QUEN

Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk

Hinweis: Das gezeigte Tier ist eine Qualzucht © pixabay

Was viele Halter*innen als niedlich empfinden, ist für die Tiere oft eine Qual. Bei der Zucht von Hunden, Katzen und anderen Tieren werden gezielt optisch vermeintlich ansprechender Merkmale wie zum Beispiel Kulleraugen, geknickte Ohren oder flache Schnauzen angestrebt, wobei das Wohl der Tiere häufig auf der Strecke bleibt. Atemnot, Entzündungen und Gelenkserkrankungen sind nur einige der vielen Beschwerden, unter denen Tiere aufgrund von Qualzucht leiden. Wir fördern das Qualzucht Evidenz Netzwerks (QUEN), um dem Einhalt zu gebieten. Die Organisation erstellt wissenschaftlich fundierte Merkblätter für von Qualzucht betroffenen Rassen  und zu bestimmten Defekten, die mehrere Rassen betreffen, und unterstützt damit Veterinärbehörden, Gerichte, politische Entscheidungsträger*innen und Gesetzgeber bei der Umsetzung tierschutzrechtlicher Normen im Bereich Zucht und Ausstellungswesen.

Laos

Das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (kurz QUEN) hat sich im März 2023 als gGmbH gegründet, um Veterinärbehörden fachkompetente und kostenfreie Beratung im Bereich der tierschutzrechtlichen Vorschriften anzubieten, insbesondere zu zuchtbedingten Defekten (Qualzuchten). Dafür erstellt QUEN öffentlich zugängliches Informationsmaterial, das etwa von Gerichten als sachverständige Gutachten anerkannt werden kann. Neben der Informationsdatenbank bietet QUEN in Einzelfällen Beratung und Unterstützung von Veterinärämtern an, mit steigendem Bedarf, und baut eine Datenbank mit allen Defekten und ihrer Rassezuordnung, zur geplanten Zusammenarbeit mit den Tierschutzreferent*innen der Länder, auf.

Im Einsatz für die Tiere

  • Projektlaufzeit: seit 2022
  • Projektpartner: Qualzucht Evidenz Netzwerk (QUEN)
  • Ziel: Zucht von Tieren mit ausgeprägten zuchtbedingten Defektmerkmalen zu beenden

Warum ist diese Arbeit so wichtig?

Qualzuchten sind Tiere , die ausgeprägte zuchtbedingte Defektmerkmale aufweisen. Diese Merkmale können zu unmittelbaren oder langfristigen Qualen, Leiden oder Schmerzen für die Tiere führen. Nahezu alle Tierarten können davon betroffen sein, etwa Hunde, Katzen, Kaninchen, Hasen, Hühner, Rinder und viele mehr.

Seit 2023 wird das im § 11b Tierschutzgesetz verankerte Qualzuchtverbot vermehrt gerichtlich durchgesetzt. Zwar wurden keine neuen gesetzlichen Regelungen eingeführt, doch mehrere Verwaltungsgerichte – darunter das Verwaltungsgericht Düsseldorf im Jahr 2024 – bestätigten Zucht- und Ausstellungsverbote für Tiere mit typischen Defektmerkmalen. Diese Maßnahmen stützen sich auf behördliche Leitlinien der Länderarbeitsgemeinschaft Tierschutz (LAG) sowie die wissenschaftliche Evidenz aus der Qualzucht-Datenbank des Netzwerks QUEN, deren Merkblätter inzwischen von Gerichten als sachverständige Gutachten anerkannt sind.

Dennoch wird das Thema Qualzucht in der Praxis häufig unzureichend behandelt. Es mangelt an Wissen bei Halter*innen, Tierärzt*innen und Behördenmitarbeiter*innen und die Umsetzung bestehender Verordnungen gegen Qualzucht erfolgt oft nur lückenhaft.

Ein Beispiel hierfür ist die Tierschutz-Hundeverordnung, § 10, der zufolge es verboten ist, Hunde, die von Qualzucht betroffen sind, auszustellen. Dennoch finden sich auf Ausstellungen immer wieder Tiere mit stark ausgeprägten Defekten, was die Notwendigkeit einer konsequenteren Überwachung und Aufklärung unterstreicht.

Wir setzen uns für eine konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes ein. Dabei lauten die Forderungen von QUEN:

  • sowohl sichtbare als auch verdeckte Defekte sind bei der Bestimmung von Qualzuchten zu berücksichtigen,
  • Einführung von Genehmigungspflichten für Züchter*innen,
  • Erstellung klarer Listen zuchtbedingter Merkmale
  • ein Verbot für Qualzuchten

Zudem soll eine rechtssichere Handhabung von Ausstellungsverboten für betroffene Tiere gewährleistet werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Tierwohl nachhaltig zu verbessern und Tiere vor zuchtbedingtem Leid zu schützen.

Hier im Interview lesen Sie mehr über QUEN und die wichtigen Vorhaben: https://welttierschutz.org/qualzucht-evidenz-netzwerk/. Im folgenden Video sehen Sie außerdem mehr über die Arbeit von QUEN:

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Weitere Informationen

Was wir tun

Unterstützung bei der Erstellung von Merkblättern:

Wir unterstützen QUEN seit 2022 bei der Erstellung wissenschaftlich fundierter Merkblätter zu Defekten bei Qualzuchten. Die Informationsblätter sind sowohl für Veterinärämter als auch für Züchter*innen, politische Entscheidungsträger*innen und potenzielle Tierhalter*innen von großer Bedeutung.

Das Ziel: Das bisher verwendete, teils über 25 Jahre alte Qualzuchtgutachten durch aktuelle, öffentlich zugängliche und tierschutzorientierte Materialien zu ersetzen.

Online einsehbar in der Qualzucht Datenbank, bieten die Merkblätter kompakte, fachlich fundierte Informationen und dienen als Entscheidungshilfe und Informationsquelle bei Fragen zu tierschutzrelevanten Defektmerkmalen. Veterinärämtern helfen sie beispielsweise bei der Vorbereitung und Begleitung von Anordnungen, die eine umfangreiche Sachkunde voraussetzen.

Die Inhalte der Informationsblätter werden in enger Zusammenarbeit mit Expert*innen aller fünf tiermedizinischen Universitäten Deutschlands sorgfältig erarbeitet. Es wird zwischen sichtbaren und verdeckten zuchtbedingten Defekten unterschieden und es werden sowohl gesetzliche Vorgaben als auch ethische Gesichtspunkte berücksichtigt. Im Folgenden einige Beispiele. Mit Klick auf das Bild gelangen Sie direkt zum Merkblatt auf https://qualzucht-datenbank.eu.

Der Bedarf an neuen Merkblättern ist groß – sowohl zu einzelnen Tierarten als auch zu zuchtbedingten Defekten, die mehrere Arten betreffen. Gleichzeitig müssen die bestehenden Merkblätter kontinuierlich aktualisiert und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und relevante Gerichtsentscheidungen angepasst werden.

DiaQUEN-App:

In der Vergangenheit unterstützten wir QUEN zudem bei der Entwicklung der DiaQUEN-App, einem webbasierten Diagnosetool, das Veterinärämtern eine objektive Bewertung der Zucht- und Ausstellungseignung von Hunden ermöglicht.

Der große Vorteil der App liegt darin, dass Tierhalterinnen und Tierhalter der Behörde lediglich die Rasse, das Alter, das Geschlecht und die Chipnummer des Tieres mitteilen. Auf dieser Grundlage erstellt die App einen „Laufzettel“, der den Behördenmitarbeiter*innen auflistet, welche Untersuchungen erforderlich sind, bevor das Tier zur Zucht oder Ausstellung zugelassen werden kann.

Die notwendigen Informationen sind im System hinterlegt und beruhen auf einer umfassenden Datenbank, in der alle bekannten Defekte von Hunderassen dokumentiert und deren Auswirkungen auf das einzelne Tier festgehalten werden (unter anderem sind auch die oben beschriebenen Merkblätter hinterlegt) und zudem mit den Informationen der Tierschutzreferent*innen der Länder abgeglichen sind.

Nach Eingang der Untersuchungsergebnisse und deren Eingabe ins System wird automatisch eine Bewertung der Zucht- oder Ausstellungsfähigkeit des Tieres generiert. Dieses System bietet dadurch eine willkür- und wertfreie Beurteilung durch die Veterinärämter.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, bitte unterstützen Sie uns und diese wichtige Arbeit! Mit Ihrer Spende helfen Sie, das Bewusstsein für Qualzuchten zu schärfen und somit das Leid der Tiere zu verringern.

Schenken Sie Tieren Schutz!

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