Die Bären nähern sich dem neuen Gehege an
Screenshot © ECO-HALYCH

Auf ins neue Gehege

Nach Monaten mühevoller Arbeit ist das neue, 20.000 qm große Gehege im ukrainischen Halych eröffnet. Die vier ehemaligen Zoo-Bären, die vor rund einem Jahr durch unsere lokale Partnerorganisation ECO-HALYCH befreit wurden, finden jetzt auf dem neuen Gelände viel zusätzlichen Platz und können sich bei Bedarf in den Wald oder ihre Höhlen zurückzuziehen.

Hintergrund: Bären in der Ukraine

In der Ukraine fristen zahlreiche Braunbären ihr Dasein unter widrigen Bedingungen. Um die Situation grundlegend zu ändern, haben die Welttierschutzgesellschaft und die ukrainische Tierschutzorganisation ECO-HALYCH ein bestehendes Schutzzentrum im Haylch Nationalpark um ein dringend benötigtes Gehege erweitert, das gequälten Bären als neues Zuhause dient und sorgen landesweit für mehr Bären-Bewusstsein.

Zum Projekt

Rückblick - die ersten 12 Monate im Schutzzentrum

Jahrelang lebten die Bären Dina, Nadia, Myr und Masha in kleinen, betonierten Käfigen im verlassenen Cherson-Zoo. Als im Sommer 2017, nach monatelangem Warten, endlich die Erlaubnis der Behörde vorlag, die Tiere aus ihrer schlimmen Situation zu befreien, schaffte die Welttierschutzgesellschaft im Rahmen einer Soforthilfe die Voraussetzungen, sie unterzubringen: In einem neu konstruierten, 1.650qm großen Gehege im Schutzzentrum des Halych Nationalparks verbrachten die Bären das erste Jahr nach ihrer Rettung. Hier erlebten sie das erste Mal echten Boden unter den Tatzen, wühlten das erste Mal in der Erde und schnupperten das Gras, tobten zum ersten Mal ausgelassen. Vom Glück der Bären in ihrem neuen Zuhause berichtete unser Mitarbeiter Christoph May.

Zwar entsprach das erste Gehege in seiner Größe den gesetzlichen Mindestanforderungen, nicht aber den Vorstellungen der Welttierschutzgesellschaft einer tiergerechten Unterbringung für Bären, die nicht in Freiheit leben. Daher haben wir auch den Bau eines zusätzlichen, zwei Hektar großen Geheges finanziert.
In diesem eröffnen sich den Bären noch mehr Möglichkeiten, ihre Instinkte auszuleben und ein gutes Bärenleben zu führen. So können sie ausgiebige Streifzüge durch das Unterholz unternehmen, haben deutlich mehr Platz, um sich auszutoben oder können sich einfach mal in den dichten Wald zurückziehen, wenn sie ungestört sein wollen. 

Die Erkundung des neuen Geheges erfolgt in kleinen Schritten

Um den Bären das neue Gehege schmackhaft zu machen und sie behutsam an die neue Umgebung heranzuführen, wurden zunächst die Übergänge zwischen dem alten und neuen Gehege mit Äpfeln und Nüssen gespickt.

Der Pool ist bei den Bären sehr beliebt
Screenshot © ECO-HALYCH
Der Pool ist bei den Bären sehr beliebt
Screenshot © ECO-HALYCH

Gut Ding will Weile haben: Jungbär Myr war schließlich der erste, der sich in das neue Terrain vorwagte. Vorsichtig erforschte er das Gehege…

Der Pool ist bei den Bären sehr beliebt
Screenshot © ECO-HALYCH

Dann gab es kein Halten mehr. Rennend tauchte er in den Wald ein. „Es schien, als hätte Myr sein Leben lang auf diesen Moment gewartet”, so unsere Partner von ECO-HALYCH, die jeden Schritt der Bären genauestens verfolgt und dokumentiert haben.

Der Pool ist bei den Bären sehr beliebt
Screenshot © ECO-HALYCH

Immer wieder kam Myr an das Durchgangstor zum alten Gehege zurück, um seine noch etwas skeptischen Geschwister Nadia und Masha sowie Mutter Dina zu animieren – und hatte schließlich Erfolg. Nadia wagte sich als nächste hinein. Und auch Dina konnte der Versuchung nicht mehr lange widerstehen.

Der Pool ist bei den Bären sehr beliebt
© ECO-HALYCH

Rückzug auf Zeit

Nur Masha, die große Schwester von Nadia und Myr, wurde mit dem neuen Gehege noch nicht so recht warm. Zwar folgte sie ihrer Familie das ein oder andere Mal auf das neue Gelände, doch ein anderer Instinkt war größer: Als erste der Bären traf Mascha ihre Vorbereitungen für die Winterruhe – zum ersten Mal in ihrem Leben zieht sie sich für die kalten Monate zurück!

Seit Ende November halten nun alle vier Bären Winterruhe. Dass sie das tun, ist etwas Besonderes und sehr erfreulich, denn es zeigt, dass die Tiere sich gut fühlen. In ihrer ehemaligen Behausung im Cherson-Zoo, wo die Bären jahrelang in kleinen Käfigen mit hartem Betonboden lebten, hatten sie diese Möglichkeit nie.

Der Unterschied zwischen Winterruhe und Winterschlaf

Um die kalten, nahrungsarmen Monate zu überstehen, halten Braunbären Winterruhe. Dafür ziehen sie sich in einen Bau zurück, der oft selbst gegraben und mit trockenen Pflanzen ausgekleidet wird. Manchmal nutzen sie auch natürliche Höhlen oder Felsspalten als Winterquartier. Während der Zeit der Winterruhe verlangsamen sie ihren Herzschlag und ihre Atemfrequenz.

Kleine Säugetiere halten hingegen Winterschlaf und passen dafür ihre Körpertemperatur der Außentemperatur an (sie sinkt auf bis zu 1-5°C). Zum Vergleich: Die Körpertemperatur der Braunbären verringert sich während der Winterruhe von normalerweise rund 36 °C um lediglich etwa 4 bis 5 °C. Daher kann ein Bär in Winterruhe auf Reize von außen reagieren und ist fähig, in kürzester Zeit zu erwachen und aktiv zu werden – beispielsweise um seine Höhle zu verteidigen.
Ein im Winterschlaf befindliches Tiere wäre dazu nicht in der Lage. Durch die Reduktion der Vitalfunktionen auf einen Bruchteil der normalen Werte sind sie dem Tode näher als dem Leben. Der Herzschlag des Igels beispielsweise reduziert sich von 200 auf 5 Mal pro Minute, seine Atemfrequenz von 50 auf ein- bis zweimal pro Minute und seine Körpertemperatur sinkt von 36°C auf bis zu 1°C. Ein Aufwachen kommt zwar gelegentlich vor, dann ändern die Tiere ihre Schlafposition und geben Kot und Urin ab, sie fressen aber nichts.
Braunbären hingegen verlassen durchaus hin und wieder ihr Winterquartier, um etwas zu essen. So kann ein Bär frostfreie Perioden nutzen, um nach Wurzeln zu graben und, sobald der Frost zurückkehrt, wieder in seinem Bau verschwinden und erneut ruhen.

Danke an alle, die uns dabei unterstützt haben, den vier ehemaligen Zoo-Bären ein gebührendes Zuhause zu schenken und ihnen ein gutes Bärenleben zu ermöglichen.

Lassen Sie die Bären nicht allein!

Jede Spende hilft, um gequälten Bären in der Ukraine ein besseres Leben zu ermöglichen und für mehr Tierschutzbewusstsein zu sorgen.

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