Esel in Indien: Reisebericht aus dem Jahr 2014

Esel in Indien

Tierschutz beginnt mit Aufklärung

Die Tierärztin der Welttierschutzgesellschaft Daniela Schrudde besuchte das Eselprojekt in Indien, um sich selbst ein Bild über die Situation vor Ort zu machen. Lesen Sie hier ihren Erfahrungsbericht:

„Bei unserer Ankunft im Süden Indiens flirrt die Luft vor Hitze. Unter solchen Umständen harte Arbeit ausführen zu müssen, ist für uns unvorstellbar. Aber genau das tun die hunderte und aberhunderte von Eseln in dieser Region jeden einzelnen Tag. Ob das Material für ein neues Haus heran geschafft, Früchte transportiert oder Sand aus dem Flussbecken gehoben werden muss, ohne die kleinen grauen Pferdetiere würde hier nichts funktionieren.“

Leider, leider wird aber die Einstellung zu den haarigen Helfern in Indien von Fehlinformationen und Herablassung dominiert. Esel sind Lebewesen zweiter Klasse und werden von manchen Tierärzten noch nicht einmal zur Behandlung zugelassen.

Um den kleinen Helfern, die wirklich deutlich kleiner sind als in Europa, nach und nach und vor alledem nachhaltig aus ihrer Situation zu helfen, gibt es die Esel-Klinik. In den letzten zwei Jahren wurden mit unserer Unterstützung acht mobile Eselkliniken in Südindien durchgeführt. Tierärzte und Helfer machten sich gemeinsam mit Studenten der Tiermedizin auf den Weg durch die Gegenden, um Wunden zu behandeln, zu entwurmen, zu impfen und vor allem und am wichtigsten, um aufzuklären. Insgesamt konnten 1.753 Esel medizinisch behandelt und somit das Leben der Tiere nachhaltig verbessert werden.

Die Eselhalter leben meist in ärmlichen Verhältnissen und sind auf Auftragsarbeit angewiesen. Da es also an Landeigentum mangelt, auf dem sie ihre Tiere halten könnten, wandern diese umher. Dabei werden sie auf der Straße, im wilden Verkehr Indiens, nicht selten angefahren. Zudem kommt der Fehlglaube, dass die Verbrennung einer Wunde bei deren Heilung hilft, das Aufschneiden der Nasenlöcher die Atmung verbessert und bei Maden im Gehörgang das Ohr abgeschnitten werden sollte.

Bei den Wiederholungsvisiten der mobilen Klinik in den Städten Odanthrui & Ooty wies kein Esel neue Schnitt- und Kerbwunden auf. Ein positives Zeichen für uns, dass dort auch die Aufklärungsarbeit gefruchtet hat und sich die Ansichten der Tierhalter langsam aber beständig ändern und sie Alternativen im Umgang mit den Tieren, auf deren Rücken dieses Land buchstäblich aufgebaut ist, annehmen.

Mitzuerleben, wie die damals, zu Beginn des Projektes, noch zurückhaltenden Eselhalter, heute ihre Tiere von sich aus zu den Stationen bringen und wie die Zeichen von schlechter Haltung und Fehlinformation mit jedem Besuch zurückgehen, freut nicht nur das Team an Ärzten, auch uns hat es tief beeindruckt.

Gleich am ersten Tag in der Donkey Clinic war zudem eine Gruppe kleiner Mädchen und Jungen dabei, die aufgeregt umher sprangen und sich alles genau ansahen. Die Kinder waren gekommen, um mehr über das Tier zu lernen, das hier den Alltag so sehr prägt. In einem Essay sollten sie anschließend über ihre Erfahrungen mit Eseln schreiben.

„Esel gehören zur Familie“ schrieb ein Mädchen, ein anderes „Wir ernähren mit ihrer Milch mutterlose Säuglinge“. Ein kleiner Junge gab an zu wissen, dass man im Jenseits bestraft würde, „wenn man seinen Esel schlägt oder misshandelt“. Das ein oder andere schien vielleicht etwas weit hergeholt aber was hängenblieb war, dass die Kinder sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzten, dass sie Freude mit den Eseln hatten und Interesse an den Tieren zeigten. Gerade in einem Land, in dem die Menschen so nah mit ihren Tieren zusammenleben und sie dermaßen zum Alltag gehören, hat uns dieser Tag wieder darin bestätigt, wie wichtig es ist, im Tierschutz bei den ganz Kleinen, den potentiellen Tierschützern von morgen zu beginnen.“

Nur durch die Unterstützung der Spenderinnen und Spender ist das Projekt möglich.

Vielen Dank!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.