Richtiger Umgang mit Streunern im Urlaub

Ein Beitrag in Kooperation mit der Bloggerin Svenja Gruszeczka alias MrsVerde

Fast jeder kennt die Situation: Kaum im Urlaubsdomizil angekommen, laufen einem vielerorts auf dem Weg zum Strand, Pool oder Restaurant streunende Hunde und Katzen über den Weg. Vermeintlich hilfsbedürftig möchte man sich den Tieren nähern und ihnen helfen, doch dieser erste Impuls ist - so gut gemeint wie er sein mag - häufig nicht der richtige. Erfahren Sie, wie Sie erkennen können, ob ein streunendes Tier wirklich Ihre Hilfe benötigt und was sie tun können, um nachhaltig zu helfen.

 

Über den richtigen Umgang mit Streunern im Urlaub
© geckophoto.com

Aus Tierschutzsicht ist es enorm wichtig, den folgenden Grundsatz zu berücksichtigen: Nur wenn ein Tier eindeutig krank oder verletzt ist, ist es sinnvoll, aktiv zu werden. Ansonsten gilt immer, dass der Kontakt zwischen Mensch und Tier möglichst gering gehalten oder besser noch ganz vermieden werden sollte – zum Wohle des Tieres. Denn die Verringerung des Raumes zwischen Mensch und Tier kann zu Konflikten führen und den Streunern langfristig mehr schaden als helfen.

Bitte nicht füttern

Wird der Kontakt zwischen Mensch und Tier gefördert, indem beispielsweise ein tierlieber Urlauber einen Hund regelmäßig mit Streicheleinheiten oder Essen versorgt, kann das im besagten Moment zwar die Bedürfnisse des Tieres befriedigen. Doch bedenken Sie: Nicht jeder Mensch ist ein Tierfreund und ein „aufdringlicher“ Hund, der durch regelmäßiges Füttern an einen Ort gebunden wurde, kann andere Urlauber, Hotel- oder Restaurantbesitzer verärgern. Auf Dauer ist den Tieren damit also nicht geholfen.
Gegen das Füttern streunender Hunde und Katzen spricht zudem noch ein weiterer tierschutzrelevanter Grund. In der Regel kennen die Streunertiere Futter- und Wasserquellen auf der Straße. Bei zusätzlicher Fütterung sorgt die vermehrte Energiezufuhr unter Umständen zu einer verstärkten Vermehrung der Tiere und damit zu einer Vergrößerung der Streunertierpopulation und somit zu noch mehr Leid führen.

Aktiver Tierschutz bei kranken oder verletzten Tieren

Checkliste: Hilfsbedürftigen Streunern im Urlaub richtig helfen

Sollten Sie ein Tier auffinden, das offensichtlich verletzt ist oder Sie vermuten, dass es Hilfe benötigt, sollten Sie sich natürlich nicht scheuen, aktiv zu werden. In der folgenden, Checkliste, finden Sie praktische Hinweise, wie Sie in diesem Fall am besten vorgehen:

✔️ Tierschutzverein in der Nähe?

Optimalerweise suchen Sie schon vor Ihrem Urlaub Tierschutzvereine im Internet, die in der jeweiligen Urlaubsregion aktiv sind. Eine solche Recherche dauert nicht lange und bereitet Sie optimal vor. Notieren Sie sich die Kontaktdaten für den Fall der Fälle, in denen Sie eilig einem Tier Hilfe bieten wollen. Die lokalen Tierschutzvereine sind immer die erste und beste Wahl.

✔️ Wann sollten Sie handeln?

Bevor Sie weitere Schritte einleiten, stellen Sie bitte fest, ob das Tier wirklich hilfsbedürftig ist. Dies ist der Fall, wenn es offensichtlich krank, verletzt, abgemagert und/oder apathisch ist. Versuchen Sie dann zunächst in den umliegenden Geschäften herauszufinden, ob das Tier einen Besitzer hat. In der Regel kennen die lokalen Menschen die Streunertiere und können unter Umständen helfen, die Situation besser einzuschätzen. Sollte es keinen Tierbesitzer geben oder ist dieser nicht zu erreichen, kontaktieren Sie bitte die örtlichen Tierschützer.

✔️ Verein richtig kontaktieren

Ist das Tier eindeutig hilfsbedürftig kontaktieren Sie am besten den zuvor recherchierten Tierschutzverein via Telefon, E-Mail oder Facebook. Beschreiben Sie das Tier möglichst genau, am besten mit Foto und Angabe zum Ort, wo es sich befindet. Warten Sie dann gegebenenfalls auf professionelle Hilfe. Nähern sie sich dem Tier nur, wenn Sie sicher sind, dass sie es damit nicht in Bedrängnis bringen. »Ein Hund sendet eindeutige Signale, ob er Ihre Nähe als angenehm empfindet oder nicht. Wenn Sie diese nicht lesen können, lassen Sie das Tier unbedingt in Ruhe – auch zur Ihrer eigenen Sicherheit.

Tollwut: Eine unterschätzte Gefahr

Wenn Sie in ihrem Urlaub auf jeden Fall den lokalen Tierschutz aktiv unterstützen wollen und es dabei zu einem direkten Kontakt mit Streunern kommen könnte, sorgen Sie unbedingt mit einer Tollwutimpfung vor. Hierzulande faktisch ausgerottet, fordert die Infektionskrankheit weltweit immer noch zahlreiche unnötige Todesopfer – obwohl eine einfache Impfung Leben retten kann. Schon vor der Reise kann man sich über die Tollwut-Situation im Lande informieren und sich vorbereiten. Auch wenn Sie in einem Land sind, in dem es kein Tollwut geben sollte und Sie werden gebissen, raten wir Ihnen trotzdem SOFORT in die nächste Klinik zu fahren um die Wunde behandeln zu lassen.

Über den richtigen Umgang mit Streunern im Urlaub

Besuch im lokalen Tierschutzverein

Ob Sie ein hilfsbedürftiges Tier im Urlaub finden oder nicht, ein Besuch beim lokalen Tierschutzverein lohnt sich immer. Die Vereine freuen sich über jegliches Interesse und Unterstützung, beispielsweise in Form einer Futter- oder Geldspende. Außerdem macht es Spaß anderen Menschen zu begegnen, die sich ebenfalls für Tiere einsetzen und häufig geht man aus so einem Besuch im Hinblick auf die Situation vor Ort beruhigt hervor.

Auch Svenja Gruszeczka, Bloggerin und engagierte Tierschützerin, besucht im Urlaub regelmäßig die Tierschutzvereine vor Ort:

„Wer Lust und Zeit hat, sollte in seinem Urlaub unbedingt an einem Tag mal den Tierschutzverein und seine Auffangstation in der Urlaubsregion besuchen. Das mache ich in jedem Urlaub und es ist unglaublich interessant und jedes Mal ein sehr wertvolles Erlebnis. Denn man lernt sehr engagierte Tierschützer und ganz tolle Vierbeiner kennen. Und man erfährt von den ehrenamtlichen Helfern vor Ort außerdem, wie man am besten helfen kann."

Außerdem wichtig: Aufklärung

Dort, wo es viele Straßentiere gibt, besteht meist ein dringender Aufklärungsbedarf. Wann immer es passt, empfiehlt es sich, mit anderen Urlaubern ins Gespräch zu kommen und auf den richtigen Umgang mit Streunern hinzuweisen. Im Hotel oder Restaurant können Sie den Umgang mit den Tieren beobachten und wenn Sie tierschutzwidriges Verhalten beobachten, das Gespräch mit den Mitarbeitern und Besitzern suchen.

Klären Sie auch andere Tierfreunde darüber auf, wie man mit Streunern im Urlaub richtig umgeht und verbreiten Sie diesen Beitrag, um Streunern nachhaltig zu helfen.

Die Bloggerin Svenja Gruszeczka alias MrsVerde bloggt auf www.mrsverde.com über Themen aus den Bereichen Tierschutz, Nachhaltigkeit und veganer Lifestyle. Die 29-jährige ist selbst seit vielen Jahren ehrenamtlich im Tierschutz aktiv und setzt sich aus Liebe zur Umwelt und den Tieren für eine nachhaltigere Lebensweise ein. Als MrsVerde gibt sie auf ihrem Blog Tipps, wie jeder von uns im Alltag ohne viel Aufwand seinen Beitrag für eine bessere Welt leisten kann.

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