bundesamt für Naturschutz beobachtet zudem, dass die Verantwortlichen nach den zahlreichen Konfiszierungen im Sommer 2013 die Transportwege geändert haben. Der Transport erfolgte ab diesem Zeitpunkt zunächst über andere EU-Staaten, allerdings sind auch hier mittlerweile die Zahlen gesunken. Es wird vermutet, dass die arabische Halbinsel inzwischen verstärkt als Drehkreuz genutzt wird oder die Produkte per Direktflug nach Südostasien gelangen.
Diese neuen Erkenntnisse zeigen, dass der internationale Schuppentierhandel nur mit gemeinsamen internationalen Anstrengungen bekämpft werden kann. Denn sind die Täter in einzelnen Ländern verstärktem Verfolgungsdruck ausgesetzt, dauert es nicht lange, bis sie auf neue Transportrouten ausweichen. Damit sich die Lage der Schuppentiere nachhaltig bessert, muss zudem die Nachfrage in Asien deutlich sinken. Dafür bedarf es massiver Informationsarbeit vor allem in Ländern wie China und Vietnam. Aus Sicht der Welttierschutzgesellschaft ist es ebenso wichtig, jedem einzelnen befreiten Schuppentier eine bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen, die im Idealfall mit der Wiederauswilderung in jagdfreien Gebieten endet. Dies ist besonders in asiatischen Staaten, in denen sich der Schmuggel lebender Schuppentiere konzentriert, von großer Bedeutung.

Hintergrund: Wildtiere in Vietnam

Naturschutzgesetzen zum Trotz hat die Biodiversität Vietnams in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Für die Tierwelt stellt insbesondere der illegale Wildtierhandel eine schwerwiegende Bedrohung dar. Ein gesichertes Leben in Freiheit ist für viele Tiere nicht möglich. Ob Schuppentiere, Zibetkatzen oder Marderbären – gemeinsam mit der nationalen Organisation Save Vietnam’s Wildlife (SVW) setzen wir uns für die Wildtiere in Vietnam ein.

Zum Projekt

Quellen & weiterführende Links
▪ Heinrich, S. et al (2017): THE GLOBAL TRAFFICKING OF PANGOLINS: A comprehensive summary of seizures and trafficking routes from 2010–2015: http://static1.1.sqspcdn.com/static/f/157301/27779360/1513337200303/global-pangolin-assessment.pdf
▪ Vallianos, C. (2016): Pangolins on the Brink: https://wildaid.org/pangolins-on-the-brink/
▪ Ingram, D. (2017): Assessing Africa-Wide Pangolin Exploitation by Scaling Local Data: http://onlinelibrary.wiley.com/wol1/doi/10.1111/conl.12389/abstract
▪ Welttierschutzgesellschaft: Tierschutz in Vietnam Schutz für die Tiere – Bildung für die Menschen: https://welttierschutz.org/projekte/wildtiere/wildtiere-in-vietnam/

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