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#StopptTierleid: Petfluencer*innen-Check

Petfluencer*innen begeistern auf Social Media und ihre Inhalte erzielen hohe Reichweiten. Der Begriff ist eine Wortschöpfung aus „Influencer*in“ und „Pet“ (Haustier) und meint Social-Media-Profile, in denen Menschen ihre Tiere – meist Hunde oder Katzen, aber auch Wildtiere wie Igel – in den Fokus stellen. Wir haben uns 50 der reichweitenstärksten Petfluencer*innen-Profile aus dem deutschsprachigen Raum genauer im Hinblick auf mögliche Tierleid-Darstellungen angeschaut. Die Besorgnis erregende Bilanz: Bei mehr als zwei Dritteln dieser Profile fanden wir kritische Inhalte.

Als Welttierschutzgesellschaft e.V. verfolgen wir die Vision einer Welt, in der Tiere wahrgenommen sowie respektvoll und tiergerecht behandelt werden. Dazu zählt auch, dass Tiere als fühlende Wesen erkannt und in der Öffentlichkeit als schützenswert dargestellt werden. Insbesondere die Umsetzung dessen in sozialen Netzwerken ist der Kern unserer Kampagne „Stoppt Tierleid in sozialen Netzwerken“, kurz #StopptTierleid (https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/), in die auch der Petfluencer*innen-Check eingebunden ist. Wir fordern im Rahmen der Kampagne einen Stopp der unkritischen Darstellung von Tierleid-Inhalten in sozialen Netzwerken.

Ziel des Petfluencer*innen-Checks war es, im Rahmen dieser Kampagnenarbeit die unkritische Darstellung problematischer Inhalte am Beispiel der Petfluencer*innen-Profile mit den höchsten Follower*innen-Zahlen in Deutschland zu untersuchen.

Die Auswahl der 50 Profile für den Petfluencer*innen-Check erfolgte auf Basis bereits bestehender Listen (Beispiel für Hunde), mit Blick auf Preisträger*innen des „German Petfluencer Awards“ sowie auf Basis der Suche über Hashtags wie #dogfluencer und #catsofinstagram – wir verfolgten dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Gleichwohl haben wir versucht, die Balance zwischen Hunde- und Katzenprofilen zu halten, um ein umfangreiches Bild zu zeichnen. Wir haben vorab einen Zeitraum fest definiert und dann – jeweils auf Instagram und TikTok – die Stories zwischen dem 23. bis 29. März 2022 sowie Beiträge bis zum 16.05.2022 in die Bewertung aufgenommen.

Im Kern des Petfluencer*innen-Checks liegt die Kritik, dass bestimmte Inhalte, die von den Profilen gepostet werden, aus Tierschutzsicht problematische Aspekte aufweisen, ohne dass sich damit kritisch auseinandergesetzt wird. Das steht unserer Ansicht nach einer Förderung des Tierschutzes in der Bevölkerung entgegen. Die Ergebnisse im Detail sind in drei Kapitel zu unterscheiden. Diese behandeln die unkritische Darstellung von …

  1. (potentiellen) Qualzuchten,
  2. Inszenierungen, die in Tierleid münden können, und
  3. von Wildtieren in Haustierhaltung

Hinweis: Qualzucht-Inhalte stellten die mit Abstand größte Gruppe dar. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Problematik und der Folgen einer unkritischen Darstellung (potentieller) Qualzuchten lesen Sie hier: https://welttierschutz.org/unkritische-darstellung-von-qualzucht/.

Die Ergebnisse des Petfluencer*innen-Checks

Der größte Problembereich: Qualzucht

Bei unserer Analyse von 50 Petfluencer*innen-Profilen in den sozialen Netzwerken TikTok und Instagram haben wir bei 35 Profilen (70 Prozent) problematische Inhalte ermittelt. Als häufigstes Problem zeigte sich die unkritische Darstellung von (potentiellen) Qualzuchten (30 Profile).

24 Profile stellen Rassen dar, die bekannte, weit verbreitete Ausprägungen für bestimmte Defektmerkmale aufweisen, die für die betroffenen Tiere oder ihre Nachkommen lebenslange Schmerzen, Qualen und Leid zur Folge haben können. Bei weiteren sechs Profilen, die zum Beispiel Nacktkatzen oder Katzen der Rassen Bengal oder Scottish Fold darstellen, handelt es sich nach Bewertung der Welttierschutzgesellschaft um eindeutige Defektzuchten.

Beim Blick auf die einzelnen Defektmerkmale zeigte sich, dass unter den 30 Profilen, bei denen wir eine unkritische Darstellung (potentieller) Qualzuchten festgestellt haben, Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit) am weitaus häufigsten zu verzeichnen war. Es wurde sowohl bei Hunde- und Katzenrassen ermittelt – im Petfluencer*innen-Check am zahlreichsten bei Britisch Kurzhaar (12 Profile) und Zwergspitz (4 Profile).

Darüber hinaus bewerteten wir in mehreren Fällen Tiere von Rassen, die eine Veranlagung für Chondrodystrophie (Zwergwuchs) aufweisen bzw. bei denen aufgrund ihrer Fellzeichnung der Verdacht besteht, dass ein Gendefekt (Merle-Faktor) vorliegt, der schwerwiegende körperliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann.

Ob die entsprechenden körperlichen Leiden, die für die jeweiligen Defektmerkmale typisch sind, tatsächlich ausgeprägt vorlagen, zählte im Rahmen des Petfluencer-Checks nicht zu den vorrangigen Erkenntniszielen. Denn wenn die mit der Zucht der jeweiligen Rassen in Verbindung stehenden möglichen Leiden, Schmerzen und Qualen der Tiere unerwähnt bleiben, kann es – unabhängig davon, ob sie bei dem jeweiligen Tier ausgeprägt sind – durch diese Verharmlosung zur Förderung des Interesses an der Rasse und somit zu einer tierschutzwidrigen Zucht mit Defektmerkmalen kommen.

Ausführliche Details zu weit verbreiteten Qualzuchtmerkmalen und besonders betroffenen Rassen bei Haustieren lesen Sie auch in unserem Tierschutzblog.

Ein weiteres Problem: Inszenierte Inhalte

Viele der untersuchten Petfluencer*innen-Profile fallen darüber hinaus durch ein hohes Maß an inszenierten Inhalten auf, was bedeutet, dass die Tiere in unnatürliche, zum Teil auch menschenähnliche Situationen gedrängt werden. Darunter fallen beispielsweise Verkleidungen oder das Imitieren von menschlichem Verhalten. Bei der Analyse konnten solche problematischen Inszenierungen bei 13 der 50 untersuchten Profile festgestellt werden.

Zwar sind Inszenierungen nicht automatisch mit Tierleid gleichzusetzen. Mehrere Fälle unserer Analyse zeigen aber, warum wir sie als problematisch bewerten:

  • Werden Hunden kleine Herzen oder Glitzer-Pailletten auf die Schnauze geklebt, besteht die Gefahr des Einatmens dieser Kleinteile und dadurch ernsthafter Folgen.
  • Werden Katzen künstlich aufgerichtet und mit Accessoires um den Körper zum „Bauchtanz“ vorgeführt, ist dies eine unnatürliche Situation, auf die das Tier verängstigt reagiert.
  • Auch weitere Verkleidungen wie Sonnenbrillen und bewegungseinschränkende Tücher im Kopfbereich oder das (ungesicherte) Sitzen im Vorderbereich eines fahrenden Autos sind keine unterhaltsamen Inhalte für Social Media sondern eine potentielle Gefahr für den Tierschutz.

Wildtiere als Haustiere? Bitte nicht!

Unter den reichweitenstarken Petfluencer*innen-Profilen im deutschsprachigen Raum dominieren Katzen und Hunde. Auch wenn nur eines der 50 im Petfluencer-Check untersuchten Profile mit einem Igel ein Wildtier in Haustierhaltung darstellt, ist dies aus Tierschutzsicht überaus problematisch ist.

  • „Igel sind Wildtiere und keine Haustiere. Zudem sind viele der Inhalte offensichtlich bei Tag erstellt, was nicht dem Biorhythmus dieser dämmerungs- und nachtaktiven Tiere entspricht. Das ist Tierleid.“
    Wiebke Plasse, Welttierschutzgesellschaft

Mit Blick auf international agierende Petfluencer*innen lässt sich ein zunehmender Trend zur Haltung und somit auch Darstellung von Wildtieren erkennen. Das gilt es nach Ansicht der Welttierschutzgesellschaft dringend zu stoppen.

Was sich verändern muss …

Wir appellieren aufgrund dieser ernüchternden Ergebnisse an Multiplikator*innen wie die Betreiber*innen von Petfluencer*innen-Profilen, sich ihrer Verantwortung für die Tiere bewusst zu werden und sich im Hinblick auf das (potentielle) Leid kritisch damit auseinanderzusetzen.

Aufgrund ihrer großen Verantwortung als reichweitenstarke Profile wünschen wir uns von Betreiber*innen der Petfluencer*innen-Profile mehr Tierschutzbewusstsein:

  • Seien Sie gute Vorbilder und nutzen Sie Ihre große Reichweite für wertvolle Informationsarbeit und die Stärkung des Tierschutzgedankens in Ihrer Follower*innenschaft!
  • Stellen Sie (potentielle) Qualzuchten in ihren Profilen nicht unkritisch dar, denn reichweitenstarke Profile befördern Trends und führen so womöglich zur weiteren Verbreitung von Qualzuchten. Ein Button – entsprechend denen, die wir für die Fotos in diesem Beitrag genutzt haben – schafft ein Problembewusstsein für die verschiedenen Defektmerkmale von Haustieren.
  • Vermeiden Sie Inszenierungen, die die Tiere verängstigen oder ihnen anderweitig schaden (können). Solche Inhalte sollten auf Social Media nicht dargestellt werden. Es besteht die Gefahr, dass sie nicht nur dem Tier selbst schaden, sondern durch Nachahmung noch weitaus mehr Tierleid nach sich ziehen.

Unserer Ansicht nach können Petfluencer*innen ein wichtiges Sprachrohr sein und einen wertvollen Beitrag für mehr Tierschutz in sozialen Netzwerken leisten.

Der Petfluencer*innen-Check der WTG hat gezeigt, dass es durchaus positive Beispiele von Profilen gibt, die etwa die Überzüchtung ihrer Tiere kritisch reflektieren und andere Nutzerinnen und Nutzer über die damit verbundenen Probleme informieren. Mehr dazu lesen Sie hier: https://welttierschutz.org/unkritische-darstellung-von-qualzucht/.

Im Rahmen der Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ engagieren wir uns für ein Verbot von Tierleid-Darstellungen in sozialen Netzwerken, die keinen informativen oder dokumentarischen Zweck erfüllen. Wir fordern die Netzwerke auf, die jeweiligen Gemeinschaftsstandards umfassend um die Thematik Tierleid zu ergänzen (zu Fortschritten in diesem Bereichen lesen Sie hier) und deren Einhaltung zu überprüfen. Auch für Petfluencer*innen-Profile sollte dementsprechend gelten: Beiträge, die Tierleid ohne informativen oder dokumentarischen Zweck verbreiten, müssen unwiderruflich gelöscht werden. Auch Nutzerinnen und Nutzer sollten das Tierleid erkennen und entsprechend reagieren: Nach dem Motto „Keine Likes für Tierleid“ bitten wir Social-Media-Nutzer*innen, nicht mit Gefällt-mir-Angaben oder Kommentaren zu reagieren, sondern die Inhalte ohne Reaktion stehen zu lassen. Denn sonst erhalten sie weitere Reichweite und der Trend wird weiter befördert. Stattdessen sollten Nutzerinnen und Nutzer bedenkliche Tierleid-Inhalte immer an die Moderator*innen-Teams der Netzwerke melden, die diese konsequent löschen müssten.

#StopptTierleid

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Stärken Sie unsere Forderungen an die sozialen Netzwerke und die Bundesregierung: Für ein Stopp von Tierleid-Inhalten!


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