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Schliefenanlagen – Training auf Kosten der Tiere

Schliefenanlagen zum Training von Hunden für die Fuchsjagd sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt – dennoch sind sie in Deutschland weit verbreitet. Was auf den ersten Blick wie ein kontrolliertes Trainingssystem wirkt, bedeutet für die eingesetzten Wildtiere vor allem eines: Stress, Angst und ein Leben in Gefangenschaft. Eine Deutschlandkarte, die vom Netzwerk Fuchs in Zusammenarbeit mit dem EU-Abgeordneten Sebastian Everding erstellt wurde, zeigt nun erstmals die noch immer große Verbreitung von Schliefenanlagen.

Was genau sind Schliefenanlagen?

Schliefenanlagen sind künstlich angelegte Tunnelsysteme, die den natürlichen Bau eines Fuchses nachbilden. Sie werden genutzt, um Jagdhunde für die sogenannte Baujagd auszubilden. Dabei sollen die Hunde lernen, Füchse in ihren unterirdischen Bauten aufzuspüren und zu stellen. 
Das Training folgt einem klaren Ablauf: Ein Fuchs wird in die Anlage eingesetzt, während der Hund durch die Gänge geschickt wird. Ziel ist es, dass der Hund den Fuchs findet und durch sein Verhalten – etwa Bellen oder Bedrängen – „anzeigt“.

Die Schliefenanlagen liegen unter der Erde wie der Bau der Füchse. © Netzwerk Fuchs

Die in Schliefenanlagen eingesetzten Füchse leben nicht in Freiheit, sondern dauerhaft in Gefangenschaft. Sie werden gezielt für den Trainingsbetrieb gehalten und regelmäßig den Übungen ausgesetzt. 

Während der Trainingseinheiten befinden sich Hund und Fuchs in unmittelbarer Nähe zueinander – meist getrennt durch Gitter. Dennoch ist die Situation für die Tiere extrem belastend: Der Fuchs kann nicht fliehen, ist dem Hund ausgeliefert und wird wiederholt mit dieser extremen Stresssituation konfrontiert. 

Wiederholter Stress als Trainingsprinzip 

Das System der Schliefenanlagen basiert auf Wiederholung. Hunde durchlaufen die Anlage mehrfach, um ihr Verhalten zu festigen. Für die Füchse bedeutet das, dass sie immer wieder denselben belastenden Situationen ausgesetzt sind. 

Die Tiere erleben dabei Todesangst: 

  • durch die Enge der Anlage 
  • durch dauerhaften Stress durch die Konfrontation mit Hunden 
  • durch fehlende Rückzugsmöglichkeiten 

Ihr natürlicher Fluchtinstinkt kann nicht ausgelebt werden – genau das ist jedoch ein zentrales Element im Verhalten von Wildtieren wie Füchsen. 

Haltung und Lebensbedingungen 

Neben den Trainingseinheiten ist auch die Haltung der Füchse problematisch. Die Tiere verbringen ihr Leben in Gehegen und werden für den Einsatz in der Anlage „bereitgehalten“. Ein artgerechtes Leben, wie es in freier Wildbahn möglich wäre, ist unter diesen Bedingungen nicht gegeben. Im Gegenteil:  

„Es wurden bereits eine Reihe von Fällen schwerer Verwahrlosung aufgedeckt mit den entsprechenden Folgen für die psychische und physische Gesundheit der Füchse. Es besteht fast überall ein Kontrolldefizit (…)”, so das Netzwerk Fuchs, ein bundesweiter Zusammenschluss von Organisationen, Vereinen und Einzelpersonen, welcher sich für den Schutz von Füchsen einsetzt.   

Dieses Kontrolldefizit geht auch aus einer Antwort der Landesregierung von Niedersachsen aus dem Jahr 2020 hervor. Die dortigen Anlagen wurden in einem Zeitraum von zehn Jahren im Durchschnitt lediglich zweimal durch Veterinärbehörden überprüft. Eine kontinuierliche oder engmaschige Kontrolle fand damit faktisch nicht statt.

Kritik an der Praxis

Eine Karte, die vom Netzwerk Fuchs in Zusammenarbeit mit dem EU-Abgeordneten Sebastian Everding erstellt wurde, zeigt die noch immer große Verbreitung von Schliefenanlagen in Deutschland. Aktuell umfasst die Datenbank 37 aktive Anlagen landesweit verteilt auf 12 Bundesländer. Hinweise auf weitere Schliefenanlagen werden gerne entgegengenommen.  

Falls Sie, liebe Tierfreundinnen und Tierfeunde, Kenntnisse oder Informationen über eine noch nicht verzeichnete Schliefenanlage in Ihrer Nähe haben, wenden Sie sich bitte über die Website an das Netzwerk Fuchs und helfen Sie mit, die Übersicht zu vervollständigen: www.schliefenanlagen.info

Weitere Informationen und Quellen:

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