Pelz? Nein, danke!
Millionen Nerze, Marderhunde, Waschbären, Polarfüchse und andere Tiere müssen auf Pelzfarmen unter widrigen Bedingungen leben und letztendlich auch sterben: Die grausame Realität und das unsägliche Tierleid bei der Pelzproduktion sind seit Jahren bekannt und werden immer wieder öffentlich thematisiert. Dennoch finden sich Pelz und Pelzbesätze nach wie vor als vermeintlich modisches Accessoire an Jacken, Mützen, Schuhen, Handtaschen oder Schlüsselanhängern – auch in Deutschland. Wie kann das sein?
Eingesperrt in einem kleinen Drahtgitterkäfig wiegt der Marderhund seinen Kopf unruhig hin und her, verzweifelt wirft er sich gegen die Gitterstäbe, apathisch kaut er an seinen Gliedmaßen…
Einige wenige Sekunden einer Videosequenz sind ausreichend, um zu erfassen, welch physischen und psychischen Qualen die Marderhunde, Nerze, Polarfüchse, Waschbären, Hauskatzen und andere Tiere auf Pelzfarmen für die internationale Bekleidungsindustrie erleiden müssen. Ihr ganzes Leben verbringen die Tiere in engen Gitterkäfigen, ohne geschützten Schlafplatz, ohne Rückzugsmöglichkeiten vor Artgenossen, ohne Bewegungsmöglichkeit und ohne Abwechslung.
Einigen, wie z.B. Polarfüchsen auf Pelzfarmen in Finnland, werden möglichst üppige Fellfalten angezüchtet, um noch mehr Pelz aus ihnen machen zu können. Starke Augenentzündungen können die Folge für die Tiere sein, die außerdem oftmals an weiteren schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie durch Übergewicht erzeugte Stoffwechselerkrankungen, überlasteten Gelenken und gerissenen Bändern leiden.

Das unsäglich Leid, das mit der Pelzproduktion verbunden ist, ist bekannt und es gibt einige Lichtblicke:
Einer Umfrage der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN aus dem Jahr 2020 zufolge lehnten 84 Prozent der befragten Deutschen Echtpelz ab. Noch aktueller zeigt sich die kritische Haltung vieler Menschen gegenüber der gesamten Pelzindustrie: Laut einer 2026 veröffentlichten Umfrage des Marktforschungsunternehmens Savanta sprechen sich 78 Prozent der befragten Deutschen für ein EU-weites Verbot der Pelztierzucht aus, 80 Prozent für ein Einfuhrverbot von Pelzen aus Zuchtbetrieben außerhalb der EU. Schrittweise entscheiden sich auch immer mehr Modeunternehmen gegen Pelz in ihren Kollektionen.
- Übersicht sämtlicher Modemarken weltweit, die Pelz bereits aus ihren Kollektionen verbannt haben: www.furfreeretailer.com
- Überblick der EU-weiten Verbote in Bezug auf Pelzproduktion und -handel: www.furfreealliance.com/fur-bans/.
Doch aller Ablehnung in Umfragen und positiven Entwicklungen zum Trotz: Der Markt für Pelzprodukte bleibt relevant:
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2025 Bekleidung, Bekleidungszubehör und andere Waren aus Pelzfellen im Wert von rund 35,1 Millionen Euro nach Deutschland importiert. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf rund 28,8 Millionen Euro im Jahr 2024 ist das Importvolumen damit sogar wieder angestiegen – deutlich. Zuletzt lagen die Importwerte in den Jahren 2021 bis 2023 konstant auf der jetzigen Höhe, also zwischen 33 und 36 Millionen Euro.
Der deutsche Markt wird dabei nahezu vollständig durch Importe versorgt. Rund 49 Prozent der eingeführten Waren kamen 2025 aus Ländern der Europäischen Union, etwa 51 Prozent aus Nicht-EU-Staaten. Wichtigstes Lieferland war Italien mit einem Importwert von rund 10,3 Millionen Euro. Allerdings fungiert Italien in der Pelz- und Luxusmodebranche häufig als Verarbeitungs- und Handelsstandort. Die tatsächliche Herkunft der verwendeten Felle lässt sich anhand der Außenhandelsstatistik daher nicht immer nachvollziehen.
Die Zahlen zeigen: Trotz sinkender gesellschaftlicher Akzeptanz werden mit Pelzprodukten weiterhin Millionenumsätze erzielt.Doch wie kann es sein, dass ein bekanntermaßen tierquälerisches Produkt, das seit den Achtzigerjahren bereits verrufen ist, bis heute Käuferinnen und Käufer findet
- Ein Teil der Antwort dürfte darin liegen, dass sich Echtpelz mittlerweile vor allem durch Besätze an Jacken, Mützen, Handtaschen oder anderen Accessoires finden. Während also klassische Pelzmäntel heute eine geringere Rolle spielen, finden diese Pelzprodukte weiterhin Käuferinnen. Gerade diese kleinen Pelzelemente tragen allerdings dazu bei, dass die Herkunft des Materials von vielen Verbraucher*innen kaum wahrgenommen wird. werden Pelzprodukte weiterhin verkauft und getragen.
- Das führt zum zweiten Teil der Antwort, warum Pelz nach wie vor einen so hohen Umsatz erzielt: Viele Menschen Echtpelz tragen wahrscheinlich unwissentlich Echtpelz.
Das Problem: Was als Kunstpelz deklariert ist, ist oftmals echter Pelz
„Das war so günstig, das kann kein echter Pelz sein“ denken viele. Doch das ist ein Trugschluss! Pelz ist mittlerweile so günstig, dass der Preis allein keinen Rückschluss auf Echt- oder Kunstpelz mehr zulässt. Vor allem Marderhunde werden in China massenhaft in Pelzfarmen unter sehr schlechten Bedingungen gehalten. Durch diese Massenhaltung ist die Produktion genauso günstig wie die von Kunstfell – oder teilweise sogar günstiger.

Das Problem verschärft sich durch hierzulande fehlende Kontrollinstanzen: Denn laut Artikel 12 der europäischen Textilkennzeichnungs-Verordnung sind zwar sowohl Hersteller als auch Händler dazu verpflichtet, die Ware entsprechend zu kennzeichnen und zu etikettieren. Genaue Angaben zum wissenschaftlichen und zoologischen Namen der Tierart, zur Herkunft des Felles und der Art der Gewinnung, wie es beispielsweise in der Schweiz der Fall ist, sind für Mitgliedsstaaten der EU aber nicht verpflichtend. Sie müssen aber immerhin ausdrücklich mit dem Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet werden.
Doch daran scheitert es oft. Während die Pelzprodukte oft ohne entsprechende Nennung vom Hersteller zum Händler übergehen, gibt es hierzulande dann kaum Kontrollen, die die richtige Kennzeichnung der Ware sicherstellen. Oft werden aktive Kontrollen erst nach Hinweisen aus der Bevölkerung durchgeführt, heißt es in einer MDR Exklusiv Meldung vom Februar 2020. So passiert es immer wieder, dass Händler Pelze falsch oder gar nicht deklarieren und tierische Erzeugnisse als vermeintlicher Kunstpelz in Umlauf kommen. Für die falsche oder nicht vorhandene Kennzeichnung gibt es in der Regel lediglich eine Abmahnung oder Bußgeldstrafe für den Händler.
Kunst- oder Echtpelz? Machen Sie die Probe!
Die folgenden drei Methoden können ebenso bei der Unterscheidung helfen:
Aber Achtung! Ein hochwertiger Kunstpelz kann echten Pelz sehr gut imitieren, sodass auch diese Tests keine eindeutige Unterscheidung garantieren können. Wer ganz sichergehen möchte, kein Echtfell zu erwerben, sollte von sämtlichen Pelz-Produkten Abstand nehmen.
Es gibt leider eine ganze Reihe vor allem hochpreisiger Modemarken, die nach wie vor Echtpelz verarbeiten, darunter beispielweise Woolrich und Blauer.
Mit Sorge beobachten wir zudem, dass Echtpelz in den sozialen Medien und der Modebranche wieder vermehrt Aufmerksamkeit erhält. Während in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen und Länder Konsequenzen aus den bekannten Missständen der Pelzindustrie gezogen haben, drohen aktuelle Pelz-Trends diese Entwicklung zu unterlaufen:
- So sorgte bereits 2024 die sogenannte „Mob Wife“-Ästhetik auf Plattformen wie TikTok für Aufmerksamkeit, bei der große Pelzmäntel und pelzähnliche Looks als Ausdruck von Luxus und Status inszeniert wurden.
- Auch auf internationalen Laufstegen waren Pelz- und pelzähnliche Designs in den Herbst- und Winterkollektionen 2025 wieder deutlich präsenter als in den Jahren zuvor.
- Gleichzeitig wird auch Vintage- und Second-Hand-Pelz zunehmend als vermeintlich nachhaltige Alternative vermarktet, was aber dazu beitragen kann, Pelz als Fashion-Produkt wieder stärker zu normalisieren.
Gerade deshalb ist es wichtig, nicht aus dem Blick zu verlieren, welches Leid mit der Pelzindustrie verbunden ist. Aus Sicht des Tierschutzes darf Pelz niemals wieder zum bedenkenlosen Trend werden.
Und wie ist die Situation in Deutschland?
Zahlreiche europäische Nachbarn wie beispielsweise Frankreich, Österreich und Belgien, aber auch viele andere Länder weltweit haben gesetzliche Verbote von Pelztierfarmen ausgesprochen. Eine detaillierte Übersicht dazu finden Sie unter https://www.furfreealliance.com/fur-bans/
Ein solches Verbot existiert in Deutschland nicht. Dass es hierzulande keine Pelztierfarmen mehr gibt, ist stattdessen als Folge der 2017 eingeführten strengen gesetzlichen Auflagen für Pelztierzüchter*innen zu sehen. Aufgrund dieser schloss im April 2019 die letzte Pelztierfarm in Deutschland, weil die Produktion angesichts der Auflagen nicht mehr rentabel war.

Die Forderung nach einem Ende der Pelztierhaltung wird inzwischen aber auch auf EU-Ebene unterstützt. Die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ sammelte 2023 mehr als 1,5 Millionen gültige Unterschriften für ein Verbot der Pelztierhaltung und den Verkauf von Pelz in der Europäischen Union. Damit erreichte die Initiative die notwendige Unterstützung, um offiziell von der Europäischen Kommission behandelt zu werden. Im Dezember 2023 kündigte die Kommission an, die Auswirkungen eines möglichen Verbots prüfen zu lassen. Dazu wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer wissenschaftlichen Bewertung beauftragt. Diese wurde im Juli 2025 veröffentlicht und soll nun als Grundlage für die Entscheidung über mögliche weitere Schritte auf EU-Ebene dienen.

Es liegt in der Verantwortung der Käufer*innen
Die Politik ist dran, aber noch lange nicht so weit. Damit das Leid der Tiere für Pelzprodukte also schnell der Vergangenheit angehört, muss die Nachfrage seitens der Konsument*innen sinken! Nur wenn tierquälerische Produkte wie Echtpelz keinen Absatz mehr finden, kann Tierleid weltweit dauerhaft verhindert werden.
Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, um Ihren wertvollen Beitrag dazu zu leisten, verbreiten Sie diesen Artikel bitte in Ihrem Netzwerk. Informieren Sie Menschen in Ihrem Umfeld, dass auch diese am besten komplett auf den Kauf von Produkten in Pelz-Optik – ob künstlich oder echt – verzichten sollen.
Bitte unterstützen Sie unsere Tierschutzarbeit
Die Welttierschutzgesellschaft ist gemeinnützig. Deshalb brauchen wir Menschen wie Sie, die unsere Tierschutzarbeit nachhaltig unterstützen.
