Inmitten der beliebten Tourismusregionen im Süden von Thailand leben, oftmals versteckt in Hinterhöfen, auf Müllplätzen oder in Waldgebieten, tausende Katzen und Hunde – viele von ihnen sind abgemagert und krank. Zwar kümmern sich engagierte Menschen vor Ort um die Tiere und füttern sie, aber eine Kastration und eine professionelle tiermedizinische Versorgung sind für sie nicht zu leisten. Auch gibt es viele Katzen, die eigentlich einen Halterin haben, aber oft sich selbst und den Gefahren des Lebens auf der Straße überlassen sind. Denn auch dort, wo Tiere versorgt werden und eigentlich ein Zuhause haben, fehlt es an Mitteln und dem Zugang zu tiermedizinischen Behandlungen. Deshalb unterstützen wir seit 2013 unsere Partnerorganisation Lanta Animal Welfare (LAW), damit auch Streunertiere die so dringend notwendige Fürsorge und Hilfe erhalten.
Zum Weltkatzentag nehmen wir Sie mit auf den zurückliegenden Projektbesuch und Sie können hautnah bei einer mobilen Klinik dabei sein.
Hintergrund des Projektbesuchs
Natascha Pancic (obere Reihe Mitte) und Theresa Müschner-Siemens (untere Reihe links) mit dem Team während der mobilen Klinik in Thap Prik
Im Frühjahr unternahmen Natascha Pancic, Leiterin Monitoring & Evaluation, und Theresa Müschner-Siemens, Tierärztin und Projektmanagerin, den Projektbesuch, um für uns mehrere Standorte der mobilen Klinik persönlich in Augenschein zu nehmen: Eine wichtige Gelegenheit, um die Lage der Katzen vor Ort noch besser zu verstehen und die Arbeit unserer Partnerorganisation LAW zu evaluieren. Besonders eindrücklich war der Besuch in Thap Prik, ein neuer Standort unserer mobilen Klinik in der südlichen Provinz Krabi unweit einer Tempelanlage, um die sich viele Katzen scharen, für die Hilfe bisher aber noch ausblieb. Dort begleiteten sie das Team von LAW während des Einsatzes der mobilen Klinik und führten Interviews mit der lokalen Bevölkerung.
Nachdem ein Team schon Tage zuvor vor Ort war, um die Menschen in Thap Prik auf den Einsatz aufmerksam zu machen und Wissen über die Lokalisierung der streunenden Tiere zu erlangen, wartete schon am frühen Morgen eine lange Schlange von Tierhalter*innen mit ihren Katzen und Hunden auf die mobile Klinik. Auch die Tierfänger hatten bereits zahlreiche Katzen gebracht, die in sicheren Transportkäfigen am Rande des Geschehens untergebracht waren.
Der Einsatzort der Klinik war eine Schule, die unserem Team von der lokalen Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Für das neunköpfige Klinikteam standen an diesem Tag Kastrationen und Impfungen auf dem Plan.
Bildergalerie: Eindrücke der mobilen Klinik in Thap Prik (Fotos: Anuwat Rodkerd)
Im Rahmen der mobilen Klinik fängt das Team im Umfeld der mobilen Klinik streunende Katzen ein, die anschließend kastriert werden.
Auch viele Katzenhalter*innen geben ihre Tiere zur Behandlung ab.
Dieser Katzenhalter reiht seine Tiere in die Schlange der Wartenden ein.
Gespannter Blick: In einer Transportbox wartet eine Katze auf ihre Behandlung.
Interessiert beobachten die Menschen vor Ort den Ablauf der mobilen Klinik.
Diese Katze wird auf ihre Operation vorbereitet.
Dr. Helen Guy, Klinikdirektorin von Lanta Animal Welfare, mit einer der zu behandelnden Katzen
Eine der Tierärztinnen von Lanta Animal Welfare bei der Kastration
Jede Kastration zählt – für Hunde wie für Katzen
Der Tag begann mit der Aufnahme und Registrierung der Tiere, gefolgt von einem Gesundheitscheck, der Narkose und der Kastration. Aufgrund der langen Aufwachphase nach der Narkose erfolgte zuerst die Kastration der aufgenommenen Katzen. Zur Kennzeichnung wurde jedes Tier erkennbar markiert. Alle Tiere erhielten anschließend eine Tollwutimpfung und ein Mittel gegen Ektoparasiten. Ein Antibiotikum schützte sie vor einer Infektion nach der Operation. Für viele Katzen war es der erste Kontakt mit medizinischer Versorgung.
Nach der Operation brachte das Team die Tiere in einen Ruhebereich, wo sie engmaschig während des Erwachens aus der Narkose überwacht wurden, bis sie stabil waren. Danach durften die Halter*innen ihre Haustiere abholen oder, wenn es halterlose Streuner waren, ließ das Team sie nach und nach an jenen Orten wieder frei, wo sie zuerst aufgefunden wurden.
Für unsere Zusammenarbeit mit LAW und die weitere Entwicklung des Projektes war es wichtig zu erfahren, welche Fortschritte wir bisher in Sachen Tierschutz erreichen konnten. Regelmäßig und engmaschig sammelt das Klinikteam dafür im Rahmen des Monitorings Daten beispielsweise über Sichtungen von Katzen und Hunden an bestimmten Standorten, um zu verstehen, wie viele Tiere es in einem Gebiet gibt, in welchem Zustand sie sind und ob sie bereits kastriert wurden.
Ziel ist es, dass mindestens 70 Prozent, im Idealfall mehr als 80 Prozent der sichtbaren Streunerpopulation kastriert sind. Denn dann ist zu erwarten, dass die Population stabil bleibt, Konflikte zum Beispiel um Nahrungsressourcen abnehmen und insgesamt das Tierleid deutlich reduziert wird.
„An den Orten, wo unsere mobile Klinik tätig ist oder war, können wir diese Entwicklung bereits beobachten. Auf Koh Lanta konnten wir durch frühere Maßnahmen eine Populationsstabilisierung feststellen, sodass dort nur noch vereinzelt Kastrationen nötig sind. Auf Koh Sriboya und in Ao Nang sind wir auf einem guten Weg, die angestrebte Kastrationsrate zu erreichen. Gleichzeitig gibt es Standorte, die erst seit Kurzem Teil der Projektaktivitäten sind, wie Thap Prik, wo die Kastrationsrate sehr niedrig ist und wir voraussichtlich noch mehrere Jahre aktiv sein müssen, um diesen Stand zu erreichen“, berichtet Theresa Müschner-Siemens über die Lage vor Ort .
Neuer Einsatzort und Stimmen aus der Gesellschaft
Während der mobilen Klinik waren viele streunende Katzen auf den Straßen von Thap Prik zu beobachten. Anhand fehlender Markierungen war unschwer zu erkennen, dass nur wenige bereits kastriert sind, was zu dem bekannten Teufelskreis führt, dass es – ohne Gegenmaßnahmen wie unsere regelmäßigen mobilen Kliniken – immer mehr Streunertiere gibt.
Während es sich bei Thap Prik noch um einen neueren Standort handelt und damit unser Einsatz weniger bekannt ist , ergaben Besuch und Gespräche in Regionen, in denen wir seit vielen Jahren kontinuierlich aktiv sind, dass viele Tierhalterinnen, Anwohnerinnen und Vertreter*innen der lokalen Regierung mit den mobilen Kliniken vertraut sind und diese auch sehr wertschätzen. Obwohl sich viele Menschen um die (eigenen oder streunende) Tiere kümmern, fehlt es vielerorts an den Mitteln, um eine wirklich tiergerechte Versorgung sicherstellen zu können.
In einigen Regionen wurde zudem noch einmal sehr deutlich, dass eine Verbindung zwischen der hohen Zahl an Streunern und dem Müllmanagement besteht, insbesondere auf den Inseln. Wo ihnen Essensreste im Müll als zusätzliche Energiequelle zur Verfügung stehen, pflanzen sich die Streuner schneller fort. Die Folge davon ist wachsendes Tierleid, so lange nicht mit Kastrationen und tiermedizinischer Versorgung gegengesteuert wird.
Wie es weitergeht
Der Projektbesuch in Thailand hat gezeigt, dass die Situation für streunende Katzen an vielen Orten schwierig, aber durch unseren Einsatz auch zum Positiven veränderbar ist.
Kastrationen und tiermedizinische Versorgung sind ein wichtiger Teil der langfristigen Lösung der Streunerproblematik, aber auch die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort durch Informationsarbeit und dadurch entstandenes Vertrauen und Zugang zu Versorgung sind weiterhin unbedingt erforderlich. Dass beides Hand in Hand geht und die Tiere uns an ihrer Seite wissen, wollen wir auch weiterhin sicherstellen.
Ihre Spende für Streuner
Nur mit Ihrer Unterstützung können wir unsere weltweite Tierschutzarbeit leisten. Bitte unterstützen Sie uns.
Beunruhigende Entwicklungen in Südafrika: Besonders haben die wieder anwachsenden Tollwut-Zahlen im Land unsere Projektarbeit gefordert. Doch es gibt… Weiterlesen »
Zwischen Bombeneinschlägen, steigender Corona-Infektionszahlen und wachsender Nahrungsmittelnot erscheint die Rettung des kleinen Kätzchens Bert in Syrien wie ein… Weiterlesen »
Ihr leises Wimmern, die unterwürfige Körperhaltung und nicht zuletzt der eindringliche Blick: Zola, so tauften wir den Welpen hier am Stadtrand… Weiterlesen »
Die ersten Gelder aus dem WTG-Nothilfefonds – der eine grundlegende Tierschutzarbeit trotz Coronakrise ermöglichen soll – werden unserem… Weiterlesen »
Bis zum Ausbruch der Corona-Krise konnten viele tausend Streunerhunde und -katzen tiermedizinisch behandelt, geimpft und kastriert werden. Weiterlesen »
Der Weltstreunertag macht alljährlich auf die Notwendigkeit für den Schutz der unzähligen Streunerhunde und -katzen weltweit aufmerksam. Wie wichtig… Weiterlesen »