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Körpersprache von Hunden richtig deuten

Ein Beitrag von Maike Hausmann, Bundesfreiwilligendienstleistende bei der Welttierschutzgesellschaft

Streunende Hunde prägen in vielen Ländern das Straßenbild. Struppiges Fell und vermeintlich traurige Augen rufen bei tierfreundlichen Urlaubern sogleich den Wunsch zum Streicheln, zur Hilfe und Rettung hervor. Doch viele bedenken nicht, dass nicht jedes Tier Kontakt möchte oder Hilfe benötigt. 

Um zu verstehen, ob ein Hund die angebotene menschliche Fürsorge möchte, ist es unabdingbar, die Kommunikationssignale der Tiere richtig zu interpretieren. Hunde nutzen verschiedene Arten der Mimik, Gestik sowie die Kommunikation durch Laute. Jedes solcher Signale ist zu beachten, denn das Tier zeigt anfangs viele kleinere Signale, mit denen es zu verstehen gibt, dass es sich unwohl fühlt. Versteht das gegenüber diese Signale jedoch nicht oder ignoriert sie und ist es dem Hund zudem nicht möglich, sich selbst aus der Situation zu entfernen, kann es zur Eskalation und zu potentiellen Übergriffen kommen.

Herzlichen Dank an Stanley Coren für die Bereitstellung seiner aufschlussreichen Skizzen. Weitere Informationen (englischsprachig) finden Sie hier: http://www.psychologytoday.com/blog/canine-corner

Kopf

Mimik wird von Hunden genutzt, um über kurze Distanzen zu kommunizieren. Viele der offensichtlichsten mimischen Signale kann man schon mit einem Blick ins Gesicht des Hundes erkennen. Zu den eindeutigen Signalen, dass das Tier keinen Kontakt sucht, zählt beispielsweise das Meiden des Augenkontaktes, Wegdrehen des Kopfes und das nach hinten und zur Seite legen der Ohren. Andere Signale werden Sie vielleicht überraschen: Der Hund leckt sich seinen Mund, hechelt oder gähnt/wirkt schläfrig, wenn Sie versuchen Kontakt aufzunehmen. Mit diesen sogenannten Beschwichtigungssignalen, die der Hund einsetzt, wenn er sich unwohl und gestresst fühlt, versucht er zu deeskalieren. Indem er diese einsetzt, versucht er, sein Gegenüber zu „besänftigen“, um eine Konfrontation zu vermeiden.

Ducken

Das Ducken ist ein universelles Zeichen dafür, dass ein Hund nicht berührt werden möchte. Das gleiche gilt, wenn sich das Tier von Ihnen entfernt, Ihnen also aktiv ausweicht. Bitte akzeptieren Sie dies und drängen Sie sich dem Tier nicht auf. Sie müssen es nicht von Ihrem guten Willen „überzeugen“, indem Sie weiterhin eine Berührung suchen oder ihm ja „nur zeigen wollen, dass Sie es gut meinen“. Indem Sie die das Verhalten des Hundes ignorieren und sich ihm aufdrängen, fügen Sie dem Tier Stress zu.

© Emery Way/flickr

Auf den Rücken rollen

Der Hund rollt sich auf den Rücken, wenn Sie näher an ihn herantreten? Dies ist unter Umständen KEINE Einladung zum Bauchkraulen - im Gegenteil. In der Hoffnung, dass eine körperliche Konfrontation umgangen werden kann, unterwirft sich der Hund Ihnen vollkommen. Denn Sie stellen in diesem Moment ein ihn bedrohendes dominantes Individuum dar und genau dies versucht er Ihnen durch seine Körperposition zu zeigen.

Der Unterschied zwischen einer Einladung zum Bauchkraulen und der Unterwerfung ist deutlich: Wenn sich das Tier unterwirft, ist die Rute dicht am Körper oder zwischen den Beinen, der Kopf ist in die Luft gestreckt abgewendet und Augenkontakt wird vermieden, die Ohren sind streng nach hinten an den Kopf angelegt und der ganze Körper wirkt angespannt. Wenn die Rückenlage eine Einladung zum Kraulen darstellen soll, ist der ganze Körper, inklusive Rute, entspannt.

Rute

Die Rutenstellung bei Hunden ist ein wichtiges Ausdrucksmittel und sendet vielfältige Signale. Eindeutig ist das Senken des Schwanzes oder Einklemmen des Schwanzes zwischen die Beine bei den meisten Hunderassen als ein Ausdruck für ein negatives Grundgefühl bekannt. Aber auch das Schwanzwedeln kann situationsbedingt ein Zeichen verschiedener Gefühlslagen - guter wie schlechter - sein. Es wird durchaus auch als Drohgebärde eingesetzt oder zum Beispiel auch als Beschwichtigung. Die Rute dient zur Äußerung einer vollen Bandbreite von Signalen und das Schwanzwedeln ist nicht immer freundlich gemeint.

Vokale Kommunikation

Auch Laute sind wichtiger Kommunikationsbestandteil bei Hunden, daher sollte man sie ernst nehmen und richtig deuten. Oft wird das Knurren bei Hunden als Bedrohung wahrgenommen und aggressiven Tieren zugeschrieben. Dennoch muss dies nicht der Fall sein. Nachdem der Hund verschiedene Signale an den Tag gelegt hat, aber die Bedrohung anhält, versucht das Tier mit dem Knurren verstehen zu geben, dass es sich unwohl und eingegrenzt fühlt – es kann als weiteres Zeichen der Verzweiflung gedeutet werden, wenn ihm die momentane Situation unangenehm ist und er keine Möglichkeit sieht, Abstand zu gewinnen. Zwischen dem ersten Knurren als Warnzeichen und einem eigentlichem Angriff liegen Welten. Hat aber der Hund das Gefühl, dass es keine anderen Ausweichmöglichkeiten mehr gibt, auch nachdem er seine Zähne zeigt und geknurrt hat, kann das Ignorieren dieses Signals einen Angriff des Hundes zufolge haben, da er sich nicht mehr anders zu helfen weiß.

Die WTG bittet….

Egal, ob ein Streuner bettelt oder sich distanziert verhält, die WTG vertritt die Meinung, dass jegliche Streunertiere in Ruhe gelassen werden sollen, die nicht eindeutig hilfsbedürftig sind.

Davon abgesehen, dass viele Tiere keinen Kontakt von sich aus suchen, kann man auch nicht sagen, der wievielte Mensch man ist, der versucht dem Tier näher zu kommen. Dies macht es schwer einzuschätzen, wie viel Geduld der Hund noch hat, bevor es vielleicht doch zum Angriff kommt.
Wenn ein Tier bettelnd an Ihren Tisch kommt, sollten sie dieses ignorieren – denn das Betteln an sich ist ein erlerntes Verhalten des Tieres. Des Weiteren sollte auch beachtet werden, dass nicht jeder Mensch ein Tierfreund ist und andere Menschen einen „aufdringlichen“ Hund als störend empfinden und verärgert reagieren könnten.

Es wird oft unterschätzt, dass die Tiere letztendlich meist selbst ihre Futter- und Wasserquellen kennen, die ihnen das Überleben bisher ermöglicht haben. Vielerorts leben Tiere und Menschen in einer bewährten Koexistenz und es wichtig Abstand zu halten, um diese nicht zu stören. Touristen haben hier auch die Verantwortung sich zurückzuziehen. Dies gilt natürlich nicht, wenn das Tier eindeutig leidet: Finden Sie ein krankes, verletztes und/oder apathisch wirkendes Tiere, dann reagieren Sie richtig, wenn Sie sich »an einen lokalen Tierschutzverein wenden. Dieser wird sich dann um das Tier kümmern.

Mehr darüber, wie Sie sich Streunern gegenüber richtig verhalten und Ihnen wenn nötig helfen können, lesen Sie in unserem Blog »Richtiger Umgang mit Streunern im Urlaub.

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