Im Kampf gegen Corona-Fakenews: Die Tierschutzthemen brauchen Sie!

Sie sehen in Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis oder in den Sozialen Netzwerken eine reißerische Überschrift oder offensichtliche Falschmeldungen über Tiere und das Coronavirus? Bitte handeln Sie! Die folgenden Punkte haben wir auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes (Mai 2020) zusammengestellt. Die Antworten können Ihnen als Vorlage für Ihre Argumentation dienen – so können Sie helfen, Tierschutzbildung zu leisten und unnötiges Tierleid verhindern.

Ein Beitrag von Katharina Lobermeyer, Bundesfreiwilligendienstleistende bei der Welttierschutzgesellschaft

Die Coronakrise löst in vielen von uns Angst und Unsicherheiten aus: Können meine Haustiere erkranken? Gelten Hunde und Katzen als Überträger? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, arbeitet die Wissenschaft unter Hochdruck. Doch in der Zwischenzeit gelangen immer wieder einzelne Thesen als vermeintliche Fakten an die Öffentlichkeit. Wir bitten Sie: Bleiben Sie besonnen und seien Sie sich bewusst, dass alle Erkenntnisse zum Coronavirus Sars-Cov-2 und seinem Zusammenhang mit Tieren noch umfassend geprüft werden müssen, bis sie tatsächlich als wissenschaftlicher Konsens gelten.

Bis dahin gilt es, Fakenews und Halbwahrheiten unbedingt aufzudecken und aufzuklären – mit unserem Leitfaden und Beispielkommentaren, die Sie beliebig kopieren und unter entsprechende Beiträge setzen können, werden Sie selbst aktiv.

Fall 1: Wieder haben sich Hunde, Katzen oder andere Haustiere mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert.

Achtung bei der Verbreitung dieser sehr verkürzten Aussage, die leider mehr Angst schürt, als dass sie aufklärt. Sars-Cov-2 ist ein neues Virus, über das wir momentan noch viel lernen müssen. Veröffentlichungen, Theorien und Fakten können beim derzeitigen Forschungsdruck in einigen Fällen nicht so intensiv geprüft werden, wie es der wissenschaftliche Betrieb gewöhnlich vorsieht. Es gilt also trotz der vermeintlich neuen Erkenntnisse erst einmal Ruhe zu bewahren –  denn wie diese muss sich jede These im wissenschaftlichen Diskurs langfristig bewähren. So kann es auch sein, dass diese aktuelle, heute als neuer Fakt gefeierte, Information in zwei Wochen schon keine Gültigkeit mehr hat.

An die Tierhalter*innen unter uns: Wichtig ist hier auch die Unterscheidung zwischen Infektion und Übertragung: Zwar hat es wohl bereits einige Fälle gegeben, in denen Tiere nachweislich mit dem Coronavirus infiziert wurden, doch gibt es weiterhin weltweit noch keinen Beleg, dass Hunde, Katzen oder andere Haustiere wiederum den Menschen anstecken können. Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft (@WTGev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 2: Ein Hund, eine Katze oder ein anderes Haustier hat den/die Besitzer*in infiziert bzw. die Tiere seien nun klar als Überträger zu sehen. Haustiere werden aus Angst vor einer Infektion durch das Tier ausgesetzt.

Achtung bei der Verbreitung dieser Halbwahrheit. Zum jetzigen Stand der Wissenschaft gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass Haustiere wie Hund, Katze und Maus Überträger sind – darüber sind sich die Fachkreise einig. Ebenso gilt Konsens darüber, dass Farm- bzw. Nutztiere das Virus nicht übertragen. Sie alle werden nach dem derzeitigen Wissensstand als "epidemiologische Sackgasse" für CoV2-SARS betrachtet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) sind sich einig, dass in den bisher bekannten Fällen infizierte Tiere das Virus über mit Sars-CoV-2 infizierte Menschen an die Tiere gelangt sein muss. Der umgekehrte Fall, die Infektion eines Menschen durch ein Tier, wurde bisher noch nirgendwo auf der Welt nachgewiesen. Bitte verbreitet nicht ungeprüft Meldungen wie diese oder überspitzt Aussagen. Es ist noch so viel unklar und Halbwahrheiten wie diese können Ängste schüren, die letztlich in Tierleid resultieren.

Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 3: Hunde und Katzen sollten auf den Coronavirus Sars-Cov-2 getestet sowie zur Reinigung speziell gebadet oder desinfiziert werden.

Nein, bitte so etwas nicht sagen oder weiterverbreiten! Aus Tierschutzsicht sind Desinfektionen von Tieren kein gangbarer Weg und Organisationen wie die Welttierschutzgesellschaft @wtgev raten dringend von speziellen Reinigungsmaßnahmen wie derzeit fälschlicherweise vielfach verbreitet ab: Hunde und Katzen sollten nicht speziell gebadet und müssen schon gar nicht desinfiziert werden. Auch Corona-Tests für Tiere sind wenig sinnvoll, da es bisher weltweit keinen Fall gibt, in dem Haustiere  nachweislich als Überträger des Virus festgestellt wurden.

Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 4: Haustiere sollen Masken beziehungsweise Schuhe oder ähnliches zum Schutz vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus tragen.

Das ist nicht nötig, bitte diese Fehleinschätzung nicht verbreiten. Bisher gibt es weltweit noch keine Belege, dass Haustiere den Virus auf Menschen übertragen können. Aus Tierschutzsicht ist grundsätzlich von speziellen Masken oder Schuhen für die Tiere dringend abzuraten. Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/

Fall 5: Haustiere müssten im Falle der eigenen Infizierung zwingend an andere Personen oder Tierheime abgegeben werden.

Das stimmt so nicht. Haustiere sind doch für viele von uns Familienmitglieder und dringend auf unsere Fürsorge angewiesen – wir dürfen sie auch in unserer eigenen Not nicht vernachlässigen. Deshalb sollte jeder Einzelne von uns jetzt für den Fall vorsorgen, dass sie oder er sich mit dem Coronavirus infiziert und/oder in häusliche Quarantäne muss. In vielen Fällen kann ein nicht infiziertes Haushaltsmitglied die Versorgung für das Haustier übernehmen. Ist dem nicht so, kann man vorbeugen, dass eine gute Versorgung sichergestellt wird, indem man schon jetzt eine Notfallbetreuung abklärt – im Freundeskreis, über Netzwerke oder mit Hilfe des Tierarztes wird sich eine tiergerechte Lösung für diese Zeit finden. Tipps für die Vorbereitung des Notfallplans hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengestellt: https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 6: Es gibt jetzt Impfungen für Tiere gegen das neuartige Coronavirus.

Die Familie der Coronaviren ist groß und ihre einzelnen Vertreter können verschiedenste Krankheiten bei den unterschiedlichsten Wirtsarten hervorrufen, das heißt: Das Coronovirus für Katzen ist zum Beispiel ungefährlich für Hunde, oder wiederum jenes für Hunde keine Gefahr für den Menschen und somit auch das aktuell für den Menschen hoch infektiöse Virus kein Thema für unsere Haustiere.

Entsprechend sind auch Impfungen gegen die unterschiedlichen Coronaviren jeweils höchst spezialisiert auf die eine Variante. Unabhängig davon, dass es zum Schutz vor Sars-Cov-2 aktuell noch keinen für den Menschen wirksamen Impfstoff gibt, wäre diese Impfung auch für Tiere gänzlich ungeeignet und unnötig. Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 7: Hunde sollten nicht mehr Gassi gehen dürfen.

Derzeit gibt es keine konkrete Regelung, die Bedingungen an das Gassi-Gehen stellt. In Ländern wie Spanien und Frankreich, wo Ausgangssperren galten, waren Tierhalter*innen aufgefordert, eine Selbstauskunft bei sich zu tragen und die notwendigen Spaziergänge mit Tieren sowohl in der Nähe der Wohnung als auch möglichst kurz zu halten. Gassi-Gänge per se blieben aber immer erlaubt.

Sollte man im Sinne der sozialen Isolation vor allem kurze Spaziergänge führen, berücksichtigt man bitte das Bedürfnis es Haustieres nach Bewegung und Beschäftigung – zum Beispiel durch Indoor-Aktivitäten und Intelligenz-Spiele für Tiere. Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere sowie Tipps für diese Zeit hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Fall 8: Katzen sollten keinen Freigang mehr bekommen.

Das stimmt so nicht. Hier sollte man zwischen "Corona-freien" Haushalten und Quarantäne-Haushalten unterscheiden. Denn nach dem derzeitigen Stand der Forschung zum Coronavirus gibt es keine Befunde, die darauf hindeuten, dass Katzen das Virus von draußen mitbringen und auf den Menschen übertragen können – gegen Freigang spricht deshalb nichts. Sollte man aber selbst mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert oder bereits an Covid-19 erkrankt sein, ist das etwas anders: Jetzt muss man sowohl den Kontakt zwischen haushaltsfremden Menschen und auch Tieren vermeiden – und in dieser Zeit der Katze aus reiner Vorsicht auch keinen Freigang gewähren. Weitere Informationen zum Thema Coronavirus und (Haus)tiere hat die #Welttierschutzgesellschaft (@wtgev) hier zusammengefasst >>https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, Tierhalterinnen und -halter: Es sind besonders herausfordernde Zeiten, in denen jeder Einzelne von uns gefragt ist. Bitte setzen Sie sich mit uns dafür ein, dass Fakenews zum Thema Tier und Corona keine Chance haben. Herzlichen Dank!

Ihr Beitrag zum WTG-Nothilfefonds

Von ganzem Herzen bitten wir Sie, auch in dieser persönlich so herausfordernden Zeit an der Seite der Tiere zu bleiben. Jede Spende für den WTG-Nothilfefonds rettet Tierleben!

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