Hilflos fanden wir den Bärenjungen Mai in der Nähe von Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Er lebte vor einem Restaurant in einem Käfig als Attraktion für Gäste. Nicht nur musste er eingesperrt auf wenigen Quadratmetern in einem Gefängnis aus Stahl sein Dasein fristen – der Käfig drohte sogar gänzlich im Wasser zu versinken. Seine Rettung war dringend erforderlich!
Das staatliche Tat Kuang Si Bear Bärenrettungszentrum, das von unserer Partnerorganisation Free The Bears betrieben wird, befand sich einige Autostunden von Mais damaligem Aufenthaltsort entfernt. Hier konnte ihm ein neues, bärengerechtes Zuhause geboten werden. Wie bei so vielen Bären, die nach ihrer traumatischen Zeit in Gefangenschaft in die Obhut unserer Partner gelangen, machte auch Mai danach in der auf seine Bedürfnisse ausgerichteten Umgebung des Rettungszentrums eine erstaunliche Wandlung durch.
Nicht mehr an die Enge seines Käfigs gefesselt, kann Mai wieder wie ein richtiger Bär leben und auch selbst entscheiden, wo er sich am wohlsten fühlt: Mittlerweile lebt er im Luang Prabang Wildtierschutzzentrum – entweder im behaglichen Innenbereich, wohin er sich bei kühlerem Wetter gerne zurückzieht, oder in den weitenläufigen naturnahen Gehegen, die einem Leben in Wildnis möglichst nahe kommen.
Ihn dabei zu beobachten, wie er sich mit den bereitgestellten Materialien wie etwa Klettermöglichkeiten und Futter auseinandersetzt oder sich spielerisch mit seinem Bärenfreund Bincy misst, zeigt dem Team Tag für Tag augenscheinlich, welche Wendung ins Positive sein Leben nach der Rettung genommen hat und demonstriert eindrücklich die Bedeutung von „Enrichment” (siehe unten) in seinem Leben.
„Enrichment” (auf Deutsch „Bereicherung“ oder „Anreicherung“) umfasst Maßnahmen aus der Verhaltensforschung, die darauf abzielen, Tieren eine Umgebung zu bieten, die ihren natürlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen entspricht, und so ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Ziel ist es, Tiere körperlich und geistig aktiv und gesund zu halten sowie Stress zu reduzieren. Ein typisches Beispiel sind von Termiten befallene Baumstämme, die ein Bär bearbeiten muss, um an das Futter zu gelangen. Auch eine abwechslungsreiche Gestaltung der Gehege trägt zur Sinnesanreicherung bei. Unterschiedliche Substrate wie Mulch, Gras, Kletterstrukturen aus Holz oder Schwimmbecken oder auch stark riechende Pflanzen regen verschiedene Sinne an und fördern die Aktivität der Tiere. Für gruppenlebende Tiere gelten auch Artgenossen als eine wichtige Form von „Enrichment”, denn Interaktionen innerhalb der Gruppe ermöglichen das Ausleben vieler natürlicher Verhaltensweisen.
Unser Podcast „Tierwelten“ führt Sie ganz nah heran an unsere Arbeit zum Schutz der „Galle-Bären“ in Vietnam und Laos. Hören Sie von der Verhaltensbiologin Dr. Marion Schneider, wie in den Schutzzentren aus geschundenen Tieren wieder echte Bären wurden:
Neue Hoffnung für weitere Bären in Laos
Geschichten wie diese zeigen den Wert unserer langjährigen Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation Free The Bears in Vietnam und jetzt auch in Laos. Bär Mai hat eine lange Reise hinter sich, die wir vielen weiteren Bären ermöglichen möchten. Aus den Wäldern geraubt, kämpfen noch viele Tag für Tag ums Überleben. Sie leben wie einst Mai in winzigen Käfigen – missbraucht zur Galle-Gewinnung, als Haustiere gehalten oder auf Schmuggelrouten außer Landes gebracht. Mai hatte Glück im Unglück. Sein „Gefängnis“ befand sich im Norden des Landes, wo es damals bereits die Infrastruktur für die Rettung von Bären gab. In Zentral- und Süd-Laos war bislang aber das Fehlen geeigneter Einrichtungen ein großes Hindernis für die Rettung von Wildtieren aus dem illegalen Handel. Mit dem Bau der neuen Rettungsstation in Savannahket können wir diese Lücke jetzt endlich schließen.
Und die gute Nachricht: Der Bau schreitet in rasantem Tempo voran, auch weil einzelne Komponenten vom Team der Handwerker*innen im Schutzzentrum von Luang Prabang selbst hergestellt werden können.
Auf einem vom Landwirtschafts- und Forstamt bereitgestellten Gelände sind bereits das Gebäude der Station mit den vier Gehegen zu erkennen – errichtet für eine kurzfristige Aufnahme und Stabilisierung geretteter Wildtiere, bevor ein Weitertransport in die Schutzzentren von Free The Bears im Norden von Laos erfolgen kann.
Bereits im Dezember sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein und erste Schulungen für Behördenmitarbeitende stattfinden, damit gerettete Tiere künftig sachkundig versorgt und der illegale Wildtierhandel konsequenter bekämpft werden können. Zugleich wird die neue Rettungsstation mit all dem ausgestattet, was für die fachgerechte Aufnahme und Rettung von Wildtieren benötigt wird. Dazu zählen in erster Linie Transportkäfige, aber auch Wärmelampen und Hängematten, die für Bären zugleich Beschäftigung bieten und als Ruheplatz dienen.
Nach aktueller Planung unserer Partner können wir zuversichtlich sein, dass die neue Rettungsstation in Savannahket noch vor dem Jahreswechsel eröffnen kann – als Ort der Hoffnung für die vielen geschundenen Wildtiere, denen wir künftig einen sicheren Zufluchtsort und – wann immer möglich – sogar eine Rückkehr in die Wildnis ermöglichen möchten.
Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, wir sind froh, Ihnen über diese positiven Entwicklungen berichten zu können. Lebensrettende Hilfe für viele Bären und andere Wildtiere in Laos ist jetzt möglich. Wir danken allen von ganzem Herzen, die diese Arbeit mit Ihrer Spende unterstützt haben!
Doch der Bau der Rettungsstation ist nur der Anfang. Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin bei unserer Tierschutzarbeit in Laos und schenken Sie grausam gehandelten Wildtieren neue Hoffnung.
Retten Sie Bären in Laos!
Nur mit Ihrer Unterstützung können wir unsere Tierschutzarbeit leisten. Bitte unterstützen Sie uns.
Die Erfolge des Projekts mit der lokalen Partnerorganisation Community for Sumatra Nature Conservation (CSNC) sind akut gefährdet: Durch… Weiterlesen »
Weil internationale Fördergelder gestrichen wurden, fehlt es an dringend notwendiger Finanzierung für das Elefantenprojekt auf Sumatra. Wenn wir… Weiterlesen »
neben der unermüdlichen Kampagnenarbeit hierzulande durch das Dokumentieren und Melden der grauenvollen Tierleid-Inhalte auf Social Media und unseren… Weiterlesen »
Wir unterstützen unsere Partnerorganisation in Kambodscha, um durch umfangreiche Bildungsarbeit unter Mönchen und die Versorgung von Wildtieren in… Weiterlesen »
Landesweit eine professionelle Versorgung geretteter Wildtiere sicherzustellen – von der Akutbehandlung über die Rehabilitation bis zur Wiederauswilderung: Das… Weiterlesen »
Aufgrund der Coronakrise war das Schutzzentrum zeitweise komplett geschlossen worden. Das brachte unsere Partner in existenzielle Schwierigkeiten. Weiterlesen »
Anlässlich des World Wildlife Day am 3. März möchten wir auf die Herausforderungen hinweisen, denen zahlreiche Schutzzentren gegenüberstehen… Weiterlesen »
Unverschuldet geraten viele internationale Tierschutzprojekte derzeit in große Nöte. Auch auf Sumatra sind wir daher mit dem WTG-Nothilfefonds… Weiterlesen »
Unverschuldet geraten viele internationale Tierschutzprojekte derzeit in große Nöte. Auch auf Sumatra sind wir daher mit dem WTG-Nothilfefonds… Weiterlesen »
Aufgrund der Coronakrise herrscht im Schutzzentrum unserer rumänischen Partnerorganisation Asociatia Milioane de Preteni (AMP) weiterhin äußerste Not. Doch… Weiterlesen »
Wie lange kann die bärengerechte Versorgung noch geleistet werden, wenn ein Normalbetrieb weiterhin unmöglich bleibt? Zuletzt stiegen auch… Weiterlesen »
Chinas Nationale Gesundheitskommission veröffentlichte kürzlich die Empfehlung zur Behandlung des Coronavirus mit Hilfe einer Rezeptur aus der traditionellen… Weiterlesen »
Im Oktober 2017 retteten wir vier vernachlässigte ukrainische Zoo-Bären. Unser Mitarbeiter Christoph May verschaffte sich nun einen Eindruck,… Weiterlesen »