© Action for Protection of Wild Animals

Odisha im Ausnahmezustand

Als im Mai Zyklon „Fani“ auf den ostindischen Bundesstaat Odisha traf, eilten wir den Tieren durch den Einsatz eines Notfallteams zu Hilfe. Wir versorgten mehrere Tausend, teils verletzte und zurückgelassene Tier, und stärkten Sie durch Impfungen und die Zufuhr von Vitaminen. Doch nicht allen Gefahren war vorzubeugen: Aktuell, also Monate später, breitet sich die lebensgefährliche Lumpy-Skin-Krankheit, auch Knötchenkrankheit genannt, unter den Rindern aus. Sie ist durch Extremsituationen begünstigt.

 

Hintergrund: Zyklon in Indien

Ein mobiler tiermedizinischer Dienst, der in den Dörfern Odishas mit unserer Hilfe bereits kontinuierlich im Einsatz ist, traf schon vor dem Eintreffen des Zyklons Präventivmaßnahmen: der Gesundheitszustand der Tiere konnte verbessert und so die Voraussetzung geschaffen werden, dass mehr Tiere die extremen Bedingungen in Folge des Zyklons überleben. Außerdem wurden 5.400 Tiere in sichere Unterbringungen gebracht und 50 ausgewählte Gemeinden mit zusätzlichen Medikamenten und Materialien zur Erstversorgung ihrer Tiere ausgestattet.

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Rund 10.000 geschwächte und zum Teil verletzte Tiere wurden im Rahmen unseres Soforthilfeeinsatzes mit unserem Partner der Action for Protection of Wild Animals (APOWA) unmittelbar nach dem Zyklon versorgt. Wunden, Fieber, Infektionen sowie Durchfall wurden behandelt. Auch wurden Nahrung und Vitamine verabreicht, um den Zustand der Katastrophen geplagten Tiere schnellstmöglich zu verbessern. Denn: Geschwächte und kranke Tiere bilden einen Nährboden für die Verbreitung von Krankheiten.

Dies beweisen einmal mehr die jüngsten Geschehnisse in Odisha

In den auf Zyklon „Fani“ folgenden Wochen zeigten vereinzelte Rinder spezielle Krankheitssymptome: Sie waren appetitlos, wirkten schwach, hatten Fieber. Auf der Haut einiger Tiere bildeten sich außerdem kleine Knötchen. Symptomatische Behandlungsansätze brachten keine Besserung, stattdessen verschlimmerte sich die Lage zunehmend und im Sommer waren bereits 65 Prozent der Tiere in einer Region erkrankt.

Erster Verdacht auf die Lumpy-Skin-Krankheit

Der Verdacht kam auf, es könne sich um die Lumpy-Skin-Krankheit (englisch Lumpy Skin Disease, kurz LSD) handeln:

Die im deutschsprachigen Raum auch als Knötchenkrankheit bekannte Viruserkrankung tritt bei Wiederkäuern – hauptsächlich in Afrika und dem Nahen Osten auf. Der Hauptübertragungsweg für das LSD-Virus sind blutsaugende Insekten wie Mücken und Milben. Zwei bis vier Wochen nach der Infektion haben erkrankte Tiere hohes Fieber und um die 30 Prozent der Rinder zeigen bis zu 5 cm Durchmesser große knötchenartige Veränderungen der Haut. Bevorzugte Stelle für diese Knötchen sind beispielsweise Kopf, Hals und Euter. Diese Schwellungen können bis zu sechs Wochen andauern. Die Tiere sind schwach, appetitlos und verlieren stark an Gewicht. Wenn nicht rechtzeitig behandelt, kann die Krankheit tödlich enden.

Quellen: http://www.fao.org/3/u4900t/u4900t0d.htm, https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/lumpy-skin-disease/

Um eine offizielle Diagnose stellen und die notwendige Behandlung definieren zu können, wurden Labortests in die Wege geleitet. Mit der Bestätigung: Die erkrankten Tiere leiden unter LSD.

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Prekäre Zustände nach Naturkatastrophen begünstigen die Ausbreitung der Krankheit

Die rasante Ausbreitung der lokal unter dem Namen „Go-Banant“ bekannten Lumpy Skin-Krankheit steht vermutlich in unmittelbarem Zusammenhang mit den Folgen von Naturkatastrophen. Infolge katastrophaler hygienischer Zustände und Unterversorgung haben viele Tiere ein geschwächtes Immunsystem. Das macht sie besonders anfällig für Krankheiten. Wenn dann bereits infizierte und noch gesunde Tiere gemeinsam Wasserstellen aufsuchen, an denen sich die Überträger der Krankheit, nämlich blutsaugende Insekten, in großem Maße vermehren, ist schnell eine große Anzahl an Tieren mit dem Erreger infiziert.

Behandlung und präventive Maßnahmen im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort

Für unsere Partner gilt jetzt, die akut erkrankten Tiere zu behandeln, indem sie die Wunden auf der Haut versorgen. Eine Impfung, um der Krankheit vorzubeugen ist in Odisha nicht zugelassen.
Um die weitere Ausbreitung auf ein Minimum zu reduzieren, ist es daher von großer Wichtigkeit, die Tiere voneinander zu isolieren, die Ställe bestmöglich vor dem Eindringen blutsaugender Insekten zu schützen und die Tiere zusätzlich mit Insektenschutzspray  einzusprühen. 

Des Weiteren werden alle Tierhalter*innen und Menschen in der Umgebung der betroffenen Dörfer durch Informationsmaterial und persönliche Gespräche über den Krankheitsausbruch und die präventiven Maßnahmen aufgeklärt.

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Odisha ist Hotspot der Klimaextreme

Tiere und Menschen sind noch nicht zur Ruhe gekommen, da wird die Region bereits von der nächsten Naturkatastrophe heimgesucht: Mit „Bulbul“ traf Anfang November ein weiterer Zyklon auf Odisha. Obgleich mit weniger verheerendem Ausmaß als „Fani“ hat auch er eine Reihe an Schäden vor allem an den bewirtschafteten Feldern und einigen Häusern hinterlassen. Der Zeitpunkt dafür könnte kaum schlechter sein: Die Menschen und ihre Tiere sind durch die Strapazen der zurückliegenden Monate noch stark geschwächt. Auch das Risiko für die weitere Ausbreitung der Lumpy-Skin-Krankheit steigt in dieser neuen Extremsituation. Mit voller Energie sind unsere Partner weiter im Einsatz, um verletzte und erkrankte Tiere tiermedizinisch zu versorgen, ihren Gesundheitszustand so gut wie möglich zu stabilisieren und durch die Umsetzung der genannten Maßnahmen, die Verbreitung von LSD und anderen Krankheit bestmöglich einzudämmen.

Unsere Maßnahmen vor Ort beschränken sich angesichts der verheerenden Not nicht nur auf Soforthilfen. Wir zielen vor allem darauf ab, durch regelmäßige tiermedizinische Versorgung sowie Präventionsmaßnahmen, das Tierwohl in den Dörfern nachhaltig zu stärken und so Tiere und Menschen für die Naturereignisse und damit einhergehende Gefahren zu wappnen. 

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