Glück der Streunerhunde in Bhutan

Tierschutz in Bhutan_Welttierschutzgesellschaft
© Royal Society for the Protection and Care of Animals Bhutan

In dem armen asiatischen Land Bhutan, flächenmäßig mit der Schweiz vergleichbar, leben ungefähr 52.000 Streunerhunde (Stand: 2015). In den letzten neun Jahren konnten dank einer großangelegten Kampagne der international tätigen Tierschutzorganisation Humane Society International (HSI) bereits knapp 65 Prozent von ihnen geimpft und kastriert werden. Doch auch nach Ende dieser Maßnahme müssen weitere Tiere behandelt werden, damit sich die Population nicht erneut ungewollt vergrößert. Mit Hilfe der Welttierschutzgesellschaft war es der lokalen Organisation Royal Society for the Protection and Care of Animals (RSPCA) Bhutan möglich, die Hunde in der Hauptstadt weiterhin zu kastrieren und zu versorgen, die Koordinierung der landesweiten Populationskontrolle sicherzustellen sowie die Tierschützer von morgen für die Bedürfnisse der Tiere zu sensibilisieren.

 

Bhutan

Am Übergang zwischen Zentral- und Südasien liegt das sich dem Tourismus nur langsam öffnende Königreich Bhutan. Mit seinen rund 750.000 Einwohnern erstreckt es sich zwischen China und Indien entlang der beeindruckenden Bergketten des Himalayas. Statistisch gesehen ist es eines der ärmsten Länder weltweit. Bekanntheit erreichte es durch den Glücksindex und das sogenannte Bruttonationalglück, das nach Anweisung des Königs seit 1974 Vorrang vor wirtschaftlichem Wachstumsstreben hat

Die Streuner der Hauptstadt

In der Hauptstadt des Landes, Thimpu, leben schätzungsweise 17.000 Streunerhunde. Im Landesvergleich ist die Streunerdichte dort mit Abstand am höchsten. Auch wenn bereits im Rahmen der oben genannten Maßnahme der HSI ein Großteil der Tiere erreicht wurde, ist nun die Aufrechterhaltung der Impf- und Kastrationsrate entscheidend für eine dauerhaft gesunde Hundepopulation. Um dies zu gewährleisten, sollen innerhalb von zwei Jahren mit Unterstützung staatlicher Tierärzte 2.000 weitere Tiere kastriert und geimpft werden. Dabei handelte es sich zum einen um außerordentlich scheue oder aggressive Tiere, bei denen viel Geduld gefragt ist und zum anderen um trächtige- sowie Jungtiere. Aufgrund des schlechten baulichen Zustandes eines bereits vorhandenen Streunerzentrums wurden vor allem letztere bei den Kastrationsaktionen größtenteils außen vor gelassen und konnten sich weiterhin vermehren.

Hintergrund: Tollwut in Bhutan

Um einer Ausbreitung der Tollwut und weiteren von Hunden übertragenen Krankheiten vorzubeugen, kam die Regierung in den 90er Jahren der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach und versuchte die Streunerpopulation durch gezielte Tötungen zu minimieren. Die Gründerin unserer Partnerorganisation Royal Society for the Protection and Care of Animals (RSPCA) Bhutan suchte daraufhin das Gespräch mit dem Bürgermeister der Hauptstadt Thimpu und überzeugte ihn davon, dass Kastration und Impfung eine tierfreundlichere und gleichfalls wirkungsvolle Alternative ist.

Renovierung für mehr Tierwohl

Tierschutz in Bhutan_Welttierschutzgesellschaft
© Royal Society for the Protection and Care of Animals Bhutan

Die Renovierung dieses Zentrums hat diese Lücke nun vollständig schließen können. Durch den Bau von zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten können nun trächtige Weibchen für den Zeitraum bis zum Abstillen aufgenommen und anschließend kastriert werden. Entwurmt und geimpft werden sie dann wieder in ihrem ursprünglichen Revier freigelassen. Die Welpen finden bei verantwortungsbewussten Tierliebhabern innerhalb Bhutans ein neues Zuhause. Im Alter von drei Monaten werden sie ebenfalls kastriert und anschließend geimpft und entwurmt. Zudem wurden die Quarantäneunterbringungen für kranke oder verletzte Tiere instandgesetzt. Diese waren mittlerweile so baufällig, dass eine tiergerechte Aufnahme dieser Tiere nicht mehr möglich war und die Arbeit vor Ort erschwert wurde.

Was genau passiert im Streunerzentrum?

Hier werden Straßenhunde, die tiermedizinische Hilfe benötigen, behandelt und können sich erholen. Die Vierbeiner werden entweder von RSPCA-Mitarbeitern von der Straße aufgelesen oder von Tierfreunden gebracht. Sobald es ihr Gesundheitszustand zulässt, werden sie kastriert, geimpft und entwurmt wieder an ihren angestammten Plätzen freigelassen. Besonders schwere Fälle – alte, körperlich eingeschränkte oder kranke Tiere – werden vermittelt oder bekommen im Streunerzentrum einen Platz bis an ihr Lebensende.

(Dank der staatlichen Tierkliniken ist es auch in den restlichen Landesteilen möglich, für eine Weiterführung der Kastrationen und Tollwutimpfungen zu sorgen. Als wichtigster Partner der Regierung in Tierschutzbelangen, ist die RSPCA ebenfalls in die Koordination der landesweiten Populationskontrolle eingebunden.)

Die Tierschützer von morgen

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© Royal Society for the Protection and Care of Animals Bhutan

Dank des langfristig angelegten Schulprogrammes – dem sogenannten Tierliebhaber-Club – werden jetzt landesweit alle Kinder für Tierschutz sensibilisiert und dadurch auch zukünftig mehr Tierwohl erreicht. Während der Schulbesuche wird den Kindern einerseits ein Bewusstsein für die Bedürfnisse von Haustieren als auch von Streunerhunden sowie die Notwendigkeit der Kastration vermittelt. Das theoretische Wissen wird anschließend in verschiedenen Tätigkeiten vertieft, unter anderem in einer Exkursion zum Streunerzentrum. Den SchülerInnen stehen darüber hinaus mehrere Angebote zum ehrenamtlichen Engagement im Zentrum zur Verfügung. Dies stieß schon in der Vergangenheit auf großes Interesse: Bereits 30 Kinder halfen regelmäßig beim Füttern, Gassigehen und bei sonstigen kleinen Tätigkeiten. Um auch die restliche Bevölkerung über die Notwendigkeit von Tollwutimpfungen und Kastrationen zu informieren, wurden zusätzlich großflächig Informationsbroschüren verteilt.

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Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ds@welttierschutz.org

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