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Coronavirus SARS-CoV-2: Was Tierhalter*innen jetzt wissen müssen

Mit zunehmender Ausbreitung der Infektionskrankheit COVID-19 wächst auch die Angst vor einer Ansteckung – immer mehr Menschen sind verunsichert und Tierfreundinnen und Tierfreunde wie Sie fragen sich: Kann mein Haustier das Coronavirus bzw. COVID-19 übertragen? Wer wird im Falle einer Quarantäne mein Tier betreuen? Wie gestalte ich das Gassi-Gehen während eines Lockdowns? Darf ich meiner Katze noch Freigang gewähren? Und was muss ich beim Tierarztbesuch oder Tierfutterkauf beachten? Wir geben einen Überblick über bekannte Fakten nach derzeitigem Wissensstand – und räumen mit Falschmeldungen auf.

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Hinweis: Angesichts der besonderen Situation haben wir unsere Inhalte zu diesem Thema übersetzt. Bitte teilen Sie die Informationen in Ihren Netzwerken:

Die mehrsprachigen Versionen des Artikels finden Sie: 
»welttierschutz.org/en/animals-coronavirus/ [englisch] 
»welttierschutz.org/en/koronavirus/ [türkisch]

Infografiken zum Teilen finden Sie direkt auf Facebook:
»bit.ly/tiere-coronavirus [deutsch]
»bit.ly/animals-coronavirus [englisch]
»bit.ly/wtg_koronavirus [türkisch]
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Grundsätzlich möchten wir vorab darauf hinweisen, dass wir uns dem fachlichen Rat renommierter Wissenschaftler*innen und der Empfehlungen der Bundesregierung anschließen, soziale Kontakte auf das Mindeste zu reduzieren. Nur so können wir die Geschwindigkeit, in der sich das Virus ausbreitet, verringern. Zur sozialen Isolation gehört es auch, den Aufenthalt im öffentlichen Raum so gering wie möglich zu halten – und eben auch Spaziergänge und Gassi-Runden mit Bedacht zu gestalten. Bei der Umsetzung der Maßnahmen gilt es, Solidarität für seine Mitmenschen zu zeigen.

Merkliste:

  • Berücksichtigen Sie bitte die Empfehlungen für soziale Distanz und halten Sie Gassi-Gänge kurz.
  • Sorgen Sie für den Fall präventiver Isolation oder krankheitsbedingter Quarantäne vor, indem Sie eine Notfallbetreuung für Ihr Tier planen.
  • Halten Sie ggf. notwendige Medikamente für das Tier bereit.

Die wichtigsten Fragen im Detail:

Können sich Haustiere und Farmtiere mit Sars-CoV-2 infizieren? Können sie an Covid19 erkranken und Artgenossen anstecken? Und können erkrankte oder infizierte Haustiere oder Farmtiere Menschen anstecken?

In den sozialen Netzwerken kursieren leider sehr viele Halbwahrheiten und falsche Informationen zu diesem Thema. Dabei sind sich die Fachkreis einig: Nein, zum jetzigen Stand der Wissenschaft gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass Haustiere wie Hund, Katze und Maus Überträger sind. Ebenso gilt Konsens darüber, dass Farm- bzw. Nutztiere das Virus nicht übertragen. Sie alle werden nach dem derzeitigen Wissensstand als "epidemiologische Sackgasse" für Sars-CoV-2 betrachtet.

Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) sind sich einig, dass in den bisher bekanntesten Fällen nicht die Tiere weder infiziert noch erkrankt waren, sondern das Virus kurz vor den Tests über mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen an das Tier gelangte.

Können sich Haustiere wie Hunde und Katzen mit Sars-CoV-2 infizieren und an Covid19 erkranken?

Zu diesen Fragen forschen gerade mehrere Wissenschaftsgruppen weltweit – denn Sars-CoV-2 ist ein neues Virus, über das wir noch viel lernen müssen. Wir möchten deshalb eindringlich darauf hinweisen, dass etwaige Veröffentlichungen, Theorien und Fakten, die aktuell kursieren, beim derzeitigen Forschungsdruck in einigen Fällen nicht so intensiv geprüft werden können, wie es der wissenschaftliche Betrieb gewöhnlich vorsieht. Es gilt also unbedingt erst einmal Ruhe zu bewahren – denn jede These muss sich im wissenschaftlichen Diskurs langfristig bewähren. So kann es auch sein, dass eine heute als neuer Fakt gefeierte Information in zwei Wochen schon keine Gültigkeit mehr hat. Deshalb bitten wir auch um Vorsicht im Umgang mit Neuigkeiten, die sich schnell in den sozialen Netzwerken verbreiten. Denn hier kursieren leider sehr viele Halbwahrheiten und falsche Informationen zu diesem Thema.

Für die Risikoeinschätzung bedarf es immer eines Blickes auf den aktuellen Stand der Wissenschaft für jede einzelne Tierart.

Im Folgenden listen wir auf Grundlage der aktuellsten Veröffentlichungen der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) auf, was bisher bekannt ist. Alle weltweit untersuchten Studien rund um vermeintlich infizierte Tiere werden auch auf den Internetseiten der OIE laufend aktualisiert.

Stand unserer Auflistung ist Februar 2021.

Hunde

Mittlerweile ist bekannt, dass hinter den medial weit verbreiteten Fällen angeblich positiv getesteter Hunde in Hong Kong mehr steckt als meist dargestellt wurde: Von maßgeblicher Bedeutung für das Verständnis ist, dass im Falle der Hunde die Probe jeweils aus der Schnauze, explizit der Zunge, der Tiere entnommen wurde und sich der Erreger somit nicht „im“ sondern „am“ Tier befand. Daraufhin wurden die Hunde unter Quarantäne gestellt und die Tests mehrfach wiederholt: Die Ergebnisse waren stetig negativ.  Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die OIE sind sich einig, dass in diesen Fällen die Hunde weder infiziert noch erkrankt waren, sondern das Virus kurz vor den Tests über mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen an das Tier gelangt sein muss.

Krankheitsanfälligkeit: Es gibt mittlerweile einige wenige Fälle, in denen sich Hunde bei ihren erkrankten Halter*innen mit dem Virus infiziert haben. Bis auf sehr wenige Ausnahmen zeigten diese Hunde allerdings keine Krankheitssymptome. Eine Übertragung des Virus vom Hund auf den Menschen ist derzeit noch nicht vorgekommen.
Experimentelle Studien und die oben genannten Fälle weisen deshalb ein niedriges Risiko für Hunde aus. Hinsichtlich der Verbreitung des Virus spielen Hunde nach derzeitigem Kenntnisstand keine Rolle.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Hunde werden auch als "epidemiologische Sackgasse" für Sars-CoV-2 betrachtet, weil es bisher weltweit keinen natürlichen Fall der Ansteckung unter Artgenossen oder auf den Menschen gibt.

Katzen

Krankheitsanfälligkeit: Studien haben ermittelt, dass sich Katzen ähnlich wie marderartige Tiere wie z.B. Frettchen und Großkatzen wie Tiger und Löwen mit Sars-Cov-2 infizieren können. Auch gibt es weltweit bereits einige Fälle, in denen positiv getestete Katzen Krankheitssymptome zeigten.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Es ist in unterschiedlichen Studien nachgewiesen worden, dass Katzen unter Versuchsbedingungen das Virus bis zu fünf Tage unter Artgenossen verbreiten konnten. Es ist belegt, dass Katzen sich beim Menschen anstecken können, eine umgekehrte Übertragung, also von Katzen auf den Menschen, ist bisher aber nicht bekannt. Entsprechend spielen Katzen, ebenso wie Hunde, bei der Verbreitung des Virus nach derzeitigem Kenntnisstand keine Rolle.

Als Ratschlag an Katzenhalter*innen gilt, im Falle einer eigenen Erkrankung den Kontakt zum Tier so gering wie möglich zu halten und der Katze in der Zeit der Quarantäne keinen Freigang zu gewähren.

Kaninchen und Hasen

Krankheitsanfälligkeit: Bisher gibt es nur eine Studie mit Zuchtkaninchen aus der Fleisch- und Pelzindustrie, weshalb keine Risikoabschätzung für einzelne, als Haustier gehaltene Kaninchen möglich ist.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Das Risiko für eine Infektion von Mensch auf Tier oder umgekehrt sowie von Tier auf Tier wird als niedrig eingeschätzt.

Farmtiere wie Rinder, Schweine und Geflügel

Es gibt bisher keine Hinweise, dass Nutztiere eine besondere Rolle in der Sars-Cov-2-Pandemie spielen, weder für die Verbreitung des Virus noch als Infektionsquelle.

Krankheitsanfälligkeit: In unterschiedlichen experimentellen Studien konnte bei Geflügeltieren, darunter Hühner, Enten und Truthähne, trotz hoher zugeführter Viruslast keine Infektion festgestellt werden. Bei Rindern und Schweinen war in den Versuchen unter Laborbedingungen eine Infektion nur sehr schwer möglich, weshalb beide als wenig anfällig eingestuft sind.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Einen Fall, in dem das Virus unter Farmtieren weitergetragen wurde, gab es bisher nicht. Auch unterschiedliche Studien, sowohl mit Schweinen und Rindern als auch Geflügel, kamen allesamt zu der Einschätzung, dass das Risiko für eine Übertragung zwischen Tier und Artgenossen sowie Tier und Mensch als unerheblich einzuschätzen ist.

Frettchen, Hamster und Meerschweinchen

KrankheitsanfälligkeitVersuche des Friedrich-Loeffler-Instituts haben gezeigt, dass sich Haustiere wie Frettchen und Goldhamster mit Sars-Cov-2 infizieren können. Bei Goldhamstern führt das Virus zu Gewichtsverlust und einer Beeinträchtigung der Lunge und auch bei Frettchen verläuft die Infektion nicht immer asymptomatisch. Meerschweinchen infizierten sich noch in keinem der experimentellen Versuche und gelten somit als nicht krankheitsanfällig.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Für Halter*innen von Frettchen oder Hamstern sollte die Vorsichtsmaßnahme gelten, dass Sie – wenn Sie sich mit Sars-Cov-2 infiziert haben – den Kontakt zum Tier und auch vom Tier zu haushaltsfremden Menschen und Tieren möglichst vermeiden. Zwar sind noch keine Fälle dieser Art bekannt, eine Weiterverbreitung vom infizierten Frettchen oder Hamster auf Mensch oder Tier kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Nerze

Krankheitsanfälligkeit: Es ist nachgewiesen, dass sich Nerze mit dem Sars-Cov-2 infizieren . Die Infektion äußert sich bei Nerzen mit Atemproblemen und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier: Es ist bewiesen, dass  Nerze das Coronavirus Sars-Cov-2 bzw. eine auf Nerze angepasste Mutation (Cluster 5 Mutation) untereinander und auch auf den Menschen übertragen können. Die bekannten Fälle haben sich in erster Linie aber auf Nerzfarmen ereignet, wo sehr viele Tiere auf engem Raum leben und die Viruslast besonders hoch sein kann. Untersuchungen ergaben außerdem, dass den Infektionen bei den Tieren aber Erkrankungen der Angestellten der Farmen vorausgingen, was bedeutet, dass das Virus also zunächst vom Menschen auf die Tiere und dann zurück auf den Menschen übertragen wurde. Um der Ausbreitung der Mutation vorzubeugen, wurden 2020 unter anderem in Dänemark »Millionen Nerze vorsorglich getötet. Doch die Virusmutante scheint dadurch nicht ausgerottet, stattdessen machen diverse Fälle mit der Cluster 5 Mutation infizierter Menschen in Bayern seit Ende Januar 2021 Schlagzeilen. So seien bereits bei mehr als zehn Menschen in Bayern die einst auf dänischen Nerzfarmen erstmals entdeckte Mutation des Virus nachgewiesen worden. Dies stellt Wissenschaftler*innen vor die Frage, ob diese nicht nur von Tier zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Eine erhöhte Gefahr für den Menschen durch die Mutation sehen die Wissenschaftler*innen derzeit aber nicht.

Mitunter gibt es hierzulande auch Menschen, die (vor allem amerikanische) Nerze als Haustiere halten. Diesen Tierhalter*innen empfehlen wir die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei der Haltung von Frettchen: Im Falle einer Erkrankung mit Sars-Cov-2 sollte der enge Kontakt zum Tier vermieden werden.

Hausmäuse und Waschbären

Da Hausmäuse und Waschbären in unmittelbarer Nähe zum Menschen leben – sie werden entsprechend auch als peridomestisch lebende Tiere bezeichnet – ist es von Interesse, ob auch diese das Virus übertragen können.

Krankheitsanfälligkeit: Nach jetzigem Wissensstand können sich Hausmäuse und Waschbären nicht mit Sars-Cov-2 infizieren.

Mögliche Übertragung zwischen Mensch und Tier sowie Tier zu Tier:
Das Risiko einer Infektion von Mensch auf Tier oder umgekehrt sowie von Tier auf Tier konnte bisher nicht nachgewiesen werden und gilt somit als sehr unwahrscheinlich.

Muss ich mein Tier aufgrund der seit Juli geltenden Corona-Meldepflicht für Haustiere jetzt auf das neue Coronavirus testen lassen?

Am 03. Juli wurde eine neue Verordnung im Bundestag verabschiedet, nach der positive Corona-Tests bei Haustieren meldepflichtig werden. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass nun jede*r Haustierbesitzer*in sein Tier testen lassen muss. Eine solche Verpflichtung ist laut der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auch in Zukunft nicht geplant.

Die Meldepflicht betrifft nur Tests von Tieren, die sowieso getestet wurden, zum Beispiel, weil deren Besitzer*innen mit dem Coronavirus infiziert waren und die Tiere Symptome einer Infektion aufweisen. In diesen Fällen kann ein*e Tierärzt*in einen Test in Erwägung ziehen – und ist durch die neue Verordnung im Falle eines positiven Testergebnisses dazu verpflichtet, dieses an die zuständigen Behörden zu melden. Die an die zuständigen Forschungsinstitute gemeldeten Corona-Tests können in diesem Fall dazu beitragen, mehr über das neuartige Virus herauszufinden.

Können Haustiere das Coronavirus von draußen ins Haus tragen?

Im Grunde genommen kann natürlich jedes Tier, ganz genau wie auch Gegenstände, z.B. Türklinken, einen Virus auf sich tragen und somit weiter transportieren. Eine Ansteckung vom Tier auf den Menschen und andersherum ist aber sehr unwahrscheinlich. Dazu könnte es theoretisch kommen, wenn das Tier zuvor direkt von einer oder einem Erkrankten zum Beispiel angehustet oder angeniest wurde und der Erreger dann unmittelbar vom Tier an einen anderen Menschen weitergegeben wird, der sich dann z.B. nach dem Streicheln mit der Hand ins Gesicht fasst.

Sollten Tiere desinfiziert werden?

Nein, aus Tierschutzsicht sind Desinfektionen von Tieren kein gangbarer Weg und wir raten dringend von speziellen Reinigungsmaßnahmen wie derzeit fälschlicherweise vielfach verbreitet ab: Hunde und Katzen müssen nicht speziell gebadet und sollten schon gar nicht desinfiziert werden.

Kann ich mein Tier gegen das Coronavirus impfen?

Vielen Katzenbesitzer*innen ist sicher das feline Coronavirus ein Begriff. Ebenso haben Sie vielleicht gehört, dass sich Hunde mit einem Coronavirus infizieren können. Diese Viren gehören, wie auch Sars-Cov-2, zu der Familie der Coronaviren, die aber sehr groß ist. Ihre einzelnen Vertreter können verschiedenste Krankheiten bei den unterschiedlichsten Wirtsarten hervorrufen – und sind entsprechend unterschiedlich zu betrachten. So gehören die Coronaviren bei der Katze und dem Hund zur Gattung der Alphacoronaviren, SARS-CoV-2 hingegen zur Gattung der Betacoronaviren. Eine immunologische Beeinflussung durch eine Impfung ist daher nicht wahrscheinlich oder höchstens nur extrem gering.

Das heißt: Eine Impfung gegen Sars-Cov-2  für Tiere wäre ungeeignet und unnötig.

Wer kümmert sich um mein Tier, während ich mich in präventiver Isolation oder krankheitsbedingter Quarantäne befinde?

Im Falle einer Erkrankung, wenn Sie aus einem Risikogebiet einreisen oder mit einer erkrankten Person in Kontakt standen, gilt für Sie unverzüglich eine Quarantäne mit strenger Ausgangssperre. Die aktuellen Bestimmungen finden Sie stets aktuell auf den Seiten der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus

Sollten Sie erkrankt sein, ist zunächst zu empfehlen, dass ein nicht infiziertes Haushaltsmitglied die Versorgung für Ihr Haustier übernimmt und dabei aus reiner Vorsicht enger Kontakt vermieden wird. 

Doch für diesen Fall der Isolation oder Quarantäne gilt es schon jetzt vorzusorgen und einen Notfallplan für die Betreuung Ihres Tieres sicherzustellen.

  • Vereinbaren Sie bereits jetzt, vorbereitend, mit 2 bis 3 vertrauten Personen, dass sich diese im Falle einer Isolation oder Quarantäne um Ihr Tier kümmern können.
  • Wählen Sie die Menschen mit Bedacht: Bestenfalls sind die Freunde oder Bekannten bereits mit Ihrem Tier vertraut.
  • Sollten Sie auf professionelle Tierbetreuung oder Hilfe aus der Region (s.u.) zurückgreifen, stellen sie sicher, dass Sie diese Menschen schon jetzt für den Fall der Fälle mit Ihrem Tier vertraut machen.
  • Sorgen Sie außerdem dafür, dass genügend Futter und ggf. notwendige Medikamente für Ihr Tier vorhanden sind.

Sprechen Sie Ihre Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, Nachbar*innen oder im Falle einer Betreuung von Pferden auch andere Reiter*innen im Stall offen auf Ihre Notfallplanung an. Finden Sie keinerlei Möglichkeit für die Betreuung Ihres Tieres, lassen Sie sich bitte von hilfsbereiten Menschen in Ihrer Region unterstützen. In den sozialen Medien wie Twitter und Facebook bieten dieser Tage sehr viele Nutzer*innen unter Hashtags wie #Coronahilfe, städtebezogen z.B. #CoronaBerlin oder in Gruppen wie Gassigeher bundesweit (für Deutschland) und Notfall Tierbetreuung (für Osterreich) ihre Hilfe an.

Eine weitere Möglichkeit bieten Tierpensionen oder im akuten Notfall und in unserem Wunsch als letzte Möglichkeit auch Tierheime, von denen einige Tiere gegen eine Pauschale in ihre Obhut nehmen.

Für Hunde und Pferde, für deren Betreuung ein Gang vor die Tür notwendig ist, muss für den Fall einer Quarantäne zwingend eine vertrauensvolle Pflege gewährleistet sein. Welche weiteren Tierarten Sie in eine Betreuung geben sollten, hängt im Fall einer Quarantäne vom Einzelfall ab: Ihre Katze, die Kaninchen, Vögel oder auch andere Kleintiere könnten im Falle einer präventiven Quarantäne oder eines milden Krankheitsverlaufes bei Ihnen in der Wohnung – in vertrauter Umgebung und als Stütze für Sie – bleiben.

Halten Sie im Falle einer Quarantäne bitte unbedingt Rücksprache mit Ihrem zuständigen Gesundheitsamt, das den tagesaktuellen und individuellen Wissensstand mit Ihnen teilen kann.

Infografik: Das Wichtigste zum Notfallplan auf einen Blick

Wie gestalte ich Gassi-Gänge trotz sozialer Isolation? Und darf ich während des Lockdowns noch mit meinem Hund raus?

Derzeit gibt es keine konkrete Regelung, die Bedingungen an das Gassi-Gehen stellt. In Ländern wie Spanien und Frankreich, wo Ausgangssperren galten, waren Tierhalter*innen aufgefordert, eine Selbstauskunft bei sich zu tragen und die notwendigen Spaziergänge mit Tieren sowohl in der Nähe der Wohnung als auch möglichst kurz zu halten. Gassi-Gänge per se blieben aber immer erlaubt.

Glücklich schätzen kann sich aber, wer einen Garten hat und dort seinem Tier den notwendigen Auslauf gewähren kann. Tierhalterinnen und -haltern, die für die Spaziergänge mit dem Hund in den öffentlich Raum müssen, raten wir, die Gassi-Runden nach Möglichkeit im Sinne der sozialen Isolation in Bereiche Ihres Wohnortes zu verlegen.

Um das Bedürfnis Ihres Tieres nach Bewegung und Beschäftigung zu berücksichtigen, könnten Sie Ihrem Tier Indoor-Aktivitäten und Intelligenz-Spiele bieten. Im Handel gibt es eine Reihe sinnvoller Angebote.

Werden Tierarztpraxen bald geschlossen?

Dass Tierarztpraxen schließen müssen, sollten weitergehende Maßnahmen wie Ausgangssperren beschlossen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ließ den Bundesverband der Praktizierenden Tierärzte wissen: "Die im Nutztierbereich und für die veterinärmedizinische Grund- bzw. Notfallversorgung von Heimtieren tätigen Tierärzte, Tiermedizinischen Fachangestellten und Tierpfleger sind als systemrelevant eingestuft." Ebenso hat die EU-Kommission die Tiermedizin als systemrelevant anerkannt und somit generelle Praxisschließungen ausgeschlossen. 

Es ist trotzdem ratsam, präventiv Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt zu halten, sollte das Tier dringend auf Behandlungen oder Medikamente angewiesen sein.

Denken Sie aber daran: Auch beim Tierarztbesuch ist es wichtig, sich vorab telefonisch anzukündigen und zu informieren. Allgemeinen Empfehlungen folgend, verschärfen bereits einige Tierarztpraxen ihre Vorschriften. So erlauben sie teilweise nur offensichtlich gesunden, also symptomfreien Halter*innen nach vorheriger Terminvereinbarung den Eintritt in die Praxis. Ebenso bitten einige darum, in der Praxis 1,5 bis 2 Meter Abstand zwischen Tierhalter*in und Tierärzt*in einzuhalten. Dadurch wollen die Tierärzt*innen das Risiko einer Ansteckung minimieren.
In einigen Fällen werden Diagnosen sowie Rezeptausstellungen bereits auch per Telefon/E-Mail ermöglicht.

Dürfen Hundesitter*innen noch arbeiten?

Ja, für Hundesitter- oder Gassiservices gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine Einschränkungen. Bitte halten Sie aber unbedingt Rücksprache mit Ihrer/m vertrauten Sitter*in, wie sie oder er die Situation einschätzt. Besprechen Sie telefonisch dann auch, wie Sie die Übergabe des Tieres – mit ausreichend Distanz von 1,5 bis 2 Metern und nur bei guter Gesundheit – gestalten. Ebenso sollten Sie thematisieren, dass die oder der Sitter*in ggf. eine eigene Leine für Ihr Tier nutzt, um die Ansteckungsgefahr bei der Übergabe noch einmal stärker zu minimieren.

Sollte ich Tierfutter auf Vorrat kaufen?

Grundsätzlich gibt es keine Notwendigkeit, etwaige Lebensmittel oder Verbrauchsmaterialen zu „hamstern“. Ganz im Gegenteil: Trotz der verschärften Regeln und Schließung vieler Einzelhändler bleiben Supermärkte und Geschäfte für den Tierbedarf, wozu auch Tierfutter zählt, geöffnet. Zu empfehlen ist aktuell lediglich, für sich und Ihr Tier für den Fall einer Erkrankung oder die Quarantäne vorzusorgen und Nahrung für einige Tage, maximal zwei Wochen, bereitzuhalten – auch um den häufigen Gang in den Supermarkt vermeiden zu können. Übertreiben Sie aber bitte nicht – auch aus Solidarität anderen Tierhalter*innen gegenüber.

Darf ich meiner Katze noch Freigang gewähren?

Ja, hier gibt es nach dem derzeitigen Stand der Forschung zum Coronavirus keine Einschränkungen. Sollten Sie aber selbst infiziert oder bereits erkrankt sein, ist es laut Friedrich-Löffler-Institut während Ihrer Quarantäne ratsam, den Kontakt zwischen Ihrer Katze und haushaltsfremden Menschen und Tieren zu vermeiden – und in dieser Zeit Ihrem Tier besser keinen Freigang mehr zu gewähren.

Kann ich weiterhin das Tierheim besuchen?

Das hängt ganz vom Zweck Ihres Besuches und der Handhabung des Tierheimes ab. Einige Tierheime folgen bereits dem Rat zur sozialen Isolation und erlauben keine unangekündigten Besuche mehr. Dennoch müssen der Betrieb und die Versorgung der Tiere im Heim gewährleistet werden, weshalb freiwillige Mitarbeit bei der Pflege der Tiere sowie als Gassi-Helfer*innen unbedingt notwendig bleiben. Möchten Sie ein Tier adoptieren, nehmen Sie bitte zunächst telefonischen Kontakt zum Tierheim auf.

Bitte vermeiden Sie grundsätzlich unangekündigte Besuche und halten Sie telefonisch Rücksprache mit dem Tierheim Ihrer Region.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, Tierhalterinnen und -halter: Es sind besonders herausfordernde Zeiten, in denen vieles unklar ist. Wir raten Ihnen zu Vorsicht und bitten um Rücksichtnahme. Bleiben Sie besonnen, prüfen Sie Meldungen kritisch und teilen Sie keine Informationen, wenn die Quelle unseriös erscheint. Holen Sie sich bei Unklarheiten professionellen Rat bei Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.

Wir wünschen Ihnen von Herzen alles Gute – bleiben Sie gesund.

Ihr Beitrag zum WTG-Nothilfefonds

Von ganzem Herzen bitten wir Sie, auch in dieser persönlich so herausfordernden Zeit an der Seite der Tiere zu bleiben. Jede Spende für den WTG-Nothilfefonds rettet Tierleben!

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