#BöllerCiao: Für ein angstfreies Silvester

Die jährlich wiederkehrende Belastung, die Tiere und ihre Halter*innen durch das tagelange Feuerwerk rund um den Jahreswechsel erfahren müssen, stellt ein großes Tierschutzproblem dar. Zudem werden, so berichten uns viele Menschen, Lärm und Stress für die Tiere gar von Jahr zu Jahr schlimmer. Als Welttierschutzgesellschaft sind wir seit 2023 – neben mittlerweile 65 weiteren Organisationen und Verbänden – Mitglied im Bündnis #BöllerCiao der Deutschen Umwelthilfe, das sich für ein böllerfreies Silvester einsetzt.   

Wie gesellschaftlich gewünscht das ist, haben wir von der Welttierschutzgesellschaft durch eine Umfrage nach der verheerenden Silvesternacht 2024/2025 erneut bestätigt: Die große Mehrheit der befragten Tierhalter*innen spricht sich für eine Gesetzesänderung aus, die privates Feuerwerk verbietet. Beeindruckend ist auch die Resonanz auf die Petition im Rahmen von #BöllerCiao. Insgesamt kamen bis Anfang Januar 2026 über 1 Million Unterschriften zusammen, die dann vor dem Bundesinnenministerium übergeben wurden – ein starkes Zeichen an die Politik, dass große Teile der Gesellschaft die aktuellen Zustände an Silvester nicht mehr mittragen.  Während auf lokaler Ebene bereits auch erste Maßnahmen ergriffen werden, um vor allem in Innenstädten die Böllerei zu begrenzen, findet auf Bundes- oder Landesebene noch immer viel zu wenig statt, um das Problem einzudämmen. Deshalb adressieren wir im Rahmen der Bündnisarbeit weiterhin insbesondere die Bundespolitik, um sie für ein dringend notwendiges, gesetzgeberisches Eingreifen zu gewinnen. Zentraler Ansprechpartner ist weiterhin das Bundesinnenministerium, das derzeit von Alexander Dobrindt geleitet wird. Dieser könnte mit einer Änderung der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz (konkret: 1. SprengV § 22 Abs. 1 Satz 1 & § 23 Abs. 2 Satz 2), die den Kauf und Gebrauch von Feuerwerk rund um den Jahreswechsel regelt, den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft beenden.   

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

das private Silvesterfeuerwerk ist in der heutigen Zeit der falsche Start in ein neues Jahr, denn die Unmengen an Böllern und Raketen sind nicht nur gefährlich und gesundheitsschädlich, sie verschmutzen auch unsere Umwelt. Wir möchten Sie deshalb dazu auffordern, die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) zu überarbeiten und den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft zu beenden. Dafür müssen lediglich zwei Sätze in der Sprengstoffverordnung gestrichen werden.

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern führt dazu, dass wir immer wieder mit schlechter Luft ins neue Jahr starten: Am 1. Januar ist die Luft vielerorts mit Feinstaubwerten belastet, die die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte deutlich überschreiten.

Besonders schlimm trifft es Tiere, denn sie können die Geräusche nicht einordnen. Für Haus-, Wild- und sogenannte Nutztiere bedeutet die Knallerei Stress, Panik und häufig auch Todesangst. Und das nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch an den Tagen rund um den Jahreswechsel. Jahr für Jahr entlaufen zahlreiche Haustiere, werden in ihrem Lebensraum aufgeschreckt, verletzen sich oder kommen zu Tode (…).

Auch für Familien mit kleinen Kindern, geflüchtete Menschen und viele andere, ist die fragwürdige Tradition mit Lärm und Angst verbunden. Silvester sollte eigentlich ein schönes Fest sein, aber kurz nach dem Jahreswechsel endet es leider oft mit überfüllten Notaufnahmen, erhöhter Brandgefahr und Verschmutzung durch Feuerwerksüberreste in der Stadt und der Natur. Einsatzkräfte im Gesundheitswesen, der Feuerwehr und der Müllentsorgung arbeiten deshalb immer wieder an der Belastungsgrenze.

Sehr geehrter Herr Bundesminister, bitte nehmen Sie sich endlich der Thematik an und stellen Sie jetzt die Weichen für einen Neustart. Damit setzen Sie ein wichtiges Zeichen für saubere Luft, den Umweltschutz sowie für die Gesundheit von Mensch und Tier! Eine Mehrheit der Bundesbürger:innen ist für ein Böllerverbot und steht dabei hinter Ihnen.

Wir fordern: Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz überarbeitet wird und sowohl § 22 Abs. 1 Satz 1 – „Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 dürfen dem Verbraucher im Jahr 2021 nicht und in anderen Jahren nur in der Zeit vom 29. bis 31. Dezember überlassen werden; ist einer der genannten Tage ein Sonntag, ist ein Überlassen bereits ab dem 28. Dezember zulässig“ – als auch § 23 Abs. 2 Satz 2 – „Am 31. Dezember und 1. Januar dürfen sie auch von Personen abgebrannt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben“ – gestrichen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Umwelthilfe, Gewerkschaft der Polizei, Bundesärztekammer, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, TASSO, Jane Goodall Institut Deutschland, Deutscher Tierschutzbund, PETA Deutschland, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg, Bundesverband Tierschutz e.V., NaturFreunde Deutschlands, Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, Pro Wildlife e.V., Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V., Deutsche Tinnitus-Liga e.v., Bundesverband Bürohund e. V., Haustierregister FINDEFIX, Deutscher Naturschutzring (DNR) e. V., Retinologische Gesellschaft e. V., Welttierschutzgesellschaft e. V., Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft, Land der Tiere, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V., Wildtierschutz Deutschland e. V., Deutsche Atemwegsliga, Deutsche Lungenstiftung, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), Senior*innenvertretung Tempelhof-Schöneberg, Die Augenchirurginnen, Landesseniorenbeirat Berlin, Animals United e. V., Deutsche Tier-Lobby, Fortuna hilft e. V., Stiftung Hof Butenland, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V., fuss e. V., KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, NAJU (Naturschutzjugend im NABU), Health for Future, holi.social, Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Verband Neurodiversität, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., International Fund for Animal Welfare (IFAW), Bundesverbands für Umweltberatung (bfub) e.V., Zero Waste Germany e. V., Naida e.V., Tierschutz-Entwicklungshilfe e.V., Andreas Reuland (Augenarzt), Norbert Mülleneisen (Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Umweltmediziner)

Hier können Sie die Petition unterzeichnen: Petition Böllerverbot: für ein friedliches Silvester!

Doch Bundesminister Dobrindt ist nicht in alleiniger politischer Verantwortung, sich durch ein Verbot der Böllerei stärker zugunsten von Tieren, Menschen und Umwelt zu engagieren. Auch die Bundesländer haben Spielräume für weitere Einschränkungen für das Abbrennen von Feuerwerk. Daher richten sich die Appelle des Bündnisses auch an die Innenminister*innen der Bundesländer, insbesondere anlässlich der zwei Mal pro Jahr stattfindenden Innenminister*innenkonferenzen. 
 
Erst im Juni 2025 sowie Dezember 2025 stand das Thema erneut auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz in Bremerhaven bzw. Bremen. Der Vorschlag der Stadtstaaten Bremen und Berlin, den Kommunen mehr Spielraum beim Verbot von privaten Feuerwerken zu geben, wurde zu unserem großen Bedauern aber nicht angenommen. Somit hat sich die Politik ein weiteres Mal der Verantwortung entzogen, Tiere, Menschen und Umwelt endlich wirkungsvoll vor den Folgen der Böllerei zu schützen.  

Im Bündnis #BöllerCiao werden wir die Verantwortlichen in Bund und Ländern weiterhin an ihre Verantwortung erinnern – und das nicht nur durch politische Arbeit, sondern auch durch zahlreiche kreative Aktionen wie eindrucksvolle Drohnenshows.  

Am 16.12.2025 um 19 Uhr wurde eine beeindruckende Drohnenshow in Lüneburg veranstaltet – gemeinsam mit der Stadt – an der Sie alle herzlich zur Teilnahme eingeladen wurden. Die Drohnenshow stand symbolisch für unsere Botschaft: Silvester kann auch im Sinne von Tieren, Mensch und Umwelt stattfinden. 
 

© Gareth Harmer / DUH

Auf unserem Tierschutzblog erfahren Sie, warum Feuerwerk so belastend für Tiere und Umwelt sind, wie Sie Haus- und Wildtiere bestmöglich schützen können und wofür wir uns als Welttierschutzgesellschaft einsetzen. Mit praktischer Silvester-Checkliste für Hunde- und Katzenhalter*innen sowie weiteren Tipps für Ihre Zwei- und Vierbeiner. 

Setzen Sie zusammen mit uns ein starkes Zeichen: Für ein Silvester, das Tiere schützt, Menschen entlastet und der Umwelt nicht schadet – jetzt und in Zukunft. 

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