Berlin, 26.02.2026
Jedes Jahr am 3. März erinnern die Vereinten Nationen mit dem World Wildlife Day an die Vielfalt der wilden Fauna und Flora und schärfen das Bewusstsein für deren Bedrohungen. Zentrales Thema ist dabei auch der grenzüberschreitende Handel mit wilden Tieren. Der Welttierschutzgesellschaft e.V. (WTG) weist anlässlich des Welttages der Wildtiere 2026 darauf hin, dass insbesondere die Nachfrage nach Wildtieren für eine Haltung als Haustiere und für touristische Angebote enorm an Bedeutung gewonnen haben. Dies zeigt sich besonders am Beispiel der Faultiere, die zunehmend unter den Folgen leiden. Um den globalen Handel mit diesen Tieren fortan nachvollziehbar zu machen und den Schutz zu verstärken, wurde erst im Dezember 2025 der Schutzstatus von Faultieren bei der 20. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) angehoben:
Die Zweifingerfaultiere sind jetzt in Anhang II von CITES gelistet.
Hintergrund: Das Washingtoner Artenschutzabkommen reguliert den internationalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen, wobei das Datum seiner ursprünglichen Unterzeichnung (03.03.1973) ursächlich für den Termin des World Wildlife Day am 3. März ist.
Faultiere als Opfer der Meme-Kultur?
Der wachsende grenzüberschreitende Handel mit Zweifingerfaultieren widerspricht einem der wichtigsten Grundsätze im Umgang mit Wildtieren:
„Wildtiere gehören in die Wildnis. Viele Tiere überleben weder die Gefangennahme noch den Transport, und in privater Haltung sind ihre Überlebenschancen ohne spezialisierte fachliche Betreuung äußerst gering“, erläutert Christine Rattel, Biologin und Projektmanagerin Wildtiere bei der Welttierschutzgesellschaft.
Dass Faultiere dennoch als Haustiere oder für touristische Zwecke immer gefragter werden, hängt auch mit ihrer Beliebtheit in der Populärkultur zusammen: Ihr eher träges Wesen, bedingt durch ihren langsamen Stoffwechsel, sowie das scheinbare Lächeln aufgrund fehlender Gesichtsmuskulatur haben sie in Filmen und auf Social Media bekannt und beliebt werden lassen.
„Ihre Verhaltensweisen wecken bei manchen den Wunsch, ihre Nähe zu suchen, sie gar zu umarmen“, erklärt Rattel. Daher sind auch touristische Angebote, zum Beispiel Selfies mit Faultieren auf dem Arm, das Füttern der Tiere oder gar Faultier-Erlebnisparks gefährliche Treiber für den internationalen Handel mit den Tieren.
Auch in einem langjährigen Tierschutzprojekt, in dessen Rahmen die WTG gemeinsam mit der Organisation Green Heritage Fund Suriname (GHFS) das landesweit einzige Wildtierschutzzentrum dieser Art betreibt, sind diese Probleme gut bekannt.
„Immer wieder müssen unsere Partner Faultiere aus Haustierhaltungen retten“, so Rattel.
Hinzu komme im südamerikanischen Suriname ein weiteres Problem, das viele Wildtiere weltweit betrifft: der Verlust von Lebensraum durch Abholzung. Dies treibt Faultiere zum Beispiel in der Hauptstadt Paramaribo heraus aus den Regenwäldern hinein in die Siedlungen der Menschen.
„Mittlerweile rückt das Team etwa ein bis zwei Mal pro Woche aus, um Faultiere von Stromleitungen oder von der Veranda eines Hauses zu befreien. Meist geht das für die Tiere glimpflich aus, aber in Folge solcher Situationen sind auch bereits Faultiere verstorben“, sagt Rattel. Zudem geraten Faultiere so immer öfter in die Nähe des Menschen und damit auch potenziell in Gefahr, gehandelt oder privat gehalten zu werden.
An dem Antrag, den Handel mit Faultieren fortan besser zu überwachen und ihren Schutz zu erhöhen, hat auch der Green Heritage Fund Suriname (GHFS) mit Unterstützung der Welttierschutzgesellschaft mitgewirkt. Rattel erläutert, was der angehobene Schutzstatus bedeutet: „Der Handel mit den Tieren wird damit nicht verboten, aber künftig streng kontrolliert. Für jede internationale Ausfuhr ist nun eine CITES-Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Durch die verpflichtende Meldung aller genehmigten Exporte an die internationale CITES-Datenbank wird der gesamte Handel erstmals transparent nachvollziehbar.“
Bislang hieß es bei Auskunftserbitten auch in Suriname oft von offizieller Seite, es habe keine Exporte gegeben. Dann erfuhren Tierschützer*innen jedoch – mitunter erst Jahre später – von tatsächlichen Exporten. So auch im Falle Dutzender Zweifingerfaultiere, die 2020 in einer US-amerikanischen Datenbank als Importe aus Suriname aufgetaucht waren. Christine Rattel von der WTG fasst zusammen: „Dank der CITES-Entscheidung lassen sich zukünftig auch ungewöhnliche oder zweifelhafte Handelsaktivitäten erfassen und damit der illegale Handel gezielter bekämpfen.”
Auf der Website der Welttierschutzgesellschaft finden Interessierte Informationen über die Arbeit der Welttierschutzgesellschaft zum Schutz von Faultieren: https://welttierschutz.org/wildtiere-suriname/.
Dieser Einsatz wird ausschließlich durch Spenden finanziert: https://welttierschutz.org/faultierschutz.
Weitere Hintergründe:
- Tierporträt Faultiere: https://welttierschutz.org/tierportrait-faultier/
- Antrag zu Aufnahme der Zweifingerfaultiere in Anhang II von CITES: https://cites.org/sites/default/files/documents/E-CoP20-Inf-047.pdf
Bildmaterial
Download des gesamten Bildmaterials (.zip, 8,6 MB): hier
Ihr Ansprechpartner ist Christoph May
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: cm@welttierschutz.org
Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin
Über die Welttierschutzgesellschaft
| Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. In Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren wir uns für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Streuner-, Nutz- und Wildtieren durch Stärkung des Tierschutzes sowie eine verbesserte tiergesundheitliche Versorgung. In unseren Tierschutzprojekten als auch dem Bildungsprogramm TIERÄRZTE WELTWEIT arbeiten wir dafür mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Darüber hinaus fördern wir das Tierschutzbewusstsein im Land durch die Einbindung der lokalen Bevölkerung. In Deutschland schaffen wir mit öffentlichkeitswirksamen und politischen Tierschutzkampagnen die Voraussetzungen für ein respektvolles und tiergerechtes Miteinander von Mensch und Tier. Weitere Informationen unter: www.welttierschutz.org |




