Der Verein fordert die EU-Kommission auf, mutmaßlichen Rechtsbruch Rumäniens zu stoppen
| Berlin, 21.09.2026. In Rumänien steht eine massive Ausweitung der Braunbären-Abschüsse bevor. Die Abgeordnetenkammer hat dem entsprechenden Gesetzentwurf am 16. September zugestimmt und damit einen letzten Einspruch des Staatspräsidenten zurückgewiesen. Künftig sollen jährlich bis zu 969 Tiere getötet werden, mehr als doppelt so viele wie bislang, selbst wenn sie zuvor kein auffälliges oder gefährdendes Verhalten gezeigt haben. Die Welttierschutzgesellschaft (WTG e.V.) kritisiert diese Entscheidung auf Schärfste und startet die öffentliche Kampagne #GegenTausendToteBären. Ziel einer Petition an die EU-Kommission ist es, dass diese sowohl die wissenschaftliche Grundlage, die die rumänische Regierung als Argumentation für die Abschussquote heranzieht, als auch die Rechtmäßigkeit des neuen Gesetzes sorgfältig überprüft. Hintergrund des neuen Gesetzes sind zunehmende Konflikte zwischen Menschen und Braunbären in Rumänien. Viele Bären haben ihre natürliche Scheu verloren und halten sich vermehrt im Umfeld der menschlichen Siedlungen auf, auch tödliche Angriffe auf Menschen und Nutztiere sind keine Seltenheit. Die Ursachen dafür sind jedoch vielfältig und nicht primär durch Abschüsse zu lösen. Eine veränderte Landnutzung, unzureichendes Müllmanagement, touristische Aktivitäten sowie die Gewöhnung von Bären an vom Menschen bereitgestellte Nahrungsquellen sind wichtige Faktoren, die die Tiere in die Siedlungen ziehen. Eine pauschale Abschussquote, wie sie jetzt vom rumänischen Parlament beschlossen wurde, stellt nach Auffassung der WTG nicht nur keine nachhaltige Lösung für die Problematik dar. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin und langjährigen Projekten in Rumänien sieht darin auch einen eindeutigen Verstoß gegen geltendes EU-Recht: – Der Braunbär ist nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) streng geschützt – Ausnahmen vom Schutzstatus von Braunbären sind nur unter strengen Voraussetzungen zulässig. Zuvor sind nicht-tödliche Maßnahmen, also etwa Schutz- und Präventionsmaßnahmen wie Müllmanagement, Elektrozäune, Vergrämung oder Umsiedlungen, zu priorisieren. Diese Möglichkeiten werden in Rumänien derzeit nicht konsequent und flächendeckend umgesetzt, obwohl lokale Beispiele deren Wirksamkeit belegen. – Weiterhin schreibt die FFH-Richtlinie vor, dass die Tötung einzelner Bären nur unter engen Voraussetzungen und als letztes Mittel zulässig ist. Dafür muss dem zum Abschuss freigegebenen Bären ein konkretes Schadensereignis zuzuordnen sein. Die neue rumänische Regelung sieht dagegen vor, dass jeweils 859 Bären für 2026 und 2027 präventiv und 110 als sogenannte „Eingriffsmaßnahmen“ zur akuten Gefahrenabwehr geschossen werden dürfen. Ein Großteil der Abschussquote umfasst somit auch Tiere, die zuvor kein auffälliges oder als gefährdend eingestuftes Verhalten gezeigt haben. „Wenn Rumänien die Abschussquote für Braunbären weiter erhöht, ohne nicht-tödliche Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen und zu priorisieren, darf die EU-Kommission nicht untätig bleiben. Sie muss das rumänische Vorgehen prüfen und Verantwortung für den Schutz von Braunbären in der EU übernehmen.“, sagt Christine Rattel, Projektmanagerin Wildtiere bei der WTG. Unzureichende wissenschaftliche Grundlage Zugleich bestehen erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Grundlage der geplanten Abschussquote. Die rumänische Regierung beruft sich auf eine Bestandserhebung, die eine sehr hohe Populationsgröße von Braunbären darlegt. Da die vollständige Studie sowie die für die Analysen verwendeten genetischen Rohdaten und räumlichen Eingangsdaten bisher aber nicht öffentlich zugänglich sind, ist eine unabhängige Überprüfung der Daten und Schlussfolgerungen nicht möglich. Dennoch wird die Studie bereits als Begründung für höhere Abschusszahlen herangezogen. Als in Rumänien seit mehr als 20 Jahren aktive Tierschutzorganisation fördert die WTG Projekte lokaler Partner zum Schutz von Braunbären und erlebt die Folgen der seit Jahren wachsenden Abschussquoten unmittelbar. In diesem Sommer wurden im Umfeld der Großstadt Brașov, wo die WTG-Partnerorganisation Asociatia Milioane de Prieteni Europas größtes Braunbären-Schutzzentrum betreibt, elf Bären binnen eines Monats geschossen. Auch in der Folge steigt in den unterstützten Bärenschutzzentren die Zahl verwaister Jungtiere bereits heute deutlich an. Mit der neuen Abschussquote bleibt der Abschuss von Muttertieren als akute Eingriffsmaßnahme weiter möglich – und die Problematik wird sich verschärfen. Statt der Erhöhung von Abschussquoten setzt sich die WTG in Rumänien gemeinsam mit den Partnerorganisationen für ein modernes, evidenzbasiertes Wildtiermanagement ein. Die Erfahrungen aus dieser Tierschutzarbeit zeigen, dass die Konflikte mit konsequent umgesetzten, nicht-tödlichen Schutzmaßnahmen deutlich eingedämmt werden können. Nachhaltige Lösungsansätze sollten sich daher an diesen Beispielen guter Praxis orientieren. „Es ist unerlässlich, die Perspektiven der betroffenen Gemeinden in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Nur so lässt sich langfristig Akzeptanz für eine friedliche Koexistenz von Wildtieren und Menschen sichern.“, betont Rattel. Zusammenfassung Mit ihrer Kampagne #GegenTausendToteBären fordert die Welttierschutzgesellschaft die Europäische Kommission auf, sowohl die wissenschaftliche Grundlage als auch die Rechtmäßigkeit des Gesetzes und der damit geltenden erhöhten Abschussquote sorgfältig zu überprüfen und darauf hinzuwirken, dass die Bestimmungen des neuen Gesetzes in Rumänien, die einen mutmaßlichen Bruch von EU-Recht darstellen, gestoppt werden. Die Petition für den Schutz der Braunbären in Rumänien kann hier unterzeichnet werden: https://welttierschutz.org/petition/braunbaeren Hintergründe zum Mensch-Bär-Konflikt in Rumänien Weitere Informationen zur Kampagne: https://welttierschutz.org/kampagne-braunbaeren/ Hintergründe zur gesellschaftlichen Debatte in Rumänien sowie zu den Ursachen für die zunehmenden Mensch-Bär-Begegnungen im Land bietet zudem eine Themenseite: https://www.welttierschutz.org/baerenschutz-rumaenien. Für Gespräche steht Ihnen Christine Rattel, Biologin und Projektmanagerin Wildtiere bei der Welttierschutzgesellschaft, gerne zur Verfügung. |
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Über die Welttierschutzgesellschaft
| Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. In Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren wir uns für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Streuner-, Nutz- und Wildtieren durch Stärkung des Tierschutzes sowie eine verbesserte tiergesundheitliche Versorgung. In unseren Tierschutzprojekten als auch dem Bildungsprogramm TIERÄRZTE WELTWEIT arbeiten wir dafür mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Darüber hinaus fördern wir das Tierschutzbewusstsein im Land durch die Einbindung der lokalen Bevölkerung. In Deutschland schaffen wir mit öffentlichkeitswirksamen und politischen Tierschutzkampagnen die Voraussetzungen für ein respektvolles und tiergerechtes Miteinander von Mensch und Tier. Weitere Informationen unter: www.welttierschutz.org |



