WTG | Welttierschutzgesellschaft e.V.

Tierschutz fängt beim Menschen an

Pressemitteilung: Fake-Rescues in Uganda aufgedeckt: Tierleid für Klicks und Spenden

Recherchen zu systematischer Tierquälerei auf Social Media führen zum Erfolg: Zentraler Täter festgenommen, Dutzende Hunde bereits gerettet

Berlin, 13. Mai 2026 – Videos ausgezehrter, misshandelter Hunde in Uganda haben Menschen weltweit in den vergangenen Monaten immer wieder zu Spenden bewegt. Was wie Tierschutz aussah, war jedoch grausame Tierquälerei. Mit Unterstützung der Welttierschutzgesellschaft (WTG e.V.) konnte nun in einem besonders gravierenden Fall dem Täter das Handwerk gelegt werden.

Im Fokus der intensiven Recherchen standen zahlreiche vermeintliche „Hunderettungs“-Accounts aus Uganda. Die Masche ist ein Beispiel für Fake-Rescues, also inszenierte Rettungen, auf Social Media: Tiere werden gezielt verletzt, ausgehungert oder in lebensbedrohliche Situationen gebracht, um mit ihrem leidvollen Anblick Spendengelder zu sammeln. (siehe auch: Report deckt inszenierte Tierrettungsvideos (Fake-Rescues) auf Social Media auf, 2024)

Über Monate dokumentierten und analysierten Organisationen wie die WTG die Inhalte und leiteten die Ermittlungsergebnisse dann an die Strafverfolgungsbehörden in Uganda weiter. Am 10. Mai 2026 nahmen diese in Mityana, 70 Kilometer westlich der Hauptstadt Kampala, einen der zentralen Akteure dieses Netzwerks fest. Dem Tatverdächtigen Owen M. wird unter anderem schwere Tierquälerei und Geldwäsche vorgeworfen. Er soll über Monate hinweg Hunde misshandelt und in der Vergangenheit seine Tiere sowie seine „Tierheime“ anderen Täter*innen für die Produktion entsprechender Videos zur Verfügung gestellt haben. So generierte er Einnahmen in Höhe von mehreren zehntausend Euro jeden Monat, darunter insbesondere durch Spendenaufrufe über seine Social-Media-Kanäle auf TikTok und Instagram.

„Was sich hier zeigt, ist organisierte Tierquälerei für Aufmerksamkeit und Profit“, sagt Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation der Welttierschutzgesellschaft. „Die Menschen erzeugen Leid, um Mitgefühl zu Geld zu machen. Das ist nicht nur Betrug an gutgläubigen Tierfreundinnen und Tierfreunden – es ist massive Gewalt gegen Tiere, die erst durch Social Media möglich wird.“

Hunderte misshandelte Tiere – akute Hilfe dringend nötig
Nach Einschätzung der lokalen Partnerorganisation Animal Welfare Alliance Uganda (AWAU), die die maßgebliche Vorarbeit für die Festnahme von Owen M. auch mit Förderung der WTG geleistet hat, befanden sich über 50 Tiere, hauptsächlich Hunde, in den zwei „Tierheimen“. Viele von ihnen sind schwer geschwächt, verletzt oder krank. Sie werden jetzt durch die Tierschützer*innen vor Ort in sichere Obhut gebracht und medizinisch versorgt. „Die Festnahme ist ein erster wichtiger Schritt: Sie beendet das Leid dieser Tiere und wird eine abschreckende Wirkung für das gesamte Netzwerk haben“, betont Wiebke Plasse, die auch die Kampagne #StopptTierleid in den sozialen Netzwerken leitet.

Systematisches Problem auf Social Media
Um das Problem der Fake-Rescues flächendeckend einzudämmen, ist das Handeln der sozialen Netzwerke dringend erforderlich. Denn trotz erster Erfolge wie in Uganda bleibt das Problem bestehen. Täter*innen weichen immer wieder auf neue Profile und Plattformen aus, passen ihre Methoden an und organisieren sich zunehmend untereinander. Auf Betreiben der Social Media Animal Cruelty Coalition, unter deren Dach sich internationale Tierschutzorganisationen wie die WTG gegen Online-Tierleid international organisieren, wurden bereits mehr 1.300 Fake-Rescue-Accounts aus Uganda auf TikTok gesperrt. Doch nicht alle Netzwerke gehen so konsequent gegen die Tierquälerei vor.

„Soziale Netzwerke lassen zu, dass Tierleid zum Geschäftsmodell wird“, so Plasse. „Es braucht konsequente Moderation, klare Regeln gegen Gewalt an Tieren – und eine Gesetzgebung, die das Verbreiten und Verharmlosen solcher Inhalte unter Strafe stellt.“ Dabei ginge es nicht nur um den Schutz von Tieren, sondern auch um Tierfreundinnen und Tierfreunde, die ihre gut gemeinten Spenden potenziell an Betrüger*innen übermitteln. „Das ist eine riesen Gefahr für echte Tierschutzarbeit.“

Die Forderungen, die die Welttierschutzgesellschaft im Rahmen ihrer Kampagne #StopptTierleid in den sozialen Netzwerken stellt, lauten daher:

  • Die sozialen Netzwerke müssen ihre Gemeinschaftsstandards umfassend um Tierleid-Inhalte ergänzen und die Einhaltung durch entschiedenes Handeln der Moderations-Teams sicherstellen.
  • In Deutschland ist eine gesetzliche Grundlage erforderlich, die die Darstellung und das Verbreiten von verharmlosender und verherrlichender Gewalt gegenüber Tieren verbietet.
  • Nutzer*innen sozialer Netzwerke müssen befähigt werden, echte Tierschutzarbeit von Fake-Rescues unterscheiden zu können.

Weitere Informationen zur Kampagne #StopptTierleid in den sozialen Netzwerken und den damit verbundenen Forderungen unter https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/.

Alle Hintergründe zu den aktuellen Fällen finden Sie hier: https://welttierschutz.org/dog-scam-uganda/

Für Gespräche zur Fake-Rescue-Thematik und dem aktuellen Fall in Uganda steht Ihnen Wiebke Plasse von der Welttierschutzgesellschaft als Expertin gerne zur Verfügung.

Hintergründe:

Das Geschäft der vermeintlichen Hunderetter in Uganda hat zuletzt große mediale Aufmerksamkeit erfahren. Recherchen des ZDF-Formats Die Spur hatten (auch mit Recherche-Unterstützung der Welttierschutzgesellschaft) bereits 2025 die perfiden Methoden der Tierquäler in Uganda aufgedeckt: https://www.zdfheute.de/panorama/betrug-tierschutz-spenden-uganda-100.html  

Anfang Mai veröffentlichte auch die BBC eine Recherche, die weitere Details zur Betrugsmasche rund um die vermeintlich geretteten Hunde in Uganda und damit verbundenen Spendenbetrug offenbarte: https://www.bbc.com/news/articles/c4g9l74wvd7o

Bildmaterial

Download des gesamten Bildmaterials (.zip, 2 MB): hier

Collage: Screenshots betrügerischer Fake-Rescue-Profile aus Uganda
Mit emotionalen Videos notleidender Hunde und Katzen konnten sich die Betrüger über ihre Social-Media-Accounts hohe Geldsummen erschleichen. (Screenshots Instagram)
Dutzende Hunde, viele davon bewusst von den Tätern unterernährt wie dieser, befanden sich auf dem Gelände des nun festgenommenen Owen M. (Screenshot Instagram)


Ihr Ansprechpartner ist Christoph May

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: cm@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
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10117 Berlin

Über die Welttierschutzgesellschaft

Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. In Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren wir uns für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Streuner-, Nutz- und Wildtieren durch Stärkung des Tierschutzes sowie eine verbesserte tiergesundheitliche Versorgung. In unseren Tierschutzprojekten als auch dem Bildungsprogramm TIERÄRZTE WELTWEIT arbeiten wir dafür mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Darüber hinaus fördern wir das Tierschutzbewusstsein im Land durch die Einbindung der lokalen Bevölkerung. In Deutschland schaffen wir mit öffentlichkeitswirksamen und politischen Tierschutzkampagnen die Voraussetzungen für ein respektvolles und tiergerechtes Miteinander von Mensch und Tier. Weitere Informationen unter: www.welttierschutz.org
Welttierschutzgesellschaft e.V.