Aus den Wäldern geraubt, kämpfen viele Bären in Laos Tag für Tag ums Überleben. Ihr gesamtes Dasein spielt sich in winzigen Käfigen ab – missbraucht zur Galle-Gewinnung, als Haustiere gehalten oder auf Schmuggelrouten außer Landes gebracht. Wenn es gelingt, diese Tiere aus ihren leidvollen Haltungen zu befreien, sind spezialisierte Rettungsstationen für die schnelle Aufnahme von Wildtieren entscheidend. Damit diese in Zentral- und Süd-Laos nicht mehr fehlen, haben wir unseren Partnern von Free The Bears Hilfe geboten.
Mit der Fertigstellung und Eröffnung der neuen Rettungsstation in der Nähe von Savannahket, der zweitgrößten Stadt des Landes am Mekong-Fluss, gibt es endlich neue Hoffnung fürBären wie 153, den Sie auf dem großen Bild über diesem Text sehen.
Er wurde im September 2024 in der Provinz Champasack gefunden – schwer verletzt mit einer Schlinge am Hinterbein. Aufgrund der abgelegenen Lage und da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Rettungsstation in unmittelbarer Erreichbarkeit gab, dauerte es lange drei Tage, bis das Jungtier tierärztliche Versorgung erhalten konnte. Bis dahin war die Wunde schwer infiziert und es war nicht möglich, den verletzten Fuß zu retten. Bär 153 konnte aber in der Obhut unserer Partner in einem Schutzzentrum im Norden mittlerweile lernen, trotz der Einschränkung möglichst gut zu leben.
Dennoch war sein Schicksal unser aller Appell für den raschen Aufbau der Einrichtungen – damit künftig schnelle Rettung und umgehende Hilfe möglich sind!
Nachdem die Umwelt- und Landwirtschaftsbehörde von Savannahket im Herbst 2025 eine Projektvereinbarung mit unseren Partnern von Free The Bears unterzeichnet hat, ging es rasend schnell mit dem Bau der Rettungsstation. Bereits nach wenigen Wochen waren auf dem von Seiten des Staates bereitgestellten Gelände die vier Gehege der Rettungsstation zu erkennen – errichtet für eine kurzfristige Aufnahme und Stabilisierung geretteter Wildtiere, bevor ein Weitertransport in die Schutzzentren von Free The Bears im Norden von Laos erfolgen kann.
Die neue Rettungsstation ist einfach und funktional gebaut – und dennoch mit all dem ausgestattet, was für die fachgerechte Aufnahme und Rettung von Wildtieren benötigt wird. Dazu zählen in erster Linie Transportkäfige, aber auch Wärmelampen und Hängematten, die für Bären zugleich Beschäftigung bieten und als Ruheplatz dienen.
Parallel zu den Bauarbeiten haben wir intensiv daran gearbeitet, Regierungsmitarbeiter*innen, die an Wildtierrettungen und -konfiszierungen häufig unmittelbar beteiligt sind, fortzubilden. Denn genau in diesen Momenten geht es um das Überleben des Tieres und schnelles, professionelles Handeln ist entscheidend. Zu diesem Zweck hat unsere Partnerorganisation einen maßgeschneiderten Kurs entwickelt, der Themen wie einen sicheren Umgang mit Wildtieren, Verhaltensregeln in Notfallsituationen sowie Empfehlungen für die Strafverfolgung umfasst. All das zielt darauf ab, dass die Beamt*innen im Notfall, zum Beispiel bei einer Konfiszierung geschmuggelter Wildtiere, bereits erste Hilfsmaßnahmen einleiten können, ehe unser Rettungsteam vor Ort ist. In ersten Fortbildungen noch Ende 2025 wurden bereits acht Beamt*innen der Forst-, Umwelt- und Landwirtschaftsbehörden von Savannahket und wenig später noch einmal 36 Einsatzkräfte der Umweltpolizei aus ganz Laos geschult.
Nachdem diese Schulungen absolviert waren und auch das erfahrene Rettungsteam von Free The Bears in Laos grünes Licht für den Betrieb der Rettungsstation gegeben hatte, war es soweit:
Gemeinsam mit Vertreter*innen der laotischen Behörden konnte die Eröffnung der Rettungsstation gefeiert werden – auch ein laotisches Fernsehteam begleitete vor Ort dieses wichtige Ereignis.
Binnen weniger Monate konnte mit unserer Unterstützung und der Hilfe unserer Spender*innen somit ein neuer Ort der Hoffnung für misshandelte Wildtiere geschaffen werden, denen wir künftig einen sicheren Zufluchtsort bieten können.
Unser Podcast „Tierwelten“ führt Sie ganz nah heran an unsere Arbeit zum Schutz der „Galle-Bären“ in Vietnam und Laos. Hören Sie von der Verhaltensbiologin Dr. Marion Schneider, wie in den Schutzzentren aus geschundenen Tieren wieder echte Bären wurden:
Mais Rettung
Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie wichtig unsere Hilfe in Laos ist, belegt die Geschichte von Bär Mai: Hilflos fanden unsere Partner den Bärenjungen in der Nähe von Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Er lebte vor einem Restaurant in einem Käfig als Attraktion für Gäste. Nicht nur musste er eingesperrt auf wenigen Quadratmetern in einem Gefängnis aus Stahl sein Dasein fristen – der Käfig drohte sogar gänzlich im Wasser zu versinken. Seine Rettung war dringend erforderlich!
Das staatliche Tat Kuang Si Bear Bärenrettungszentrum, das von unserer Partnerorganisation Free The Bears betrieben wird, befand sich einige Autostunden von Mais damaligem Aufenthaltsort entfernt. Hier konnte ihm ein neues, bärengerechtes Zuhause geboten werden. Wie bei so vielen Bären, die nach ihrer traumatischen Zeit in Gefangenschaft in die Obhut unserer Partner gelangen, machte auch Mai danach in der auf seine Bedürfnisse ausgerichteten Umgebung des Rettungszentrums eine erstaunliche Wandlung durch.
Nicht mehr an die Enge seines Käfigs gefesselt, kann Mai seitdem wieder wie ein richtiger Bär leben und auch selbst entscheiden, wo er sich am wohlsten fühlt: Mittlerweile lebt er im Luang Prabang Wildtierschutzzentrum – entweder im behaglichen Innenbereich, wohin er sich bei kühlerem Wetter gerne zurückzieht, oder in den weitläufigen naturnahen Gehegen, die einem Leben in Wildnis möglichst nahekommen. Die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten lassen Mai wieder zu einem echten Bären werden.
Ihn dabei zu beobachten, wie er sich mit den bereitgestellten Materialien wie etwa Klettermöglichkeiten und Futter auseinandersetzt oder sich spielerisch mit seinem Bärenfreund Bincy misst, zeigt dem Team Tag für Tag augenscheinlich, welche Wendung ins Positive sein Leben nach der Rettung genommen hat und demonstriert eindrücklich die Bedeutung von „Enrichment” (siehe unten) in seinem Leben.
„Enrichment” (auf Deutsch „Bereicherung“ oder „Anreicherung“) umfasst Maßnahmen aus der Verhaltensforschung, die darauf abzielen, Tieren eine Umgebung zu bieten, die ihren natürlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen entspricht, und so ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Ziel ist es, Tiere körperlich und geistig aktiv und gesund zu halten sowie Stress zu reduzieren. Ein typisches Beispiel sind von Termiten befallene Baumstämme, die ein Bär bearbeiten muss, um an das Futter zu gelangen. Auch eine abwechslungsreiche Gestaltung der Gehege trägt zur Sinnesanreicherung bei. Unterschiedliche Substrate wie Mulch, Gras, Kletterstrukturen aus Holz oder Schwimmbecken oder auch stark riechende Pflanzen regen verschiedene Sinne an und fördern die Aktivität der Tiere. Für gruppenlebende Tiere gelten auch Artgenossen als eine wichtige Form von „Enrichment”, denn Interaktionen innerhalb der Gruppe ermöglichen das Ausleben vieler natürlicher Verhaltensweisen.
Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, wir sind froh, Ihnen über die Eröffnung der neuen Rettungsstation in Laos berichten zu können. Lebensrettende Hilfe für viele Bären und andere Wildtiere in Laos ist jetzt möglich. Wir danken allen von ganzem Herzen, die diese Arbeit mit Ihrer Spende unterstützt haben!Doch der Bau der Rettungsstation ist nur der Anfang.
Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin bei unserer Tierschutzarbeit in Laos und schenken Sie grausam gehandelten Wildtieren neue Hoffnung.
Schenken Sie Wildtieren Schutz!
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