Zusammen mit weiteren Organisationen innerhalb der Social Media Animal Cruelty Coalition und der Animal Welfare Alliance Uganda haben wir zahlreiche Tierrettungs‑Accounts genau im Blick. Der Fokus: Fake-Rescues, also inszenierte Rettungen, die sich vornehmlich in Uganda abspielen. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Hunde in den vermeintlichen Heimen sind alle näher dem Tode denn dem Leben – und mit herzzerreißenden Videos auf Social Media werden Unmengen Spendengelder gesammelt. Mit der Festnahme von einem der potenziellen Täter*innen ist diese Arbeit lange nicht beendet.
Lesen Sie hier alle Entwicklungen:
Was sind Fake-Rescues?
Im Rahmen des umfassenden Berichtes der Social Media Animal Cruelty Coalition zu inszenierten Tierrettungen (https://welttierschutz.org/fake-rescue-report/) haben wir 2024 aufgedeckt, wie Tierquäler*innen mittlerweile auf Social Media agieren: Tiere werden in Gefahrensituationen gebracht, um dann vermeintlich heldenhaft gerettet zu werden. Durch dramatische Videos und perfekte Inszenierungen erreichen die Inhalte Millionen Nutzer*innen – die wiederum aus ihrer Tierliebe heraus auch Spenden an die vermeintlichen Tierheld*innen senden.
Ein Beispiel für Fake-Rescues, das in den letzten Monaten immer stärker Verbreitung und damit auch unsere Aufmerksamkeit fand, sind Kanäle von „Hunderettern“ in Uganda. Sie posten nahezu täglich Videos aus „Tierheimen“, von Hunden, die dem Tode geweiht scheinen, von leeren Näpfen und versiegten Wasserquellen. Wer JETZT nicht spende, mache sich mitschuldig am Tod der Tiere, so wirkt es.
Doch ein genauer Blick auf die Inhalte und zahllosen Kanäle mit nahezu identischen Inhalten zeigt:
Die Tiere werden absichtlich verletzt oder in Gefahr gebracht, um dramatische „Videos“ zu inszenieren.
Die immer gleichen Tiere tauchten in mehreren Videos und auf verschiedenen Accounts auf.
Die Geschichten werden potenziell frei erfunden oder manipuliert, um die Nutzer*innen emotional zu berühren.
Ziel ist es häufig, internationale Spenden zu erschleichen.
Nach einer umfangreichen Beweissammlung von Freiwilligen innerhalb von SMACC und den Mitgliedsorganisationen (etwa durch Screenshots, Berichte und auch Zeugenaussagen von vor Ort) konnten die Indizien im Falle einiger sehr relevanter Kanäle bestätigt werden und es war klar: Hierbei handelt es sich eindeutig um inszenierte Tierrettungen!
Wie ging es weiter?
Durch den guten Kontakt von SMACC-Vertreter*innen zu Mitarbeitenden bei TikTok konnten die Beweise übermittelt werden. Auch wir als Welttierschutzgesellschaft sind so genannte „Trusted Flagger“, was bedeutet, dass Meldungen, die wir an die Moderationsteams machen, bevorzugt geprüft werden. Die Ergebnisse hinsichtlich der ugandischen Fake-Rescues wurden allesamt gemeldet – und unmittelbar in einer ersten Aktion mehr als 416 Accounts entfernt.
Mittlerweile reagiert TikTok sehr schnell auf jede weitere der Meldungen zu diesem Thema und wir zählen bis dato bereits über 2.000 gesperrte Accounts (Stand 13.07.). Einige Accounts legen zwar Einspruch ein oder erstellen neue Profile, aber sobald sie erneut erscheinen, reagieren auch Mitglieder innerhalb von SMACC umgehend – sodass diese Accounts schnell wieder entfernt werden.
Das zeigt auch, dass das Melden von Seiten aller Nutzerinnen und Nutzer wirksam ist!
International sind wir zudem als eines der ersten Mitglieder und langjährige Förderer von SMACC zum Thema vernetzt und stärken die Zusammenarbeit – auch, um Tierqual an der Wurzel zu packen:
So ermöglichten wir auch im Falle der ugandischen Fake-Rescues im Hintergrund weitere wichtige Arbeit von Tierschützer*innen – darunter investigative Arbeit. Gemeinsam mit der Animal Welfare Alliance Uganda (kurz: AWAU), einem Zusammenschluss in Uganda ansässigen Organisationen und Tierschützer*innen, die sich dem Ziel verschrieben haben, die Täter*innen hinter den Fake-Rescues in Uganda zu fassen, haben wir eine der zentralen Figuren ins Visier genommen. In den letzten Monaten wurde auch mit unserer Förderung diese Arbeit noch intensiviert – die Beweise wurden verarbeitet und an beauftragte Anwälte übermittelt, um den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Dann der Durchbruch: Am Morgen des 10. Mai 2026 wurde Owen M. in Mityana, Uganda, festgenommen!
Ihm wird nach ugandischem Recht unter anderem Tierquälerei gemäß Abschnitt 2(1)(e) des Animal (Prevention of Cruelty) Act Cap 49 zur Last gelegt. Im Zuge der Festnahme wurde neben dem uns bereits bekannten Tierheim ein zweites entdeckt, das sich in unmittelbarer Nähe befindet. Wir sind überzeugt, dass die Beweislast eindeutig ist und die Staatsanwaltschaft in Uganda wird seinen Fall im Verlauf dieses Sommers zur Anklage bringen wird. Die Animal Welfare Alliance Uganda tritt in diesem Fall als Mitklägerin auf und wird den Verlauf nah begleiten. Wir bleiben ebenso starke Partner der AWAU.
Gleichzeitig galt es direkt nach der Festnahme, die schwer misshandelten Hunde in Sicherheit zu bringen und ihnen die Chance auf ein Leben ohne Qual zu bieten. Auch hierbei unterstützten wir.
Der Zustand bei der Rettung war extrem schlecht, unsere Partner bangten um das Überleben zahlreicher Tiere. Geschwächt, verletzt und krank, wurden sie in sichere Obhut gebracht, gefüttert und medizinisch versorgt – und haben durch die intensive Betreuung der vergangenen Wochen schon gute Fortschritte gemacht: (Stand 15. Juni 2026)
Die ersten fünf Hunde erhielten, nachdem ihre Blutuntersuchungen keine Auffälligkeiten mehr zeigten, die Freigabe des Tierarztes zur Adoption an lokale Tierfreund*innen. Nachdem es bereits erste Adoptionsinteressenten gibt bereiten unsere Partner nun einen gründlichen Adoptionsprozess vor.
Fünf Hündinnen werden mit Chemotherapie gegen das so genannte Sticker-Sarkom behandelt, eine ansteckende, übertragbare Krebsart bei Hunden. Eine weitere Hündin, die wegen eines Gesäugetumors operiert wurde, ist auf dem Weg der Besserung.
Drei Welpen waren an Parvovirose erkrankt, einer verstarb in Folge der Infektion. Einer der Welpen kehrte erst kürzlich genesen in das Tierheim unserer Partner zurückkehren – und wurde dort schon sehnlichst erwartet, wie das folgende Foto zeigt:
Besonders berührt hat uns bei der Rettung der Fall des Welpen Copper, den Sie im folgenden Video sehen können. Auch Copper litt – als dritter der genannten Welpen – unter Parvovirose, seine Haut und sein Fell waren befallen – akute Symptome wie Appetit- und Antriebslosigkeit, Durchfall, Erbrechen und Fieber quälten ihn. Die Rettungsaktion, die am 10. Mai begann, bedeutete für ihn die Chance auf Behandlung und Genesung. Sein aktueller Zustand macht uns zuversichtlich, dass er bald gesund in ein Leben in einem liebevollen Zuhause ohne Qualen und Angst starten kann.
Sehen Sie im Video (per Klick auf „Inhalt entsperren“) , wie sich Welpe Copper zurück ins Leben gekämpft hat:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Die geschilderten Fälle zeigen, wie dringend notwendig die Rettung dieser Hunde und Katzen aus den Händen von Owen M. war.
Wie geht es jetzt weiter?
Beim letzten Gerichtstermin am 22. Juni 2026 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass die forensische Auswertung der vorliegenden Beweise noch nicht abgeschlossen sei. Das Gericht setzte daraufhin eine Frist bis zum 29. Juli 2026, an dem die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse vorlegen und das Verfahren weiterführen soll. Wir updaten Sie hier, sobald neue Informationen vorliegen.
Unterdessen gehen die ugandischen Strafverfolgungsbehörden auch mit Unterstützung der vorliegenden Recherchen von der AWAU verstärkt gegen weitere mutmaßliche Betrüger vor. Die Kriminalpolizei des Bezirks, in dem auch Owen M. seine “Tierheime” betrieb, führt seit einigen Wochen gezielte Razzien gegen vermeintliche Tierheime durch. Mitte Juni wurden dabei vier weitere Verdächtige festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.
Besonders besorgniserregend ist jedoch die Situation vieler Hunde, die nach den Festnahmen zurückgelassen wurden. Anfang Juli überprüfte unsere lokale Partnerorganisation mehrere verlassene Anlagen. Dabei wurden zahlreiche Hunde entdeckt, einige eingesperrt in verlassenen Tierheimen, andere sich selbst überlassen auf den Straßen. Die Behörden bereiten derzeit Maßnahmen vor, um weitere misshandelte und traumatisierte Tiere zu retten und in Sicherheit zu bringen.
Parallel dazu unterstützen wir unsere Partner vor Ort laufend noch dabei, weitere Fake-Rescues und deren digitale Netzwerke aufzudecken. So konnten 105 weitere verdächtige Social-Media-Seiten identifiziert werden, die dokumentiert und zur Sperrung gemeldet wurden.
Ein Katz-und-Maus-Spiel auf Kosten von Tieren: Wir bleiben dran!
Während die Ermittlungen gegen einige voranschreiten, passen andere Betrüger allerdings auch ihre Methoden zunehmend an. Um Verbindungen zu bekannten Fake-Rescues zu verschleiern, zeigen sie Tiere oftmals in offenen, nicht eindeutig zuordenbaren Umgebungen statt in wiedererkennbaren Einrichtungen. Zudem nutzen viele mittlerweile auch Bilder benachteiligter Kinder für betrügerische Spendenaufrufe – sie geben sich als Waisenhäuser aus und sammeln so Spenden. Darüber hinaus verwenden sie gestohlene Aufnahmen von Pferden und Eseln, um weitere vermeintliche Tierschutzprojekte vorzutäuschen und so zusätzliche Spendengelder zu generieren. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation arbeiten wir daran, diese Strukturen sichtbar zu machen.
Aufgrund der großen Not und dem weiteren Handlungsbedarf bleiben wir in Mityana weiter aktiv. Durch weitere Förderungen müssen wir die Recherchen, die Klagen und die Versorgung der misshandelten Tiere sicherstellen.
Doch trotz dieser großen Schritte gegen Fake-Rescues in Uganda bleibt das Problem global bestehen und bedarf auf übergeordneter Ebene unser aller Engagement:
Überall auf der Welt entstehen neue Fake‑Accounts, die sowohl alte als auch neue Inhalte posten und damit Reichweite erhalten.
Täter*innen passen nur ihre Methoden an und organisieren sich noch intensiver untereinander.
Einige soziale Netzwerke handeln kaum in Bezug auf die Inhalte – so sind reichweitenstarke Fake-Rettungen weiterhin trauriger Alltag, sie sammeln Spenden und quälen Tiere!
Was deshalb geschehen muss:
Als Welttierschutzgesellschaft (WTG) engagieren wir uns seit 2020 mit unserer Kampagne #StopptTierleid für nachhaltige Veränderungen. Wir …
informieren Nutzerinnen und Nutzer, wie sie Tierleid auf Social Media und darauf reagieren,
appellieren an Vertreter*innen der sozialen Netzwerke, ihre Gemeinschaftsstandards umfassend um Tierleid-Inhalte zu ergänzen und die Einhaltung durch entschiedenes Handeln der Moderations-Teams sicherzustellen,
fordern eine gesetzliche Grundlage in Deutschland, die Darstellung und das Verbreiten von verharmlosender und verherrlichender Gewalt gegenüber Tieren verbietet!
Jede Spende hilft – sichtbar bei der Versorgung der Tiere und unsichtbar bei der Verfolgung der Straftäter*innen. Zudem ermöglichen Sie uns starke anhaltende Kampagnenarbeit, um endlich das Tierleid für Likes von Social Media zu verbannen. Bitte helfen Sie! Herzlichen Dank!
Jede Spende zählt
Bitte helfen Sie!
Nur mit Ihrer Unterstützung können wir mit voller Kraft gegen Tierleid auf Social Media einstehen.
Die weltweit erste internationale Konferenz zum Thema Online-Tierquälerei brachte mehr als 130 Teilnehmende aus 30 Ländern zusammen. Wir… Weiterlesen »
Bilder und Videos von Gewalt gegenüber Tieren verbreiten sich in sozialen Netzwerken nahezu uneingeschränkt. Dadurch wird Tierleid verherrlicht… Weiterlesen »
Wie im Koalitionsvertrag angekündigt, hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat nun einen Referentenentwurf zur Änderung des… Weiterlesen »
Im Rahmen unserer Kampagne haben wir einen dringenden Appell an das Forstministerium der Republik Indonesien gerichtet – wir fordern: Ein landesweites Verbot des Handels mit… Weiterlesen »
Im deutschen Tierschutzrecht klafft eine große Lücke: Gewalt gegenüber Tieren kann nach aktueller Rechtslage straffrei verherrlichend und verharmlosend… Weiterlesen »
Unser Bericht über Fake Rescues (inszenierte Tierrettungen) auf Social Media bot einem Journalist*innen-Team Anlass, tiefgründig zu den Machenschaften… Weiterlesen »
Unser Bericht über Fake-Rescues hat aufgedeckt, wie mit inszenierten Tierrettungsvideos auf Social Media Spenden gesammelt werden: In großem… Weiterlesen »
Mit der Novellierung des Deutschen Tierschutzgesetzes wollte sich die Bundesregierung endlich lang überfälligen Lücken im bestehenden Gesetz widmen.… Weiterlesen »
Zurecht hat viele der Bericht über inszenierte Rettungen, den wir am diesjährigen Welttierschutztag veröffentlicht haben, schockiert. Wieder einmal… Weiterlesen »
Inszenierte Tierrettungen zu identifizieren und von echten Tierschutzbemühungen zu unterscheiden, kann schwierig sein. Die Fake Rescues werden immer… Weiterlesen »
neben der unermüdlichen Kampagnenarbeit hierzulande durch das Dokumentieren und Melden der grauenvollen Tierleid-Inhalte auf Social Media und unseren… Weiterlesen »
Zahllose Videos und Fotos kursieren, in denen die Tiere gekuschelt, gestreichelt und verhätschelt werden. In diesem Tierschutzblog zeigen… Weiterlesen »
Viele verschiedene Affenarten, wie Kapuzineräffchen, Weißbüschelaffen und Totenkopfäffchen, landen immer öftermehr und mehr in menschlicher Obhut. In diesem… Weiterlesen »
Das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover widmet sich jetzt im Rahmen eines… Weiterlesen »
Wir haben uns 50 der reichweitenstärksten Petfluencer*innen-Profile aus dem deutschsprachigen Raum genauer im Hinblick auf mögliche Tierleid-Darstellungen angeschaut.… Weiterlesen »
Die aktuelle Entscheidung des Netzwerks YouTube, bei der Moderation von Inhalten künftig die freiwillige Unterstützung engagierter Nutzer*innen einzuschränken,… Weiterlesen »
Während in der CatTape-Challenge die Tiere wider Willen in Tierleid-Situationen gebracht werden, begeistert die CatSquare-Challenge mit Liebe zum… Weiterlesen »
"Tiervideos im Netz werden millionenfach geklickt. Manchmal überschreiten Petfluencer*innen dabei aber Grenzen." Mit diesen Zeilen moderiert das ZDF-Magazin… Weiterlesen »
Leider kursieren gleich zwei Tierleid-Inhalte gänzlich unkritisch: Sowohl Kuh Rani als Inzucht (d.h. ihre Elterntiere sind verwandt) als… Weiterlesen »
Intensiv haben wir im Rahmen einer „Live-Dokumentation“ in den letzten Wochen ausgewählte sozialen Netzwerke und ihre Inhalte durchforstet.… Weiterlesen »
Aktuell beobachten wir mit Sorge die wachsende Bekannt- und Beliebtheit eines amerikanischen Produzenten von Hundeschuhen. Ja, Sie haben richtig gelesen:… Weiterlesen »
Schätzungen zufolge werden heute mehrere tausend Minischweine, auch Teacup Schweine genannt, in Deutschland als Haustiere gehalten – laut… Weiterlesen »