Collage Instagram/TikTok

#StopptTierleid: Petfluencer-Check

Petfluencer begeistern auf Social Media.  Der Begriff ist eine Wortschöpfung aus „Influencer“ und „Pet“ (Haustier) und meint Social-Media-Profile, in denen Tiere – meist Hunde oder Katzen, aber auch Wildtiere wie Igel – im Fokus stehen und hohe Reichweiten erzielen. 50 der reichweitenstärksten Petfluencer-Profile aus dem deutschsprachigen Raum haben wir uns genau angeschaut. Die Besorgnis erregende Bilanz: Bei fast zwei Dritteln dieser Profile mussten wir Tierleid-Inhalte feststellen.

„Mit ihrer großen Reichweite insbesondere unter Tierfreundinnen und Tierfreunden haben diese Profile eine große Chance, auch meinungsgebend zum Thema Tierschutz zu sein. Mindestens sollte daher gelten, dass sie diesem nicht auch noch schaden. Doch eben das belegt unsere Analyse: Petfluencer haben ein echtes Tierschutzproblem." Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation der WTG.

Bei unserer Analyse der 50 Profile in den sozialen Netzwerken TikTok und Instagram haben wir bei 31 Profilen (62 Prozent) problematische Inhalte ermittelt. Als häufigstes Problem zeigte sich die Darstellung von Qualzuchten (24 Profile). Typische Qualzuchtmerkmale, die festgestellt wurden, waren Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie), Haarlosigkeit und Hybridisierung (d.h. Tiere, die auf die Verpaarung unterschiedlicher Spezies zurückgehen wie beispielsweise Bengalen). Auch die nackte Haut von Sphinx-Katzen oder die gezielte Zucht mit einem Gendefekt, die bei Australian Shepherds vielfach zu Taubheit führt, zählen dazu.

Collage Instagram/TikTok

Viele der Merkmale, die die dargestellten Tiere in den Augen der Nutzer*innen zu etwas Besonderem machen, sind als Tierleid-Faktoren zu bewerten – oder wie beispielsweise bei Hybridkatzen wie Bengalen aus der Qualzucht mit Tieren unterschiedlicher Spezies entstanden. Diese Merkmale sind die Ursache von Leiden und körperlichen Schäden der Tiere, die wir als Welttierschutzgesellschaft verurteilen.

Die unkritische Darstellung solch überzüchteter und leidender Tiere birgt eine große Gefahr, denn Petfluencer normalisieren damit Tierleid und befördern den gefährlichen Trend, dass immer mehr Qualzuchten gehalten werden.

Wir appellieren daher an Multiplikatoren wie die Betreiber*innen von Petfluencer-Profilen, sich ihrer Verantwortung für die Tiere bewusst zu werden und sich im Hinblick auf das Leid kritisch damit auseinanderzusetzen.

Auch Nutzerinnen und Nutzer sollten das Tierleid erkennen und entsprechend reagieren: Nach dem Motto „Keine Likes für Tierleid“ bitten wir tierliebe Social-Media-Nutzer*innen, nicht mit Gefällt-mir-Angaben oder Kommentaren zu reagieren, sondern die Inhalte ohne Reaktion stehen zu lassen. Denn sonst erhalten sie weitere Reichweite und der Trend wird weiter befördert. Stattdessen sollten Nutzerinnen und Nutzer bedenkliche Tierleid-Inhalte immer an die Moderator*innen-Teams der Netzwerke melden.

Ausführliche Details zu weit verbreiteten Quazuchtmerkmalen bei Haustieren lesen Sie auch in unserem Tierschutzblog.

Wildtiere als Haustiere? Auch das bitte nicht!

Unter den reichweitenstarken Petfluencer-Profilen im deutschsprachigen Raum dominieren Katzen und Hunde. Nur eines der 50 im Petfluencer-Check untersuchten Profile stellt einen Igel in Haustierhaltung dar, was aus Tierschutzsicht aber überaus problematisch ist.

Collage Instagram

„Igel sind Wildtiere und keine Haustiere. Zudem sind viele der Inhalte offensichtlich bei Tag erstellt, was nicht dem Biorhythmus dieser dämmerungs- und nachtaktiven Tiere entspricht. Das ist Tierleid.“
Wiebke Plasse

Mit Blick auf international agierende Petfluencer lässt sich bereits ein zunehmender Trend zur Haltung und somit auch Darstellung von Wildtieren erkennen. Das gilt es nach Ansicht der Welttierschutzgesellschaft dringend zu stoppen.

Ein weiteres Problem: Inszenierte Inhalte

Viele der untersuchten Petfluencer-Profile fallen darüber hinaus durch ein hohes Maß an inszenierten Inhalten auf, was bedeutet, dass die Tiere in künstliche, zum Teil auch menschenähnliche Situationen gedrängt werden. Darunter fallen beispielsweise Verkleidungen oder das Imitieren von menschlichem Verhalten. Bei der Analyse konnten solche Inszenierungen bei 13 der 50 untersuchten Profile festgestellt werden.

Collage Instagram

Zwar sind Inszenierungen nicht automatisch mit Tierleid gleichzusetzen. Mehrere Fälle unserer Analyse zeigen aber, warum sie oft als problematisch zu bewerten sind:

  • Hunde, denen kleine Herzen auf die Schnauze geklebt wurden, was die Gefahr des Einatmens dieser Kleinteile birgt,
  • eine Katze, die – mit um den Bauch gebundenen Schellen – an den Vorderpfoten aufgerichtet wurde und einen „Bauchtanz“ aufführt, wobei sie offensichtlich verängstigt wird,
  • zwei Katzen, die – mit Sonnenbrillen und Schal um den Kopf versehen – im Vorderbereich eines fahrenden Autos sitzen

Unser Appell an die Betreiber der Petfluencer-Profile

Unsere Devise lautet: „Tierleid ist keine Komik“. Aufgrund ihrer großen Verantwortung, wegen ihrer großen Reichweite im Sinne des Tierschutzes zu handeln, appellieren wir an die Betreiber*innen der Petfluencer-Profile:

  • Vermeiden Sie Inszenierungen, die die Tiere verängstigen oder ihnen anderweitig schaden (können). Solche Inhalte sollten auf Social Media nicht dargestellt werden. Es besteht die Gefahr, dass sie nicht nur dem Tier selbst schaden, sondern durch Nachahmung noch weitaus mehr Tierleid nach sich ziehen.
  • Stellen Sie Qualzuchten in ihren Profilen nicht unkritisch dar, denn reichweitenstarke Profile befördern Trends und führen so womöglich zur weiteren Verbreitung von Qualzuchten. Der Petfluencer-Check der WTG hat gezeigt, dass es durchaus positive Beispiele von Profilen gibt, die die Überzüchtung ihrer Tiere kritisch reflektieren und andere Nutzerinnen und Nutzer über die damit verbundenen Probleme informieren.

Von den sozialen Netzwerken forden wir im Rahmen der Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ engagieren wir uns für ein Verbot von Tierleid-Darstellungen in sozialen Netzwerken, die keinen informativen oder dokumentarischen Zweck erfüllen. Wir fordern die Netzwerke auf, die jeweiligen Gemeinschaftsstandards umfassend um die Thematik Tierleid zu ergänzen (zu Fortschritten in diesem Bereichen lesen Sie hier) und deren Einhaltung zu überprüfen.

Auch für Petfluencer gilt dementsprechend: Beiträge, die Tierleid ohne informativen oder dokumentarischen Zweck verbreiten, sollten unwiderruflich gelöscht werden.

Jetzt unterschreiben!

Stärken Sie unsere Forderungen mit Ihrer Stimme und setzen Sie sich mit uns so für ein Stopp von Tierleid-Inhalten ein!

Jetzt unterschreiben!

Hintergründe zum Petfluencer-Check

Die Bewertung der Petfluencer-Profile erfolgte gemäß des Tierleid-Leitfadens, den wir im Rahmen der Kampagne "Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken" entwickelt haben, um die verschiedenen Formen von Tierleid erkennbar zu machen.

Hinweis: Bei einigen Petfluencer-Profilen haben wir mehr als eine Form von Tierleid registriert.

So sind wir beim Petfluencer-Check vorgegangen:

Die Recherche und Auswahl der Profile, die in den Petfluencer-Check der WTG einbezogen wurden, erfolgte über Petfluencer-Rankings (Beispiel für Hunde), Preisträger*innen (u.a. German Petfluencer Awards) und die Suche über Hashtags wie #dogfluencer oder #catsofinstagram. Aus dieser Vorauswahl deutschsprachiger Profile ermittelten wir die 50 mit der höchsten Reichweite. Ausschlaggebend war dabei die höchste Zahl an Follower*innen in einem der Netzwerke Instagram und TikTok.

Die Analyse, die Beiträge bis zum 16.05.2022 umfasste, beinhaltete sowohl die Prüfung geposteter Beiträge auf den jeweiligen Profilseiten als auch die Prüfung sämtlicher von den Profilen geposteter Storys im Zeitraum 23.03 bis 29.03.2022.

Der Bewertung von dokumentierten potentiellen Tierleid-Darstellungen lag der Tierleid-Leitfaden der Welttierschutzgesellschaft zugrunde.

Diese Petfluencer-Profile haben wir ausgewertet:

Im folgenden Dokument finden Sie eine Auflistung der 50-Petfluencer-Profile, die wir im Rahmen dieser Analyse geprüft haben. Das Dokument beinhaltet die Reichweiten der jeweiligen Profile, Tierleid-Bewertungen und entsprechende Einschätzungen zu diesen Fällen.

++ Die Auswertung unseres Petfluencer-Checks hier ansehen ++

Stoppen Sie das Tierleid!

Helfen Sie mit Ihrer Spende, das Tierleid in sozialen Netzwerken zu stoppen. Sie schenken der Kampagnenarbeit so immense Kraft.

Jetzt spenden

Weitere Neuigkeiten von der Kampagne

#StopptTierleid: Keine Likes für Qualzucht!

Wir möchten mit unserer Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ auch diese unkritische und uneingeschränkte Darstellung von… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Das sagen die Netzwerke!

Instagram und Facebook sowie YouTube, Snapchat und TikTok scheint Tierleid nicht (mehr) kalt zu lassen: In diesen Netzwerken… Weiterlesen »

#StopptTierleid: virtueller Aktionstag

Machen Sie mit uns Freitag, den 13. zum Glückstag für Tiere! Im Rahmen des virtuellen Aktionstages #StopptTierleid wollen… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Das Problem der unkritischen Darstellung von Qualzucht

Tiere werden in der Medienlandschaft oft und gern ins Licht gerückt. Dabei wird das schmerzvolle Schicksal von Qualzuchten… Weiterlesen »

Qualzucht im Fokus: Teacup-Hunde

Hunde so klein, dass sie als ausgewachsene Tiere in eine Teetasse (engl. Teacup) passen. Fast alle leiden unter… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Es tut sich etwas

Wir wissen, wie schwer ertragbar die Inhalte unserer Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ zum Teil sind.… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Verkleidete Tiere – Wo fängt Tierleid an?

Die sozialen Netzwerke sind voll mit Bildern und Videos von vermeintlich lustigen Tieren in Verkleidung – Hunde und… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Auf ins Tierschutzjahr 2022

2021 haben wir erst Anlauf genommen, um jetzt – im Tierschutzjahr 2022 – nachhaltige Erfolge für unsere Kampagne… Weiterlesen »

#StopptTierleid: Check der Ampelkoalition

„Fortschritt wagen“ steht drauf, doch wie viel Wandel und Fortschritt ist mit Blick auf unsere Forderung, die Darstellung… Weiterlesen »