Ausstellung “HIDDEN“ über das versteckte Leid der Tiere

Die Fotoausstellung „HIDDEN – Tiere im Anthropozän“ legt den Finger in die Wunde und schafft ein Bewusstsein für die unwürdigen Lebensbedingungen der Tiere, die wir Menschen tagtäglich nicht nur dulden, sondern sogar vorantreiben. Wir von der Welttierschutzgesellschaft haben die Ausstellung besucht und geben Ihnen hier einen Einblick.

Ein Beitrag von Marie Gewalt und Cindy Nyanzi

Für die Fotoausstellung haben sich 40 Fotograf*innen zusammengeschlossen, um den Einfluss der Menschen auf das Leben unzähliger Tiere, die unter grauenvollen Lebensbedingungen leiden, deutlich zu machen. Darunter sind Aufnahmen von einigen der bekanntesten Wildlife-Bildjournalist*innen, wie zum Beispiel Daniel Beltrá, Aaron Gekoski und Britta Jaschinski zu sehen.  

Wir sind ganz ehrlich: Obwohl für uns als Mitarbeiter*innen einer Tierschutzorganisation erschreckendes Tierleid trauriger Alltag ist, waren wir nervös. Welche schockierenden Aufnahmen werden wir sehen? Was wird das mit uns machen?

Aufgeteilt auf drei Räume erwarteten uns in der Tat schockierende und tiefgehende Aufnahmen: von der Massentierhaltung der industriellen Landwirtschaft oder Tieren, die von Menschen für die Mode, Unterhaltung, Fischerei und Forschung gehalten werden. Die Bilder machen sichtbar, was normalerweise vor der breiten Gesellschaft ungesehen wird: Das Leid und der Schmerz der Tiere, die für die menschliche Lust, Gewohnheit und Gier verursacht werden. Die Bilder werden durch Texttafeln mit wissenswerten Fakten über die dargestellten realen Umstände ergänzt.

Es stockte uns der Atem – bei jedem einzelnen Bild.  

© Andrew Skowron

Zum Abschluss der Ausstellung wird auf einem zentralen Bildschirm noch ein Film dargestellt – der letztlich genau das tut, was jetzt dringend notwendig ist: Er verwandelt das Gesehene, den Schock und die kurzerhand gespürte Ohnmacht über die Zustände in Tatendrang. Denn der Film behandelt zwar die Auswirkungen der Nutztierhaltung auf die Menschen und das Klima, er zeigt jedoch auch Lösungen und mögliche Wege sowie bisherige positive Veränderungen hin zu mehr Tierwohl und einer besseren Zukunft. Hierbei wird vor allem das große Potential der pflanzlichen Ernährung thematisiert und durch verschiedene Studien und Beispiele veranschaulicht.

© Aitor Garmendia

Jetzt fragen Sie, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, sich sicher auch, warum man sich freiwillig das Leid der Tiere vor Augen führen sollte? Wir finden, dass HIDDEN mit dem Gezeigten die Antwort gibt: Denn so erschreckend die Bilder auch sein mögen, zeigen sie uns auf so erschütternde Weise, dass wir Menschen viel zu lange weggesehen haben. Wir müssen mehr hinschauen, das Leid der Tiere wahrnehmen und spüren – und dann handeln.

 „Wenn das Leiden eines anderen Geschöpfes bei dir Schmerz auslöst, gib nicht dem anfänglichen Wunsch nach, davor zu fliehen, sondern komme dem Leid so nahe wie möglich und versuche zu helfen.“ - Leo Tolstoi.

Dieses Zitat, welches groß und beleuchtet zwischen den Bildern an einer der Wände prankt, bringt es nochmal auf den Punkt: Zum Wohle der Tiere, aber auch unserem und dem unserer gemeinsamen Erde, müssen wir uns der Realität stellen und weit mehr tun, um diese zu verändern.

Wir möchten Ihnen deshalb den Besuch der Fotoausstellung wärmstens empfehlen: Die gezeigten Bilder und Filme mögen schockieren, aber sie wecken auf.

© Konrad Lozinski

Noch bis zum 24. Mai 2021 können Sie die Ausstellung virtuell in einer 360-Grad-Tour erkunden. Tickets erhalten Sie für 5 Euro unter https://fhochdrei.org/360. Außerdem ist zur Ausstellung ein Buch erschienen: „HIDDEN: Animals in the Anthropocene“ (erhältlich in der Fotoausstellung in Berlin). Sollte es die Infektionslage zulassen, kann die Ausstellung auch wieder in Berlin besucht werden: fhochdrei – freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin.

Die Informationen entnehmen Sie bitte der Website der Veranstalter: www.fhochdrei.org.

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