Collage Instagram/TikTok

#StopptTierleid: Petfluencer-Check

Petfluencer begeistern auf Social Media.  Der Begriff ist eine Wortschöpfung aus „Influencer“ und „Pet“ (Haustier) und meint Social-Media-Profile, in denen Tiere – meist Hunde oder Katzen, aber auch Wildtiere wie Igel – im Fokus stehen und hohe Reichweiten erzielen. 50 der reichweitenstärksten Petfluencer-Profile aus dem deutschsprachigen Raum haben wir uns genau angeschaut. Die Besorgnis erregende Bilanz: Bei fast zwei Dritteln dieser Profile fanden wir die unkritische Darstellung von Tierleid-Inhalten.

Was ist die Absicht des Petfluencer-Checks?

Als Welttierschutzgesellschaft e.V. verfolgen wir die Vision einer Welt, in der Tiere wahrgenommen sowie respektvoll und tiergerecht behandelt werden. Dazu zählt auch, dass Tiere als fühlende Wesen erkannt und in der Öffentlichkeit als schützenswert dargestellt werden. Insbesondere die Umsetzung dessen in sozialen Netzwerken ist der Kern unserer aktuellen Kampagne „Stoppt Tierleid in sozialen Netzwerken“, kurz #StopptTierleid (https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/), in die auch der Petfluencer-Check eingebunden ist. Wir fordern im Rahmen der Kampagne ein Stopp der unkritischen Darstellung von Tierleid-Inhalten in sozialen Netzwerken.

Dafür sind wir …

  • auf politischer Ebene aktiv, um einen gesetzlichen Rahmen für ein Verbot der Darstellung grausamer Gewalttätigkeiten gegenüber Tieren im Zuge der Novellierung des §131 Strafgesetzbuches zu erwirken.
  • im Austausch mit Netzwerk-Vertreter*innen, um zu erwirken, dass die Gemeinschaftsstandards um die Thematik Tierleid erweitert werden.
  • durch umfangreiche Informationsarbeit für Nutzer*innen im Einsatz und erstellen hilfreiche Leitfäden zur Erkennung von Tierleid-Formen sowie zum Melden an die Moderator*innen-Teams.

Laufend dokumentieren wir in diesem Rahmen auch aktuelle Fälle wie Challenges, die in Tierleid münden. Auch der Petfluencer-Check reiht sich hier ein: Ziel ist es, die unkritische Darstellung von Tierleid-Formen am Beispiel der Profile mit den höchsten Follower*innen-Zahlen in Deutschland zu untersuchen.

So sind wir beim Petfluencer-Check vorgegangen:

Der Fokus des Petfluencer-Checks liegt entsprechend des Kampagnen-Zieles auf der unkritischen Darstellung von Tierleid. Dabei unterscheiden wir zwischen den Tierleid-Formen eindeutiges Tierleid, Tierleid-Verdacht und respektloser Umgang, hier ausführlich nachzulesen: https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/leitfaden-tierleid/.

Die Auswahl der 50 Profile für den Petfluencer erfolgte mit Hilfe bereits bestehender Listen (Beispiel für Hunde), mit Blick auf Preisträger*innen des German Petfluencer-Awards sowie auf Basis der Suche über Hashtags wie #dogfluencer und #catsofinstagram – wir verfolgten dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Gleichwohl haben wir versucht, die Balance zwischen Hunde- und Katzenprofilen zu halten, um ein umfangreiches Bild zu zeichnen. Wir haben vorab einen Zeitraum fest definiert und dann – jeweils auf Instagram und TikTok – die Stories nur zwischen dem 23. bis 29. März 2022 sowie Beiträge bis zum 16.05.2022 in die Bewertung aufgenommen.

Die ausführliche Dokumentation und Einschätzung der von uns bewerteten Profile befindet sich derzeit in Überarbeitung.

Was sind die Hauptkritikpunkte?

Kernessenz des Petfluencer-Checks ist es, dass die Inhalte vieler Petfluencer zum Teil sehr unkritisch in Bezug auf die Darstellung von Tierleid-Formen sind – das steht unserer Ansicht nach einer Förderung des Tierschutzes in der Bevölkerung entgegen. Die Ergebnisse im Detail sind in drei Kapitel zu unterscheiden.

Die unkritische Darstellung von …

  1. Inszenierungen, die nicht per se Tierleid sind, aber darin münden können.
  2. der Haustierhaltung von Wildtieren.
  3. Qualzuchten.

Letztere Inhalte stellten die mit Abstand größte Gruppe dar, weshalb wir unbedingt eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema anstoßen möchten. Qualzucht ist in Deutschland laut § 11b (https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__11b.html) des Deutschen Tierschutzgesetzes (TierSchG) bereits verboten. Wenngleich nicht alle Tiere einer Qualzuchtrasse unmittelbar betroffen sind, sollte eine Nachfrage nach diesen Tieren durch eine unkritische Darstellung nicht noch befördert werden. Wir wünschen uns, dass eine Zucht, die Schmerzen, Krankheiten und Leid von Tieren in Kauf nimmt, vehement kritisiert wird. Dazu zählt auch die kritische Darstellung in sozialen Netzwerken. Lesen Sie hier ausführlich, wie wir Qualzucht definieren und weshalb die unkritische Darstellung von Qualzucht problematisch ist: www.welttierschutz.org/qualzucht.

Das können Sie tun:
  • Engagieren Sie sich mit uns: Mit Veröffentlichung des Petfluencer-Checks haben uns zahlreiche wertvolle Hinweise auf weitere problematische Tierleid-Inhalte erreicht. Freundlich bitten wir alle engagierten Nutzerinnen und Nutzer: Senden Sie uns diese Beiträge, damit wir sie im Rahmen der Kampagnenarbeit in den Blick nehmen können – via Mail an stoppttierleid@welttierschutz.org.
  • Treten Sie in den Dialog: Unserer Ansicht nach können Petfluencer ein wichtiges Sprachrohr sein und einen wertvollen Beitrag für mehr Tierschutz auf in sozialen Netzwerken leisten. Wir hoffen, dass ein offener und sachlicher Austausch zu den Kritikpunkten angestoßen werden kann und stehen auch Multiplikator*innen wie Petfluencern gern beratend zur Seite. Bitte treten Sie dazu in Kontakt, via E-Mail an stoppttierleid@welttierschutz.org.
  • „Mit ihrer großen Reichweite insbesondere unter Tierfreundinnen und Tierfreunden haben diese Profile eine große Chance, auch meinungsgebend zum Thema Tierschutz zu sein. Mindestens sollte daher gelten, dass sie diesem nicht auch noch schaden. Doch eben das belegt unsere Analyse: Petfluencer haben ein echtes Tierschutzproblem." Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation der WTG.

Bei unserer Analyse der 50 Profile in den sozialen Netzwerken TikTok und Instagram haben wir bei 31 Profilen (62 Prozent) problematische Inhalte ermittelt. Als häufigstes Problem zeigte sich die unkritische Darstellung von Qualzuchten (24 Profile). Typische Qualzuchtmerkmale, die festgestellt wurden, waren Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie), Haarlosigkeit und Hybridisierung (d.h. Tiere, die auf die Verpaarung unterschiedlicher Spezies zurückgehen wie beispielsweise Bengalen). Auch die nackte Haut von Sphinx-Katzen oder die gezielte Zucht mit einem Gendefekt, die bei Australian Shepherds zu Taubheit führen kann, zählen wir dazu.

Viele der Merkmale, die die dargestellten Tiere in den Augen der Nutzer*innen zu etwas Besonderem machen, sind unserer Ansicht nach als Tierleid-Faktoren zu bewerten – unter anderem auch, wenn die Tiere beispielsweise wie bei Bengalen aus der Qualzucht mit Tieren unterschiedlicher Spezies entstanden sind. Diese Merkmale können die Ursache von Leiden und körperlichen Schäden der Tiere sein, die wir als Welttierschutzgesellschaft verurteilen.

Die unkritische Darstellung solch überzüchteter und ggf. leidender Tiere birgt eine große Gefahr, denn Petfluencer können damit Tierleid normalisieren und den gefährlichen Trend befördern, dass immer mehr Qualzuchten gehalten werden.

Wir appellieren daher an Multiplikatoren wie die Betreiber*innen von Petfluencer-Profilen, sich ihrer Verantwortung für die Tiere bewusst zu werden und sich im Hinblick auf das Leid kritisch damit auseinanderzusetzen.

Auch Nutzerinnen und Nutzer sollten das Tierleid erkennen und entsprechend reagieren: Nach dem Motto „Keine Likes für Tierleid“ bitten wir tierliebe Social-Media-Nutzer*innen, nicht mit Gefällt-mir-Angaben oder Kommentaren zu reagieren, sondern die Inhalte ohne Reaktion stehen zu lassen. Denn sonst erhalten sie weitere Reichweite und der Trend wird weiter befördert. Stattdessen sollten Nutzerinnen und Nutzer bedenkliche Tierleid-Inhalte immer an die Moderator*innen-Teams der Netzwerke melden.

Ausführliche Details zu weit verbreiteten Qualzuchtmerkmalen und besonders betroffenen Rassen bei Haustieren lesen Sie auch in unserem Tierschutzblog.

Wildtiere als Haustiere? Auch das bitte nicht!

Unter den reichweitenstarken Petfluencer-Profilen im deutschsprachigen Raum dominieren Katzen und Hunde. Nur eines der 50 im Petfluencer-Check untersuchten Profile stellt einen Igel in Haustierhaltung dar, was aus Tierschutzsicht aber überaus problematisch ist.

  • „Igel sind Wildtiere und keine Haustiere. Zudem sind viele der Inhalte offensichtlich bei Tag erstellt, was nicht dem Biorhythmus dieser dämmerungs- und nachtaktiven Tiere entspricht. Das ist Tierleid.“
    Wiebke Plasse

Mit Blick auf international agierende Petfluencer lässt sich bereits ein zunehmender Trend zur Haltung und somit auch Darstellung von Wildtieren erkennen. Das gilt es nach Ansicht der Welttierschutzgesellschaft dringend zu stoppen.

Ein weiteres Problem: Inszenierte Inhalte

Viele der untersuchten Petfluencer-Profile fallen darüber hinaus durch ein hohes Maß an inszenierten Inhalten auf, was bedeutet, dass die Tiere in künstliche, zum Teil auch menschenähnliche Situationen gedrängt werden. Darunter fallen beispielsweise Verkleidungen oder das Imitieren von menschlichem Verhalten. Bei der Analyse konnten solche Inszenierungen bei 13 der 50 untersuchten Profile festgestellt werden.

Zwar sind Inszenierungen nicht automatisch mit Tierleid gleichzusetzen. Mehrere Fälle unserer Analyse zeigen aber, warum sie oft als problematisch zu bewerten sind:

  • Hunde, denen kleine Herzen auf die Schnauze geklebt wurden, was die Gefahr des Einatmens dieser Kleinteile birgt,
  • eine Katze, die – mit um den Bauch gebundenen Schellen – an den Vorderpfoten aufgerichtet wurde und einen „Bauchtanz“ aufführt, wobei sie offensichtlich verängstigt wirkt,
  • zwei Katzen, die – mit Sonnenbrillen und Schal um den Kopf versehen – im Vorderbereich eines fahrenden Autos sitzen

Unser Appell an die Betreiber*innen der Petfluencer-Profile

Unsere Devise lautet: „Tierleid ist keine Komik“. Aufgrund ihrer großen Verantwortung, wegen ihrer großen Reichweite im Sinne des Tierschutzes zu handeln, appellieren wir an die Betreiber*innen der Petfluencer-Profile:

  • Vermeiden Sie Inszenierungen, die die Tiere verängstigen oder ihnen anderweitig schaden (können). Solche Inhalte sollten auf Social Media nicht dargestellt werden. Es besteht die Gefahr, dass sie nicht nur dem Tier selbst schaden, sondern durch Nachahmung noch weitaus mehr Tierleid nach sich ziehen.
  • Stellen Sie Qualzuchten in ihren Profilen nicht unkritisch dar, denn reichweitenstarke Profile befördern Trends und führen so womöglich zur weiteren Verbreitung von Qualzuchten. Der Petfluencer-Check der WTG hat gezeigt, dass es durchaus positive Beispiele von Profilen gibt, die die Überzüchtung ihrer Tiere kritisch reflektieren und andere Nutzerinnen und Nutzer über die damit verbundenen Probleme informieren.

Im Rahmen der Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ engagieren wir uns für ein Verbot von Tierleid-Darstellungen in sozialen Netzwerken, die keinen informativen oder dokumentarischen Zweck erfüllen. Wir fordern die Netzwerke auf, die jeweiligen Gemeinschaftsstandards umfassend um die Thematik Tierleid zu ergänzen (zu Fortschritten in diesem Bereichen lesen Sie hier) und deren Einhaltung zu überprüfen.

Auch für Petfluencer gilt dementsprechend: Beiträge, die Tierleid ohne informativen oder dokumentarischen Zweck verbreiten, sollten unwiderruflich gelöscht werden.

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Hintergründe zum Petfluencer-Check

Die Bewertung der Petfluencer-Profile erfolgte gemäß des Tierleid-Leitfadens, den wir im Rahmen der Kampagne "Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken" entwickelt haben, um die verschiedenen Formen von Tierleid erkennbar zu machen.

Hinweis: Bei einigen Petfluencer-Profilen haben wir mehr als eine Form von Tierleid registriert.

Stoppen Sie das Tierleid!

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