Pelz

Die Pelzindustrie erlebt ein Revival

Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, reicht ein Blick ins Schaufenster: Angeboten wird Pelz als Accessoire, Wollmützen- oder Kragenbesatz und Mantel. Nicht nur die Modeindustrie, auch das Europäische Parlament wirbt für das Qualprodukt.

Obwohl das EU-Parlament ständig Petitionen zu diesem Thema erhält, zahlreiche Abgeordnete, Tierschutzorganisationen und Bürger die Pelztierzucht auf Schärfste verurteilen, auf Länderebene erfolgreich Verbote von Pelzfarmen erlassen werden und zuletzt sogar eine Petition von fast 50.000 Unterzeichnern dagegen vorlagen, konnte es nicht verhindert werden: „(…) Die Quästoren haben mehrheitlich dafür gestimmt, eine Werbeveranstaltung der Pro-Pelz-Lobby innerhalb der Räumlichkeiten des EU-Parlamentes in Brüssel zuzulassen“, so Stefan Bernhard Eck, parteiloser EU-Abgeordneter und Menschen-, Tier- und Umweltrechtler, auf seiner Facebook-Seite. Tierschützer und Tierfreunde traf die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht: Vom 29. September bis 2. Oktober 2015 fand im EU-Parlament in Brüssel eine Werbeveranstaltung des „Fur Information Center“ statt. Auf der Website des Pro-Pelz-Lobbyverbandes sowie auf den Informationsseiten des Europäischen Parlaments fehlte zum Zeitpunkt der Veranstaltung allerdings jeglicher Hinweis.
War eine breite Öffentlichkeit womöglich unerwünscht? Rückfragen bei den Organisatoren und der offiziellen Pressestelle des Parlaments brachten keinen Aufschluss. Man war zu keiner Aussage bereit – und unterstriech damit diese Vermutung.

Ein Blick ins Schaufenster erschreckt: Pelz ist wieder überall!


Wer sich mit dem Thema Pelz beschäftigt, sieht immer wieder die gleichen Bilder: Tiere, die eingesperrt in kleinen Drahtgitterkäfigen den Kopf unruhig hin und her wiegen, sich gegen die Gitterstäbe werfen und an ihren eigenen Gliedmaßen kauen. Das ist die Folge von physischer und psychischer Qualen, die Nerze, Marderhunde, Waschbären, Hauskatzen und andere Tiere auf Pelzfarmen für die internationale Bekleidungsindustrie erleiden müssen. Allein in der EU gibt es noch etwa 7000 Pelzfarmen, die jährlich etwa 35 Millionen Nerz- und zwei Millionen Fuchsfelle erzeugen. Trotz dessen niemand an den grausamen Bildern vorbeikommt, erlebt Pelz dieser Tage ein Revival. Marken wie H&M, Esprit und Vero Moda verzichten zwar bewusst auf echten Pelz. Andere Firmen verarbeiten das Qualprodukt aber umso großzügiger. Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, reicht ein Blick ins Schaufenster: Angeboten wird Pelz als Accessoire, Wollmützen- oder Kragenbesatz und Mantel.

Wie konnte es passieren, dass das in den Achtzigerjahren verrufene Qualprodukt plötzlich wieder schamlos an Jacken und Mützen der Bürger prangt? Die ehemalige EU-Parlaments-Abgeordnete Britta Reimers erklärt auf der Seite des Pro-Pelz-Lobbyverbandes: The main reason for the increase in European fur production is increased demand for fur by the fashion industry. After fur suffered a negative image in the past decade, public reception has changed to be more accepting towards fur articles in general.Übersetzt heißt das so viel wie: Die Modeindustrie ist der Hauptauslöser für die Zunahme der europäischen Pelzproduktion. Sie macht die Trends und steigert die Nachfrage.

 

Umfrage: Warum tragen Sie Pelz?
Wir wollten wissen, warum – trotz verstärkter Aufklärung in den Medien und seitens des Tierschutzes über das grausame Schicksal der Tiere – so viele Menschen scheinbar bedenkenlos zum Pelz greifen. Auf einer der großen Berliner Einkaufsstraßen haben wir Menschen mit Kleidung aus Pelz und mit Pelzbesatz angesprochen und nachgefragt: „Handelt es sich bei Ihrem um echten Pelz?“ und „Hätten Sie dieses Kleidungsstück auch gekauft, wenn es aus Kunstpelz wäre?“

Die Erkenntnis: Für die meisten Menschen steht im Moment des Kaufs Aussehen, Qualität und Preis im Vordergrund. „Das war so günstig, das kann kein echter Pelz sein“ denken viele. Ein Trugschluss! Denn aufgrund der großen Nachfrage ist Pelz mittlerweile so günstig, dass der Preis keinen Rückschluss auf Echt- oder Kunstpelz mehr zulässt. Abzulesen ist, dass bei der Masse der Befragten kein ausdrücklicher Bedarf an Echtpelz besteht. Auf Nachfrage geben die meisten Menschen an, dass sie Kunstpelz sogar bevorzugen würden. Auch Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen Echtpelz immer noch ablehnen. Grundsätzlich ist das eine positive Einstellung, die den Millionen Tieren, die jährlich für die Pelzindustrie leiden und sterben, allerdings nichts bringt, so lange diesen Worten keine Taten folgen. Es besteht eine zu große Diskrepanz zwischen dem vorhandenen Bewusstsein für die Problematik und der damit verknüpften, konsequenten Kaufentscheidungen.

Ein Label für Grausamkeit


Dem Imageproblem der Pelzindustrie entgegenwirken wollen natürlich insbesondere der internationale Pelzverband (IFTF) und die führenden internationalen Pelzauktionshäuser. Sie haben sich bereits 2007 zusammengeschlossen und das Label „Origin Assured“ gegründet. Die Farmen von denen diese Pelze stammen, befinden sich in Ländern wie Finnland, Polen, Italien – aber auch Deutschland. In Ländern also, die theoretisch die höchsten Tierschutzstandards der Welt für sich beanspruchen. Doch auf den Pelzfarmen scheinen die Standards nicht zu gelten. In einem Video deckt die Tierschutzorganisation PETA auf: Die Tiere leiden unter Vernachlässigung und an unbehandelten, blutigen Wunden. Viele Tiere werden wahnsinnig, einige verstümmeln sich selbst und neigen zu Kannibalismus.
Auch die seit 2012 neue europäische Textil-Kennzeichnungsverordnung hat wenig Wirkung. Noch immer entsprechen zahlreiche Etiketten dieser Verordnung nicht und bieten dem Konsumenten keine ausreichende Aufklärung hinsichtlich Herkunft und Ursprung des Pelzes. Das nutzt die Pelzindustrie für sich und bringt unter falscher oder fehlender Kennzeichnung Felle auf den Markt, deren Import und Verkauf hierzulande verboten ist. Wer kann schon vermuten, dass sich hinter Angaben wie Loup d’Asie, Wolf of Asia, Mountain Goat Skin oder Pommernwolf häufig Fell oder Leder vom Hund oder hinter Maopi das Fell von der Hauskatze verbirgt?

Das EU-Parlament sendet falsche Signale

Dass Umfragen, Petitionen und dem allgemeinen Meinungsbild in Gesellschaft und Politik zum Trotz, das Fur Information Center in den Räumen des EU-Parlaments ausstellen durfte, ist ein Skandal. Angesichts der immer noch grausamen Umstände in europäischen Pelzfarmen und der gleichzeitig wachsenden Nachfrage nach dem Qualprodukt, läge es in der Verantwortung der EU-Politiker, über die Wahrheit aufzuklären, statt ihnen gastfreundlich eine Lobby zu bieten!

Um das Leiden von Rotfüchsen, Marderhunden und Nerzen zu verhindern, reicht es nicht, bei der Auswahl des Pelzes kritisch zu sein. Es gilt, ganz darauf zu verzichten!


Umso erfreulicher sind Nachrichten wie diese: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet von dem ersten Club, der Pelzträgern den Eintritt verweigert: „Wir sind pelzfrei!“, sagt der Club-Betreiber Rolf Hiltl des Hiltl Clubs in Zürich stolz. Auch in London wird man zunehmend mit Pelzbesatz an der Tür abgewiesen. Übrigens erfolgte der „Fur-Free-Dresscode“ in Reaktion auf Tierschützer, die die Clubs konkret mit diesem Anliegen kontaktiert hatten. Deshalb:

Sagen Sie Nein zu Pelz!

Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Freunden über das Thema Pelz und verbreiten Sie Ihre Meinung öffentlich. Unterstützend und um ein Statement gegen Pelz zu setzen, können sie auch diese Petition unterschreiben.
»Jetzt unterschreiben

Was kann ich machen, wenn ich ungekennzeichneten Pelz entdecke?
Wenden Sie sich direkt vor Ort an eine/n MitarbeiterIn oder am besten an den/die FilialleiterIn. Teilen Sie der Person mit, dass Sie ungekennzeichneten Pelz gefunden haben und Sie es prinzipiell verwerflich finden, Pelz zu verkaufen.
Nutzen Sie unsere Brief-Vorlage und schicken Sie Ihr Anliegen direkt an die Geschäftsführung des Unternehmens. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Freunden über das Thema Pelz und verbreiten Sie Ihre Meinung in Ihren Netzwerken.

Quellen:
Stefan Bernhad Eck (Menschen-, Tier- und Umweltrechtler und EU-Abgeordneter)
Change.org – Petition gegen geplante Veranstaltung des Pro-Pelz-Lobbyverbandes im EU-Parlament (geschlossen)

PETA
Origin Assured
Fur Free Programm
Deutscher Tierschutzbund
Mirjams Tierschutzblog
Fuchs, Nerz – ihr kommt hier nicht rein!

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One thought on “Die Pelzindustrie erlebt ein Revival

  1. Jonas Reply

    Es ist wirklich furchtbar, wie viele Leute zur Zeit wieder Pelz tragen, allein in meiner Klasse haben fünf Mädchen Echtpelz an ihrer Winterjacke.

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